Die Wagyu-Rinder von Patrick Balster fressen ihrem Besitzer aus der Hand

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Ihr Fleisch gilt als das beste Rindfleisch der Welt: Der Selmer Landwirt Patrick Balster züchtet seltene japanische Wagyu-Rinder. Eines der Tiere wird allerdings nicht als Steak enden.

Selm

, 02.07.2019, 16:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Rinder kennen ihren Chef: Wenn Patrick Balster auf die Weide kommt, laufen sie zu ihm, lassen sich streicheln oder schlecken schon einmal seine Arme ab. Dann muss er schnell seine Armbanduhr in Sicherheit bringen.

Die Wagyu-Rinder von Patrick Balster fressen ihrem Besitzer aus der Hand

Besuch auf der Weide - gemeinsam mit Vater Hugo Balster. © Martina Niehaus

Gemeinsam mit seinem Vater Hugo Balster ist der Landwirt an diesem Tag auf der Weide. Klar, der Futtereimer, den Hugo Balster trägt, mag auch eine Rolle spielen, warum die hübschen, dunkelbraunen Tiere so emsig angetrottet kommen. Aber auch ohne Eimer, erklärt Patrick Balster, sind die Tiere sehr zutraulich. Und sein Vater ergänzt: „Die sind so fromm wie Pferde.“

Wagyu-Embryonen in Angus-Leihmüttern

60 reinrassige Wagyus weiden mittlerweile auf Patrick Balsters Hof am Buxfort 8. Im Jahr 2015 hat der 44-Jährige mit der Zucht begonnen - mit aus den USA importierten Embryonen. „Die können in speziellen Behältern aufbewahrt und transportiert werden“, erklärt er.

Die Embryonen lässt der Landwirt damals vom Tierarzt in „Leihmütter“ einsetzen - und zwar in Angus- oder Holstein-Rinder. Bei einem Embryonenpreis von rund 1000 Euro pro Stück und einer Trächtigkeitsrate von gerade einmal 60 Prozent ist das ein finanzielles Wagnis. „Ich habe da viel hineininvestiert“, gibt Balster zu.

Doch der Einsatz hat sich gelohnt.

Ein langes Rinderleben mit viel Zeit auf der Weide

Wagyu-Rinder haben im Gegensatz zu anderen Arten ein längeres Leben - und zwar eines, das sie zumeist im Freien verbringen. „Bis ein Wagyu-Rind geschlachtet werden kann, braucht es 36 bis 40 Monate. Das ist doppelt so lang wie normal“, erklärt Balster.

Die Wagyu-Rinder von Patrick Balster fressen ihrem Besitzer aus der Hand

Aus den importierten Embryos sind kleine Kälbchen geworden. © Martina Niehaus

Und das kleine Rind verbringt die ersten 20 Monate seines Lebens bei der Mutterkuh-Herde. Erst dann kommt es in den Stall, um noch ein wenig Fett zuzulegen. Dabei legt der Landwirt wert auf Stroh als Einstreu, auf offene Stallhaltung mit viel Luft und Licht.

Auch auf der Weide hat sich Patrick Balster einiges einfallen lassen, um es seinen Tieren gemütlich zu machen. Große Scheuerbürsten sind an einen Pfosten montiert, und es gibt sogar eine Art Dusche. „Da waren die Tiere letzte Woche jeden Tag drunter“, erzählt Balster und lacht.

Die Wagyu-Rinder von Patrick Balster fressen ihrem Besitzer aus der Hand

Patrick Balster kennt seine Tiere. Und die kennen ihren Chef. © Martina Niehaus

An einer Stelle hat der Landwirt einen Hang angeschüttet, auf dem die Rinder herumklettern und auch mal schräg stehen können - das sei gut für die Muskulatur.

Geschlachtet wird direkt am Hof, ohne Stress und Transport

Endet ein Rinderleben, dann endet es direkt auf dem Hof. „Der Metzger kommt aus Ascheberg und schlachtet die Tiere direkt hier. Das Rind bekommt Futter hingelegt, es bekommt kaum etwas mit. Und es hat keinen Transportstress“, sagt der Landwirt.

Die Wagyu-Rinder von Patrick Balster fressen ihrem Besitzer aus der Hand

Die Steaks der Wagyu-Rinder sind stark marmoriert. „Das beste Fleisch der Welt“, sagt Balster. © Martina Niehaus

Das Fleisch der Wagyu-Rinder ist etwas Besonderes. Balster formuliert es so: „Es ist das beste Fleisch der Welt.“ Die berühmten japanischen Kobe-Steaks sind Wagyu-Fleisch.

„Das Muskelfleisch ist mit Fett durchzogen, und zwar mit gesundem Fett“, erklärt der Landwirt. Die am meisten vertretene Fettsäure ist Ölsäure, die man auch in Mandeln findet. Hinzu kommen ungesättigte Fettsäuren. „Das Fett dieser Tiere senkt sogar den Cholesterinspiegel“, freut er sich.

Niedriger Schmelzpunkt - besserer Geschmack

Auch der Schmelzpunkt des Fettes ist wichtig, da er den Geschmack beeinflusst – je niedriger, desto angenehmer das Mundgefühl. „Wagyu-Fleisch liegt bei 27 Grad, konventionelles Rindfleisch bei 35 Grad. Den Unterschied schmeckt man.“

Den Unterschied merkt man allerdings auch im Geldbeutel: Das Fleisch von Wagyu-Rindern ist deutlich teurer als das der gehörnten Verwandten. 90 Euro kann man für ein Kilo Filet auf den Tisch legen. Burgerpatties und Grillpakete hingegen sind da schon deutlich günstiger. „Viele Leute bestellen ihr Fleisch bei mir. Sie können es dann direkt auf dem Hof abholen.“

Kayoki und Paul Balster - eine besondere Freundschaft

Eines der Tiere jedoch, das mit der Nummer 52 596 im Ohr, wird vermutlich nicht als Steak enden. Schließlich möchte Patrick Balster keinen Stress mit seinem 15-jährigen Sohn Paul bekommen. „Kayoki ist Pauls Kälbchen, und es läuft ihm überall hinterher“, erzählt Patrick Balster und lacht. „Er hat sich von Anfang an darum gekümmert.“

Die Wagyu-Rinder von Patrick Balster fressen ihrem Besitzer aus der Hand

Paul Balster (15) mit seinem zahmen Wagyu-Kälbchen Kayoki. © Susanne Balster

Ob Kayoki auch noch als 600-Kilo-Rind hinter Paul Balster hertrotten wird, wird sich dann zeigen.

Infos zum Bestellen von Wagyu-Fleisch
  • Der Hof der Familie Balster liegt am Buxfort 8.
  • Wer sich für Wagyu-Fleisch interessiert, darf sich gerne bei Patrick Balster melden.
  • Per Telefon unter (02592) 9199300. Man darf gerne auf den AB sprechen.
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