Waldschule Cappenberg setzt bei Nachhaltigkeit auf Greta Thunberg und ihre Generation

mlzProgramm der Waldschule

Die Waldschule Cappenberg hat den Sprung von der Umweltbildung mit Kindern im Wald hin zu einem Motor des Umweltbewusstseins geschafft. Das hat auch etwas mit Greta Thunberg zu tun.

Cappenberg

, 09.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Im neuen Programm der Waldschule für das zweite Halbjahr 2019 und das erste Halbjahr 2020 steht: „Nachhaltigkeit ist die wichtigste Regel, damit alle Menschen auf der Welt heute und in Zukunft gut leben können und damit auch unser Bildungsauftrag.“ In einer Zeit, in der junge Menschen für Klimaschutz auf die Straße gehen, braucht die Umweltbildungseinrichtung am Brauereiknapp in Cappenberg keine pädagogischen oder programmatischen Spagats hinzulegen, um am Puls der Zeit zu sein.

„Wir haben unser Aufgabenspektrum erweitert“, sagt Martina Schmidt-von-Boeselager, Leiterin der Waldschule. Das heißt: „Die elementare Naturbegegnung, die Waldpädagogik, die klassische Umweltbildung, mit Sinnesschulung und all diese Dingen, die die Kinder in den ersten Jahren intensiv brauchen, machen wir weiterhin, nur lautet unser Motto jetzt ,Vom Wald in die Welt‘“.

Waldschule Cappenberg setzt bei Nachhaltigkeit auf Greta Thunberg und ihre Generation

Junge Eltern und ihre Kinder: Das sind die Menschen, die - so die Hoffnung der Waldschule - mit einem geschärften Umweltbewusstsein leben. © Waldschule

Lokale Themen auf ihre weltweite Auswirkung auf die Welt zu überprüfen, das steckt dahinter. Die Waldschule setzt auf nachhaltige Wirkung ihrer Arbeit im ganz normalen Alltag der Kursteilnehmer. Denn Programmpunkte, die sich in den letzten 33 Jahren an der Waldschule entwickelt haben, werden möglichst viele der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen erfüllen. Diese 17 Ziele sind: keine Armut; kein Hunger; Gesundheit und Wohlergehen; hochwertige Bildung; Geschlechtergleichheit; sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen; bezahlbare und saubere Energie; menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum; Industrieinnovation und Infrastruktur; weniger Ungleichheiten; nachhaltige Städte und Gemeinden; nachhaltige/r Konsum und Produktion; Maßnahmen zu Klimaschutz; Leben unter Wasser; Leben an Land; Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen; Partnerschaften zur Erreichung der Ziele.

Was sehr theoretisch klingt, findet sich in lebendigen Veranstaltungen im Waldschulprogramm wieder. Exkursionen zu Partnern wie die Bio-Gärtnerei der Bäckerei Kanne in Lünen gehören ebenso dazu wie die Aktion „Waste-Cooking - Kochen statt verschwenden“. Kochen und Verzehren, was in Containern gefunden wird: ein Beitrag zur Nachhaltigkeit mit ganz alltäglichem, praktischem Wert.

Nach wie vor gilt in der Waldschule, und seit den Anfängen, ein besonderer Dreisatz: Natur erleben, Natur verstehen, Natur schützen. Wie das quasi von der Geburt an gelingen kann, soll ein neuer Programmpunkt beweisen: „Babys genießen den Wald - Auf Tuchfühlung mit der Natur“ ist er überschrieben. Mütter und Väter tragen ihre Neugeborenen im Wald, schaffen so den Einstieg für ihren Nachwuchs, Vertrauen und Bindung zu bekommen, aber auch im Wald Ruhe und Erholung zu finden.

Waldschule Cappenberg setzt bei Nachhaltigkeit auf Greta Thunberg und ihre Generation

Das Bewusstsein, wie wichtig der Erhalt der Natur ist, soll in den Alltag der Menschen integriert werden. © Arndt Brede

Dieses Ziel, ein ganz praktisches Umweltbewusstsein bei den Menschen in der Region zu schaffen, ist zeit- und arbeitsaufwändig. Doch als Regionalzentrum für den Kreis Unna im BNE-Landesnetzwerk Lernen NRW - wobei BNE für Bildung für nachhaltige Entwicklung steht - dringt die Waldschule „in ganz neue Dimensionen vor“, wie es Martina Schmidt-von-Boeselager ausdrückt. Öffentliche Fördermittel sind auch eine Verpflichtung. Umso wichtiger sei es, ein Netzwerk zu schaffen. Die Waldschule organisiert ein regionales Netzwerk für nachhaltige Entwicklung aus Menschen, Einrichtungen, Entwicklungen, Visionen und Informationen. Menschen, wie Philipp Schulze Wethmar, der in seinem Restaurant Alte Kegelbahn im Park des Schlosses Cappenberg Speisen serviert, die aus ökologischer Landwirtschaft kommend auf den Tellern landen.

Neues Programm Das neue Waldschulprogramm kommt in diesen Tagen heraus und ist dann auch online verfügbar. Anmeldungen für die Kurse sind möglich unter Tel. (02306) 53541, per E-Mail an info@waldschulecappenberg.de, oder persönlich in der Waldschule, Am Brauereiknapp 17 in Cappenberg. www.waldschulecappenberg.de

Natur-, Umwelt-, Klimaschutz: All diese Ziele, für die die Waldschule seit mehr als 30 Jahren kämpft, sind auch Ziele der jungen Generation, die unter anderem bei den „Fridays for future“-Veranstaltungen auf die Straße gehen. Die von der jungen Schwedin Greta Thunberg initiierte friedliche Protestbewegung stimmt Martina Schmidt-von-Boeselager hoffnungsvoll auch für die Zukunft der Arbeit der Waldschule: „Im Bewusstsein der Leute passiert im Moment sehr viel.“ Trockenheit, Hitze, Waldbrände: „Ich hoffe, dass wir aus diesen Erscheinungen lernen. Ich glaube, dass ein anderes, ein junge Denken her muss.“ Sie sei sehr überrascht, wie hoch gebildet die jungen Menschen in Sachen Klimaschutz seien und wie engagiert sie um ihre Zukunft kämpfen wollen. Die Waldschule möchte diese Engagement fördern, bietet sich als Beratereinrichtung für Schulen an. In dieser ganzen Aufbruchstimmung und -bewegung habe die Arbeit der Waldschule Cappenberg „im Kreis Unna schon eine Motorfunktion“.

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