Volksbank Selm-Bork und Altlünen orientiert sich neu in Niedrigzinsphase

mlzWirtschaft in Selm

„Du leihst mir Geld und bekommst weniger zurück.“ Was sich hier anhört wie ein schlechter Witz unter Bankern, ist längst Realität. Das hat Auswirkungen auch auf das Geschäft der Volksbank.

Selm

, 27.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Phänomen heißt Niedrigzinspolitik: keine Phase, sondern inzwischen ein Dauerzustand, dessen Ende nicht abzusehen ist. Nicht nur Sparer haben das Problem, für ihre Einlagen einen halbwegs akzeptablen Zins zu bekommen, auch Banken wissen oft nicht, wohin mit dem Geld. Auch die Volksbank Selm-Bork/Altlünen nicht.

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Überschüssiges Geld, das nicht sofort reinvestiert wird, zahlen Banken in der Regel bei der Zentralbank als Einlage ein. Früher bekamen sie dafür einen Zins, jetzt müssen sie bezahlen. Die Zentralbank will ihr Geld gar nicht.

Seit dem 11. Juni 2014 hat die Europäische Zentralbank deshalb einen Negativzins eingeführt, und die Banken zahlen seitdem einen Strafzins für ihre Einlagen. Zunächst nur moderate 0,1 Prozent. Doch bis heute ist die sogenannte Einlagefazilität auf einen halben Prozentpunkt mit Wirkung vom 18. September 2019 geklettert. Das bleibt nicht ohne Wirkung - auch In Selm.

Das Zinsgeschäft ist verhagelt

Die Folgen schlagen sich in dem Geschäftsbericht der Volksbank Selm-Bork e.G./Volksbank Altlünen nieder. Die immer geringer werdenden Margen bei den Zinsen ließ auch die Zinserträge im Zeitraum 2019 dahin schmelzen.

Knapp 5,2 Millionen Euro verdiente die Bank allein mit Kredit- und Geldmarktgeschäften. 2013, dem Jahr vor Einführung eines Negativzinses, waren es noch über 7,5 Millionen Euro. Aber auch die Anlage in sichere festverzinsliche Wertpapiere stagniert in Zeiten sinkender Renditen. Nur mit knapp noch 447.000 Euro 2019 gegenüber noch beachtlichen 1,8 Millionen Euro 2013 trägt dieses Segment zum Ergebnis bei.

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Trotz eines verhagelten Geschäfts bei den Zinserträgen, sprechen die Vorstände Martin Potschadel und Thomas Krotki aber von einem insgesamt erfolgreichen Geschäftsjahr 2019. Tatsächlich: Die Bilanzsumme steigert sich um 3,2 Prozent auf über 358 Millionen Euro und der Jahresüberschuss fällt mit etwa 1,1 Millionen Euro um knapp 200.000 Euro höher aus als im Vorjahr. Davon werden 400.000 Euro in eigene Rücklagen eingestellt, sodass unterm Strich 700.000 Euro als Bilanzgewinn stehen bleiben.

Neue strategische Ausrichtung der Voksbank

Woher kommt die positive Entwicklung trotz eines rückläufigen Zinsüberschusses? Der anhaltende Bauboom ist die Antwort. Nicht nur, dass die Volksbank bemüht ist, alternative Ertragsquellen zu erschließen. Im Bereich Immobilienfinanzierung- und Vermittlung, sowie in Investitionen in den eigenen Immobilienbestand sieht das Kreditinstitut auch die strategische Ausrichtung für die Zukunft.

Zwar hat sich das Geschäft der Vermittlung von Bausparverträgen abgeschwächt. Dennoch entwickelten sich die Provisionen aus Vermittlung von Krediten und Bausparverträgen positiv. Insbesondere durch die Liquidation der ehemaligen Tochtergesellschaft, der Immobiliengesellschaft der Volksbank Selm-Bork e.G., und der damit verbundenen Rückführung dieses Geschäftsbereichs in die Muttergesellschaft haben sich die Provisionserträge auf über 3 Millionen Euro steigern lassen

Mitglieder der Genossenschaft erhalten Dividende

Die neue immobilienorientierte Ausrichtung der Bank ist Mitten in Bork zu erkennen. 2019 wurde der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses, in dem die neue Geschäftsstelle residiert, fertiggestellt. Die alte Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße konnte verkauft werden. Darüber hinaus investierte die Volksbank in zwei Mehrfamilienhäuser und beteiligt sich jetzt an der Entwicklung von Baugebieten.

Die Mitglieder der Genossenschaft dürfen sich über ihre Dividenden freuen. 100.269,61 € sollen an die 14.064 Anteileigner ausgeschüttet werden.

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