Dass es die Caritas nicht ganz so eilig habe mit ihrem Neubau mitten Bork, hieß es im Februar 2018. Das ist inzwischen eineinhalb Jahre her, und immer ist noch nichts zu sehen. Warum?

Bork

, 28.08.2019, 04:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beide Maßnahmen galten von Anfang an als Leuchttürme für die weitere Entwicklung des Borker Ortskerns: der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses der Volksbank auf der Ecke Hauptstraße/Waltroper Straße und der Bau eines Senioren-Zentrums auf der Fläche des ehemaligen Marktplatzes. Sichtbar vorangekommen ist bislang nur das erste Projekt.

Ehemaliger Borker Marktplatz #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Patienten, Kunden und Bewohner gehen bereits ein und aus in dem Neubaukomplex der Volksbank. Die neuen Geschäftsräume des Geldinstituts und des Friseursalons werden in den nächsten Wochen fertig werden. Auf dem ehemaligen Marktplatz etwa 400 Meter weiter tut sich allerdings schon seit eineinhalb Jahren nichts mehr, seitdem der Abbruchbagger wieder abgerückt war.

Warum das Caritas-Seniorenzentrum auf dem Borker Marktplatz weiter auf sich warten lässt

Als noch alles stand: der Marktplatz in Bork und die Bebauung am Rand. © Tobias Weckenbrock

Er hatte den einstigen Komplex mit Wohn- und Geschäftshäusern inklusive des Vorplatzes dem Erdboden gleichgemacht: Platz für den Neubaukomplex, den der Caritasverband Lünen-Selm-Werne dort plant. Von Aufbauarbeiten ist noch nichts zu sehen. Anfangs war das so durchaus erwünscht - auch von der Stadt Selm.

Zwei Großbaustellen im Borker Zentrum vermieden

Die Bauarbeiter der beiden Großprojekte im Borker Zentrum sollten sich nicht in die Quere kommen: ein Wunsch, der dem Caritasverband durchaus entgegenkam. Mit dem Bau des „Hauses der Caritas“ und dem Seniorenzentrum an der Lippe - beides in Lünen - hat er zwei weitere Großprojekte, die beide bislang noch nicht abgeschlossen sind. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum in Bork noch keine Baugrube zu sehen ist.

„Wir haben zurzeit noch keine Terminierung“, sagt Thomas Middendorf, Sprecher des Caritasverbandes, zum möglichen Baustart. Erst müsse die Bebauungsplanänderung in trockenen Tüchern sein. Und das lasse sich gerade noch nicht absehen, denn diese Änderung ist gerade erst auf den Weg gebracht.

Warum das Caritas-Seniorenzentrum auf dem Borker Marktplatz weiter auf sich warten lässt

Der ehemalige Marktplatz war nicht historisch gewachsen. Dieses Foto zeigt die sogenannte Reygers Wiese vor der inzwischen abgerissenen Bebaung. © Heimatverein Bork

Seit dem 12. August liegt der Entwurf für die zweite Änderung des Bebauungsplans Nummer 12 „Auf der Höh“ zur öffentlichen Einsichtnahme im Amtshaus Bork aus und ist im Internet auf der Seite der Stadt unter „Planen, Bauen und Wohnen“ einsehbar - einen Monat lang. Dann gilt es für die Politik, die eingegangenen Bedenken zu bewerten. „Der alte Plan stammte aus dem Jahr 1968 und war 1982 zum ersten Mal geändert worden“, sagt Thomas Wirth von der Bauverwaltung der Stadt. Da sei eine Aktualisierung nötig - und eine Anpassung an den Raumbedarf.

60 Prozent des Grundstücks sollen bebaut werden können

Die Caritas möchte laut Skizze in den Planunterlagen auf dem frei von der Stadt gekauften Grundstück zwischen den Straße Zum Nierfeld und Spinnbahn drei parallel stehende Gebäude sowie einen kleineren Bau errichten: eine vollstationäre Pflegeeinrichtung mit 39 Plätzen und einem Gästezimmer, barrierefreie Wohnungen - zuletzt war von acht Wohnungen die Rede - sowie eine Tagespflegeeinrichtung für 13 Gäste. Das wird eng bei den bestehenden Vorgaben.

Die sollen sich deshalb ändern. Beispiel Grundflächenzahl, also der Anteil eines Baugrundstücks, der überbaut werden darf: Sie soll von 0,4 auf 0,6 erhöht werden. Das bedeutet: Statt 40 Prozent dürfen 60 Prozent der Gesamtfläche überbaut werden, die in diesem Fall nicht ganz 4000 Quadratmeter groß ist.

Nicht nur das Baurecht beeinflusst, wie viele weitere Pflegeheimplätze geschaffen werden. Da hat auch die Pflegebedarfsplanung des Kreises Unna ein wichtiges Wort mitzureden. Für 16 Prozent der Über-80-Jährigen soll es Pflegeheimplätze geben - so das Ziel. Die Nachfrage soll so also gedeckt, die Schaffung von Überkapazitäten wie zwischenzeitlich in Fröndenberg und Werne aber vermieden werden - auch aus wirtschaftlichen Gründen: Eine 98-prozentige Belegung der vorhandenen Plätze gilt auch für die Pflegekassen als Berechnungsgröße und bei Vergütungsverhandlungen als Basis.

Je einmal unter dem Bedarf und über dem Bedarf

Der aktuelle Plan stammt aus dem Jahr 2018. Er zeigt, wo es in Selm noch Luft nach oben gibt und wo die Luft bereits dünn wird.

Die Rechnung ist einfach: Zurzeit deckt Selm mit 200 Pflegeplätzen (80 in der Seniorenresidenz Selm an der Ludgeristraße und 120 im Seniorenheim St. Josef an der Kreisstraße) 13 Prozent der Über-80-Jährigen ab - liegt also unter dem Zielwert von 16 Prozent. Um den 2021 erreichen zu können, sind 74 zusätzliche Plätze nötig. Die Caritas hat 39 für Bork angemeldet. Unterm Strich bleiben noch 35 weitere Plätze. Dafür gibt es aber zurzeit noch keine Investoren und Pläne. Anders sieht es bei der Tagespflege aus.

„In Lünen, Selm und Werne besteht kein Bedarf mehr“, ist in roter Schrift in dem Bedarfsplan unter dem Stichwort Tagespflege nachzulesen. Von einer rechnerischen Überversorgung, die sich entweder entwickele oder bereits abzeichne, ist bei diesen drei Städten die Rede - anders als bei den anderen sieben Kommunen des Kreises. Dabei hatte der Kreis die Bedarfsquote für Tagespflegeplätze bereits verdoppelt: von einem Prozent auf zwei Prozent aller Über-80-Jährigen. Selm hatte 43 Plätze, als der Plan verabschiedet wurde - und lag damit bereits neun über dem Soll.

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