Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

mlzHeimatverein Bork

96 Seiten hat das Buch „Das war damals so...!“, das der Heimatverein Bork am Borker Sonntag, 5. Mai, offiziell vorstellt. 96 Seiten nur. Mehr wäre problemlos machbar gewesen.

Bork

, 04.05.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sieben Borker erinnern sich in diesem Buch an Zeiten zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und danach. Die sieben Borker sind Irmgard Röttger, Agnes Schomaker, Maria Henrika Wortmann, Heinrich Bauhaus, Rolf Heidinger, Wilhelm Kortenbusch und Heinrich Otto. Sie sind zwischen 79 und 91 Jahre alt.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Maria Henrika Wortmann © Arndt Brede

Was sie zu erzählen hatten, hat die Lüner Journalistin Barbara Höpping aus Interviews mit den Senioren zusammengefasst. Eine Mammutaufgabe. Gut, als Journalistin hat sie gelernt, das Wichtigste aus dem, was Menschen ihr erzählen, herauszufiltern. „Aber ich war teilweise drei, vier Stunden bei ihnen, und dann wird viel erzählt, weil bei ihnen in der Erinnerung Emotionen hochkommen“, sagt Barbara Höpping. Ihr Job sei es gewesen, nicht alles ganz wörtlich rüber zu bringen, sondern das Wesentliche.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Heinrich Bauhaus © Arndt Brede

Eine Art Dokumentation

„Ich habe erst gezögert, als Herr Niklowitz auf mich zugekommen ist“, erzählt die Journalistin. Sie habe befürchtet, dass solche Äußerungen wie „Früher war alles schöner“ fallen würden. „Das war aber überhaupt nicht so.“ Vielmehr sei oft die Bemerkung aufgetaucht: „Das war damals so.“ „Es war keine Bewertung. Es war keine Feststellung, gleichsam unverrückbar. Deshalb ist dieser Satz auch der Titel des Büchleins geworden.“ Die Borker haben nichts beschönigt, was in der Erinnerung da ist. „Aber sie haben auch nichts verschlimmert“, sagt Barbara Höpping. Das Buch sei eine Art Dokumentation.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Rolf Heidinger © Arndt Brede

Autorin hat sehr gut zugehört

Das aktuelle Buch reiht sich ein in die Publikationen, die der Heimatverein Bork alle zwei Jahre zum Borker Sonntag herausbringt. „Wir haben jedenfalls den Ehrgeiz, das zu tun“, sagt Fredy Niklowitz vom Heimatverein. Mit dem Buch zur Muna 2015 und dem Buch über Sagen ist es dem Heimatverein in den vergangenen Jahren gelungen. Nun können Interessierte also ab Sonntag lesen, was das Septett zu erzählen hat. Vorab: Barbara Höpping hat gut zugehört und daraus kleine Berichte gemacht, deren Lesewert auch jüngere Generationen bereichern dürfte. Der Heimatverein Bork hat einen Glücksgriff mit den sieben Borkern getan, die er gebeten hat, das Buch mit Leben zu füllen. „Es ging uns darum, möglichst weit mit den Erinnerungen zurückzureichen“, sagt Fredy Niklowitz.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Irmgard Röttger © Arndt Brede

Eher ein Friedensartikel

Dass diese Erinnerungen auch für die heutige Zeit relevant sind, mag an einigen Beispielen aus dem Buch deutlich werden. Nehmen wir mal Heinrich Otto. „Wenn ich bedenke, was er so alles erlebt hat, dann muss ich sagen: Alle Achtung“, sagt Barbara Höpping. „Sein Beitrag ist eher ein Friedensartikel.“ „Otto selber erinnert sich im Buch nämlich unter anderem an Flugzeugverbände, die im Zweiten Weltkrieg über Bork geflogen seien: „Wir hatten Angst. Alle sagten: Jetzt ist Krieg!“ Oder an Augenblicke, da er und andere sich in den Graben geworfen haben, um sich vor Bomberverbänden im Tiefflug zu verstecken: „Ich habe gebetet und geweint. Ich dachte, es ist aus!“ Deshalb verstehe er die Gepflogenheiten zum Jahreswechsel nicht: „Ich habe zu Silvester noch nie eine Rakete abgeschossen.“ Die Sehnsucht nach Frieden ist auch heute noch spürbar.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Heinrich Otto © Arndt Brede

Nicht nur Erinnerungen an den Krieg

Kindheit, Ausbildung, Beruf: Viel, an das sich die sieben Borker erinnern, ist mit der Zeit des Krieges verbunden. Aber nicht alles. Wilhelm Kortenbusch, heute 91 Jahre alt, 1930 ging er in den Kindergarten im Marienstift an der Bahnhofstraße. Seine Locken bescherten ihm eine Hauptrolle: Als Vierjähriger spielte er im Weihnachtstheaterstück das Jesuskind. „Ich liebte das Theaterspiel und war zeitweise sogar in vielen Vereinen“, zitiert Barbara Höpping Kortenbusch im Buch. Und lässt ihn den augenzwinkernden Satz sagen: „Leider hat es später zum Filmstar nicht gereicht!“

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Wilhelm Kortenbusch © Arndt Brede

Texte und Fotos dokumentieren Bork damals

Zum Filmstar vielleicht nicht. Aber zum ehrenwerten Handwerksmeister. Wie auch die anderen ehrenwerte Berufe ergriffen haben: Dachdecker, Schreiner, Schneiderin, Köchin, Lehrerin sind sie geworden, haben es in Bork zu Ansehen gebracht und haben es noch immer. Und sie haben viel zu erzählen. Was sie berichten, zeichnet auch ein Bild von Bork, wie es damals war. Alte Aufnahmen geben neben dem, was die Senioren erzählt haben, ein beredtes Bild aus vergangenen Zeiten.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Die Hauptstraße in Bork in den 1930er Jahren. © Repro Arndt Brede

Fotos aus Privatbesitz, die dem Heimatverein zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt wurden. Fotos aus dem privatesten Bereich. Auch das ist eine Stärke des Buches: die Authentizität derjenigen, die was sagen, und dessen, was per Fotos dokumentiert ist. Ein Zeitdokument, das auch Grundschulen zur Verfügung gestellt werden kann, wie Fredy Niklowitz erzählt.

Vom Krieg und vom Jesuskind: Wie sich sieben alte Borker in einem Buch an früher erinnern

Agnes Schomaker © Arndt Brede

Buchvorstellung beim Borker Sonntag

Doch zunächst wird das Buch am Borker Sonntag am Stand des Borker Heimatvereins erstmals zu kaufen sein. Das Heft ist dann ab Montag, 6. Mai, zum Preis von sechs Euro zu kaufen. Und zwar an folgenden Stellen:

Bäckerei Langhammer, Hauptstraße 17, in Bork;

Blumen Ahland, Lünener Straße 97, in Bork;

Lebensmittel vom Hofe, Luisenstraße 22, in Bork;

Marktbuchhandlung, Willy-Brandt-Platz 3, in Selm;

Lippebuchhandlung Lünen, Münsterstraße 1c, in Lünen

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