Der Angeklagte Hamza K. beim Prozessauftakt am 5. August an der Seite seiner Verteidiger.
Landgericht Dortmund

Waffelino-Brand in Selm: Gericht entschied erneut über versuchten Mord

Nach dem Feuer im Café Waffelino war der Betreiber wegen Mordversuchs verurteilt worden: ein Urteil, das keinen Bestand hatte. Jetzt ist ein zweiter Prozess gegen Hamza K. zu Ende gegangen.

Im Juli 2019 verurteilte das Dortmunder Schwurgericht den Ex-Betreiber Waffelino-Cafés zu zehn Jahren und neun Monaten Haft – unter anderem wegen Mordversuchs. Nach einer teilweisen Aufhebung dieses Urteils durch den Bundesgerichtshof (BGH) wurde am Montag am Dortmunder Landgericht das zweite „Waffelino-Urteil“ verkündet. Die 35. Strafkammer verhängte nunmehr gegen Hamza K. neun Jahre und zehn Monate Haft – und auch dieses Mal lautete das Urteil auf versuchten Mord. In elf Fällen.

Ernüchterung bei Hamza K.

Es war 15.35 Uhr, als Richter Tim Wroblewski das Strafmaß verkündete. Erneut eine empfindliche Gefängnisstrafe. Erneut eine Verurteilung wegen Mordversuchs. Hamza K. war unmittelbar danach die Ernüchterung deutlich anzusehen. Mit vor sich auf dem Tisch liegenden, gefalteten Händen blickte der angeklagte Familienvater aus Selm sekundenlang an die Decke des Sitzungssaals. Seine Augen offenbarten danach absolute Leere. Immer wieder nahm Hamza K. danach Blickkontakt mit Angehörigen im Zuschauerraum auf.

„Daran konnten wir nicht rütteln“

Richter Tim Wroblewski betonte in Urteilsbegründung, dass die objektiven Feststellungen zum Brandgeschehen im zweiten Prozess von vorneherein bindend gewesen sind. Dass Hamza K. am 5. August 2017 nach einem zuvor von ihm fingierten Einbruchsversuch selbst Feuer in seinem Café an der Kreisstraße gelegt habe, das habe der BGH-Beschluss seinerzeit klipp und klar so festgelegt. „Davon mussten wir also ausgehen und daran konnten wir auch nicht rütteln“, so Richter Tim Wroblewski. Fraglich seien am Ende allein Details der subjektiven sowie rechtlichen Bewertung gewesen.

Bei der Brandlegung im Waffelino-Café , so die Richter, habe der einerseits finanziell, andererseits privat schwer angeschlagene Angeklagte seinerzeit zweifellos mit Tötungsvorsatz gehandelt und den Tod von mindestens elf, teils schlafenden, Hausbewohnern in Kauf genommen.

Drei Mordmerkmale verwirklicht

„Obwohl der Angeklagte die tödliche Gefahr durch ein Übergreifen der Flammen erkannte, verließ er nach der Brandlegung das Gebäude und überließ die Bewohner ihrem Schicksal“, hieß es beim Urteil. Rechtlich gesehen sei das ein Mordversuch mit drei verwirklichten Mordmerkmalen gewesen. Aus Habgier, weil es Hamza k. darum gegangen sei durch eine Zahlung von der Versicherung „noch einmal richtig Geld zu machen“. Heimtückisch, weil die Hausbewohner arg- und wehrlos gewesen seien. Und mit gemeingefährlichen Mitteln, weil ein mit Brandbeschleunigern in einem von Menschen bewohnten Haus gelegtes Feuer fraglos nicht sicher beherrscht werden könne.

Daneben lautet das Urteil der 35. Strafkammer auch auf versuchte Brandstiftung mit Todesfolge und schwere Brandstiftung.

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