Vatertag ohne Vater: „Papa war ein Kämpfer, der nie aufgeben wollte“

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Vor einem Jahr starb Markus Cortner. Seine drei Töchter Paula, Lena und Lotta erleben den zweiten Vatertag ohne Vater - und erzählen, warum sie besonders stolz auf „Cotte“ sind.

Selm

, 21.05.2020, 05:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Paula (12), Lena (9) und Lotta (4) ist klar, was sie am Vatertag tun: Sie besuchen ihren Papa. Mutter Diana (40) wird natürlich mit von der Partie sein, wenn sich die Familie auf die Fahrräder schwingt und losradelt - zum Friedhof nach Bork, wo Markus Cortner vor einem Jahr beerdigt wurde.

So gesehen ist dieser Tag eigentlich auch nichts besonderes: „Wir denken immer an ihn, gerade wenn es um alltägliche Dinge geht“, sagt Diana Cortner. Ihre älteste Tochter Paula nickt. „Beim Radfahren, oder auch einfach beim Mittagessen.“ Als „Cotte“, wie er von vielen genannt wurde, noch bei seiner Familie war, sah das noch anders aus: „Für ihn war der Vatertag ein Tag, an dem er etwas Besonderes mit der Familie gemacht hat“, erinnert sich seine Frau. Tochter Paula nickt: „Mit dem Rad zu Oma, und dann Kuchen essen.“

Schlachtruf: „Wir sind eine Familie!“

Das wird es auch in diesem Jahr an Vatertag geben - Kuchen bei Oma. Dass ihr Vater nicht dabei sein kann, macht Lena manchmal traurig. „Aber irgendwie schaffe ich es auch nicht immer, zu weinen. Denn eigentlich freue ich mich, dass es Papa nun besser geht.“ Wenn doch mal eines der Mädchen - oder auch die Mutter - die Tränen nicht zurückhalten kann, dann hilft ein Ritual, dass ihr Vater eingeführt hatte: „Wir legen die Hände aufeinander und sagen: ,Wir sind eine Familie!‘ Das ist unser Schlachtruf.“

Und dann erinnern sich die Cortners daran, dass es Papa nun besser hat: „Im Himmel kann er wieder Fahrrad fahren, er kann wieder Handball spielen.“ Nur wenige Monate nach der Geburt der jüngsten Tochter Lotta war bei „Cotte“ ein Hirntumor diagnostiziert worden. Die anfängliche Hoffnung, dass die Therapien erfolgreich sein könnten, wich schnell der bleiernen Gewissheit, dass es keine Rettung mehr geben würde.

„Mama hat gesagt, dass Papa krank ist und wohl früher sterben wird“, erzählt Lena. Beim Gedanken daran packt die Neunjährige manchmal die Wut: „Warum musste denn er sterben? Warum nicht jemand, der viel älter ist?“ Eine Antwort auf diese Frage, das weiß sie, gibt es nicht. Was sie aber auch weiß: „Wenn ein Mensch stirbt, dann merkt man erst mal so richtig, wie wichtig er eigentlich war.“

Mit den „Toten Hosen“ im VW Golf

Wenn sie heute an ihren Vater denkt, fallen ihr vor allem die gemeinsamen Urlaube ein. „Ich denke an die Berge, auf die wir gewandert sind.“ Paula erinnert sich an den VW Golf, mit dem Markus von der Arbeit kam: „Manchmal durften wir da mitfahren und sogar vorne sitzen. Und dann haben wir seine Musik laut mitgehört.“ Möglicherweise ein Grund, warum die Mädchen Fans der „Toten Hosen“ sind und auch die Songs von AC/DC ganz gut kennen.

Neben den Erinnerungen ist das größte Vermächtnis, das der Vater seiner Familie gemacht hat, die Mentalität: „Papa war ein Kämpfer, der nie aufgeben wollte. Also geben wir auch nicht auf“, sagt Paula. Dass das funktioniert, verdanken sie einer wichtigen, wenn nicht sogar der wichtigsten, Eigenschaft ihres Vaters: „Selbst, als er nicht mehr alleine aufstehen konnte und auf all das verzichten musste, was er so gerne tat, hat er es trotzdem noch geschafft, uns Optimismus mit auf den Weg zu geben“, erzählt Diana. Dieser Optimismus manifestierte sich in den letzten zwei Worten, die „Cotte“ am Ende noch sprechen konnte: „Alles gut.“

Worte, die sich die Cortners heute noch sagen, und die ihnen laut Diana „immer ein bisschen Kraft für den Alltag“ mitgeben. Denn ihr Vater war auch ein guter Motivator, wie Lena erzählt: „Wenn wir auf Radtour waren und wir langsam wurden, hat er immer gerufen: ,Jetzt haut rein!‘ Daran denke ich auch heute noch, wenn wir eine Radtour machen. Und dann schaffe ich den Weg auch.“

„Haut rein“: Eine Botschaft, die Paula, Lena und Lotta wohl noch auf vielen Wegen begleiten wird. Nicht nur am Vatertag.

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