Das Urteil gegen Hamza K. soll am 7. Dezember gesprochen werden. © Werner von Braunschweig
Versuchter Mord?

Waffelino-Prozess: Staatsanwalt fordert erneut mehr als zehn Jahre Haft

Auch zum Ende des zweiten Waffelino-Prozesses spricht der Staatsanwalt von Mordversuch und fordert über zehn Jahre Haft. Die Verteidiger regen dagegen etwas ganz Anderes an.

Dass Hamza K. das von ihm betriebene Café Waffelino an der Kreisstraße im August 2017 in Brand gesteckt hat, steht fest. Dieser Teil des ersten Urteils, das das Dortmunder Schwurgericht im Sommer 2019 gesprochen hat, hat der rechtlichen Überprüfung durch den Bundesgerichtshof standgehalten.

Trotzdem sind in dem Verfahren auch am Ende des zweiten Durchlaufs viele Fragen offen. Die wichtigste lautet: Hat sich Hamza K. zusammen mit der Brandstiftung auch wegen versuchten Mordes in elf Fällen schuldig gemacht?

Versuchter Mord oder nicht?

Voraussetzung für eine solche Verurteilung wäre, dass die Richter dem Angeklagten unterstellen, dass er wusste, dass sich zum Zeitpunkt der Brandlegung zahlreiche schlafende Menschen in dem Wohn- und Geschäftshaus aufhielten. Und dass deren möglicher Tod ihm schlichtweg egal war.

Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel sieht beide Voraussetzungen als gegeben an. Jede andere Sicht der Dinge ist seiner Ansicht nach völlig weltfremd. „Wir sind hier im Ruhrpott“, sagte der Ankläger am Dienstag in seinem Plädoyer. „Wenn ich einer der Menschen wäre, der sich gerade noch aus dem Feuer gerettet hätte, hätte ich den Angeklagten gefragt: Sag mal, tickst du noch ganz sauber? Wir hätten alle draufgehen können!“

Verteidiger: Kein Tötungsvorsatz

Schulte-Göbel beantragte in seinem Plädoyer, Hamza K. wegen Mordversuchs zu zehn Jahren und drei Monaten Haft zu verurteilen. Das wären ganze sechs Monate weniger, als die ersten Richter für angemessen erachtet hatten.

Die beiden Verteidiger Michael Bonn und Ralph Bleicher bewerten den Fall naturgemäß ganz anders. Kein Mordversuch, weil kein Tötungsvorsatz. Kein versuchter Versicherungsbetrug, weil Hamza K. gar nicht der Versicherungsnehmer war. Und auch keine besonders schwere Brandstiftung, weil die übrigen Bewohner letztendlich nicht wirklich in Gefahr geraten seien. „In allen Wohnungen gab es Rauchmelder. Das wusste der Angeklagte“, sagte Bonn in seinem Plädoyer.

Rauchmelder in allen Wohnungen

Beide Anwälte wollten zwar keinen konkreten Strafantrag stellen, sie gaben den Richtern aber folgende Überlegung mit in die Schlussberatung: Wenn die Strafe am Ende deutlich geringer ausfallen müsse als vom Staatsanwalt beantragt, müsste dann nicht auch über den Haftbefehl nachgedacht werden?

„Der Angeklagte befindet sich seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft“, sagt Ralph Bleicher. Gerade mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest sollten die Richter überlegen, ob der Haftbefehl nicht aufgehoben oder zumindest außer Vollzug gesetzt werden könnte.

Das Urteil soll am 7. Dezember gesprochen werden.

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