Am Dortmunder Landgericht wird gegen den Familienvater aus Selm verhandelt. © Martin von Braunschweig
Gerichtsprozess fortgesetzt

Vergewaltigung in Selm: „Die Familie will das unter sich regeln“

Im Prozess gegen einen Selmer, der seine 14-jährige Tochter mehrmals vergewaltigt haben soll, hat das Landgericht erste Zeugen vernommen. Bei allen haben die Taten tiefe Spuren hinterlassen.

Mit seinem umfassenden Geständnis hatte der Angeklagte gleich zu Prozessbeginn den Weg dafür frei gemacht, dass seine Tochter nicht als Zeugin befragt werden muss. Andere Familienmitglieder und enge Freunde müssen dagegen gehört werden. Denn die Richter in Dortmund wollen vor allem eines wissen: Was haben die Taten mit der heute 17-Jährigen gemacht?

Mädchen lebt in Wohngruppe

Die Jugendliche lebt seit Mitte 2019 in einer Wohngruppe und steht unter Vormundschaft des Selmer Jugendamtes. Ihr Vormund sagte am Dienstag als Zeugin aus und wusste zu berichten: „Ich hatte nach dem ersten Verhandlungstag Kontakt mit ihr. Sie ist sehr erleichtert, dass sie nicht als Zeugin kommen muss.“

Seit die Jugendliche aus der Familie ihres Vaters und ihrer Stiefmutter herausgeholt wurde, hat sie sich offenbar massiv zum Positiven entwickelt. „Sie ist heute aufgeschlossener als zu Beginn und traut sich viel mehr zu“, sagte ihr Vormund den Richtern. Es bestehe die Hoffnung, dass mit einem Urteil gegen den Angeklagten eine Art Abschluss geschaffen werden könnte.

Beste Freundin sagt aus

Die beste Freundin des Vergewaltigungsopfers hat heute nur noch telefonischen Kontakt mit der 17-Jährigen. Auch sie glaubt, dass sich der Zustand der Jugendlichen langsam bessert. Früher sei sie dagegen richtig am Boden gewesen.

„Ich hatte irgendwann bemerkt, dass sie sich verändert hatte“, sagte die 18-Jährige vor Gericht. Ganz vorsichtig habe sie ihre Freundin darauf angesprochen und schließlich die Wahrheit erfahren. „Da hatte sie aber schon damit begonnen, sich selbst mit einem Messer zu ritzen“, sagte die Zeugin.

Ehefrau ertappte den Angeklagten

In der Anklageschrift ist von acht sexuellen Übergriffen im Jahr 2017 die Rede. Geendet hätten die Taten an einem Tag im Oktober, als die Ehefrau den Angeklagten im Zimmer der damals 14-Jährigen auf frischer Tat ertappte.

Allerdings war es nicht so, dass die Frau sofort die Polizei einschaltete, um das Mädchen zu schützen. Erst Monate später vertraute sie sich einer ihrer Schwestern an und bat sie, doch einmal mit dem Kind zu sprechen.

Anonyme Briefe verschickt

Von da an dauerte es noch einmal ein ganzes Jahr, ehe zwei anonyme Briefe an die Schule des Mädchens und das Jugendamt den Missbrauchsskandal endlich aufdeckten. „Mir wurde immer gesagt, dass der Angeklagte und seine Familie das unter sich regeln wollen“, erinnerte sich eine Schwägerin des 55-Jährigen am Dienstag.

Die anonymen Briefe sollen an einem der nächsten Verhandlungstage verlesen werden. Tatsache ist, dass die Stadt danach sehr schnell handelte und das Mädchen aus der Familie holte.

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