„Väter in Elternzeit bringen attraktive Kompetenzen für Firmen“

mlzVäter in Elternzeit

Warum gehen nur wenige Väter länger in Elternzeit und welche Bedingungen müssen geschaffen werden, damit sich die Zahl erhöht? Darüber haben wir mit einer Expertin gesprochen.

Selm

, 22.03.2019, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Prof. Dr. Irene Gerlach hat das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik in Münster mitgegründet. Sie saß als Expertin in zahlreichen Gremien, unter anderem im Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen des Bundesfamilienministeriums (seit 1998). Gerlach beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Frau Gerlach, durch die Einführung des Elterngeldes ist die Zahl von Männern gestiegen, die Elternzeit nehmen. Die meisten von ihnen gehen aber dennoch nur für eine kurze Zeit in Elternzeit. Warum ist das so?

Zunächst muss erst einmal betont werden, dass immerhin 35,8% der Elterngeldanträge von Vätern stammen und dass die Steigerungsrate im Vergleich zum Vorjahr bei Vätern bei 11% liegt, während es bei den Müttern nur 7% mehr waren (2017). Im Gesamtzusammenhang der Änderung von Geschlechterrollen ist das erstaunlich (wenn man im Vergleich bedenkt, dass die Gleichberechtigung schon 1919 eingeführt wurde…).

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern erklären sich durch mehrere Faktoren. Zunächst ist es ja so, dass mit den Partnermonaten ein Anreiz gesetzt ist, der bei fehlendem Betreuungswechsel zur Nicht-Zahlung des Elterngeldes für zwei Monate führen würde. Zudem gilt bei den meisten Paaren (nach Familiengründung) noch das 1 : 0,5-Verhältnis bei der Erwerbsarbeit. Viele Männer fürchten heute noch Karriereeinbußen bei längerer Elternzeit. Außerdem ist die Ersatzrate von 65% nur bis zu einem Einkommen (netto) von ca. 2.770 € mit den max. gezahlten 1.800 € gegeben. Männer verdienen in der Regel besser als Frauen, würden so gesehen mehr „draufzahlen“. Und dennoch ist der Anteil der Eltern, die ElterngeldPlus (mit Betreuungsbeteiligung von beiden Eltern) beantragen deutlich angestiegen. Ihr Zahl ist allerdings regional sehr unterschiedlich (2018 23% in Hamburg und 46% in Thüringen).

-Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Männer länger in Elternzeit gehen?

Solche innerhalb der Paare und solche im Arbeitsleben. Sobald Frauen (Mütter) so viel verdienen wie Väter, wird sich der Anteil der Väter erhöhen. Die Arbeitswelt kann das durch positive Unterstützung der Väter erreicht werden. Für die Politik ist zu überlegen, ob die Deckelung auf 1.800 € aufgeben werden kann.

Inwieweit profitieren Unternehmen denn davon, wenn sie unterstützend darauf reagieren, dass auch Männer länger in Elternzeit gehen möchten?

Abgesehen davon, dass Familienorientierung immer stärker bei der Stellensuche eine Rolle spielt und häufig entscheidend im Wettbewerb um Personal ist, bringen Väter mit aktiver Familienerfahrung auch Kompetenzen mit, die im Unternehmen wichtig sein können.

Was prognostizieren Sie: Wird die Zahl der Männer, die länger als die durchschnittlichen drei oder vier Monate in Elternzeit gehen, weiter steigen?

Ja, abhängig von der Anzahl der gut gebildeten und entsprechend verdienenden Mütter, wird eine längere Elternzeit für Väter von den Müttern eingefordert werden.

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