Das Urteil des Landgerichts übertraf sogar die Forderung des Staatsanwalts. © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Vergewaltigung: Vater zahlt Tochter Schmerzensgeld, muss aber trotzdem in Haft

Im Vergewaltigungsprozess gegen einen 55-jährigen Selmer hat der Angeklagte unmittelbar vor dem Urteil Bargeld auf den Tisch gelegt. Alle Hoffnungen erfüllten sich für ihn trotzdem nicht.

Nachdem der Mann bereits am ersten Verhandlungstag gestanden hatte, im Jahr 2017 seine Tochter wiederholt vergewaltigt zu haben, hatte er zuletzt auch die Zahlung von Schmerzensgeld an die inzwischen 17-Jährige in Aussicht gestellt.

Als am Donnerstag jedoch der planmäßig letzte Verhandlungstag eröffnet wurde, hatte der Angeklagte – anders als erwartet – immer noch nicht mehr als eine bloße Absichtserklärung dabei. 20.000 Euro wolle er seiner Tochter zahlen. Als Sicherheit könne er ein Fahrzeug als Pfand anbieten.

Bargeld vor dem Urteil

Für einen sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich, wie er im Strafgesetzbuch beschrieben ist, reichte dies allerdings noch nicht aus. Die Regelung ermöglicht es den Richtern, mit der Strafe deutlich nach unten zu gehen, wenn ein Angeklagter das ernsthafte Bemühen zeige, den von ihm angerichteten Schaden wiedergutzumachen.

Also legte der 55-Jährige noch einmal nach. Im Anschluss an die Plädoyers nutzte er die zweistündige Beratungspause der Richter, um noch einen letzten Anlauf zu wagen.

Bewährung war nicht drin

Als die Verhandlung fortgesetzt wurde, hatte er dann tatsächlich zumindest die erste Rate von 2500 Euro in bar dabei. Die Scheine wurden umgehend der Anwältin des Opfers übergeben.

Die Hoffnungen des 55-Jährigen, damit sogar in den Bereich einer Strafe vorzudringen, die noch zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können, erfüllten sich dennoch nicht. Angesichts der Vielzahl der Übergriffe und der Tatsache, dass es mehrmals sogar zum Geschlechtsverkehr zwischen Vater und Tochter gekommen war, hielten die Richter so viel Milde für absolut unmöglich.

Richter übertreffen Staatsanwalt

Im Gegenteil: Mit der verhängten Strafe von vier Jahren und drei Monaten übertrafen sie sogar noch die Anträge von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die jeweils vier Jahre Haft für erforderlich gehalten hatten.

Für den Selmer bedeutet das, dass er nun vor den Trümmern seiner Existenz steht. Seine Tochter lebt seit Bekanntwerden der Vorwürfe in einer Wohngruppe und hat mitgeteilt, nie wieder etwas von ihrem Vater hören zu wollen. Und auch sein Sohn wurde vom Jugendamt aus der Familie geholt.

Tochter lebt in Wohngruppe

Beruflich könnte es für den Selbstständigen zurzeit ohnehin kaum schlechter laufen. Und ob seine Ehe den Prozess und die Zeit im Gefängnis überstehen wird, bleibt abzuwarten.

Bevor er seine Haftstrafe antreten muss, hätte der Angeklagte natürlich noch die Möglichkeit, gegen das Urteil Revision einzulegen. Dann würde der Fall in den nächsten Monaten auch noch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe beschäftigen.

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