Warum das E-Auto auf den Staßen bald wieder so präsent sein wird wie vor rund 100 Jahren

E-Mobilität

Elektromotoren sind der Antrieb der Zukunft, ist sich E-Auto-Experte Manuel Dobratz sicher. In einem VHS-Vortrag sprach er über das Thema-E-Mobilität und was in Selm dafür getan wird.

von Matthias Münch

Selm

, 27.03.2019, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elektroauto-Experte Manuel Dobratz (l.) erklärt einem VHS-Gast, was im E-Golf unter der Motorhaube steckt.

Elektroauto-Experte Manuel Dobratz (l.) erklärt einem VHS-Gast, was im E-Golf unter der Motorhaube steckt. © Matthias Münch

Elektroautos fuhren auf dem Mond und tauchen im Meer. Das erste wurde 1835 gebaut, 28 Jahre vor dem ersten Benziner. Um 1900 rollten zehntausende E-Autos über die Straßen. Sie waren schneller und fuhren weiter als die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und doch setzten sich die Verbrenner durch.

Warum das so kam und vieles mehr erfuhren die Gäste eines Volkshochschul-Vortrags am Dienstag im Selmer Bürgerhaus. Der Drensteinfurter Informatiker und E-Auto-Experte Manuel Dobratz war Referent des Abends. RN-Mitarbeiter Matthias Münch, ebenfalls aus Drensteinfurt, brachte zwei Autos zum Probefahren mit.

Ausgerechnet ein E-Motor verhalf den Verbrennern zum Durchbruch

Der große Witz der Technikgeschichte: Ausgerechnet ein kleiner Elektromotor mit Batterie, der Anlasser, verhalf den vormals mühsam anzukurbelnden Verbrennern zum Durchbruch. Danach entließen sie ihre Abgase ein Jahrhundert lang in die Atmosphäre. Mit den bekannten Folgen für Klima und Gesundheit. Doch nun, so Dobratz, „ist eine Wende in Sichtweite“. Die einfachere und saubere Technik sei auf dem Vormarsch, Elektromobilität in aller Munde.

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Während Benziner und Diesel heiß laufen und nur 20 Prozent der verfügbaren Energie in Bewegung umsetzen, bleiben Elektromotoren kalt: Hier werden über 90 Prozent des geladenen Stroms direkt zum Fahren genutzt. „Damit sind E-Autos schon heute den Verbrennern in Sachen Effizienz und Nachhaltigkeit weit überlegen“, betonte der Referent.

Umweltvorteile des E-Motors lassen sich noch steigern

„Das ist aktuell bereits so, auch wenn der Strom noch aus einem Mix aus erneuerbaren Energien und Kohlekraftwerken gewonnen wird.“ Ziel sei natürlich eine komplette Nutzung regenerativer Energien, wodurch sich die Umweltvorteile der E-Autos noch weiter steigern würden - auch bei der Produktion der Akkus.

Damit traf Dobratz einen entscheidenden Punkt: Bei Energiespeichern war Deutschland lange Zeit führend. Die Mondmobile der NASA fuhren mit Varta-Batterien. Die heutigen Auto-Akkus stammen aus Korea und Japan, aus China und den USA. Der deutschen Automobilindustrie drohe das gleiche Schicksal, wenn sie nicht schnell handele.

Verbrennerfahrzeuge werden in vielen Industrieländern mittelfristig nicht mehr zugelassen

Viele Industrieländer haben bereits beschlossen, in ein bis zwei Jahrzehnten keine Verbrennerfahrzeuge mehr zuzulassen. Während BMW und Mercedes noch zögern, mit Benzin, Diesel, Elektro, Wasserstoff und Hybrid noch mehrgleisig planten, habe VW die Zeichen der Zeit erkannt und setzte nun voll auf rein elektrisch betriebene Autos.

Das erste zarte Pflänzchen vor dem Start der Wolfsburger Großoffensive erlebten die Teilnehmer am Montag mit dem E-Golf. Er stand für Probefahrten zur Verfügung. Ebenso eine Zoe von Renault. Außerdem gab es einen Überraschungsgast: Daniel Backwinkel von der Firma enomo brachte einen Kia e-Niro mit zum Bürgerhaus - ein brandaktuelles Elektroauto mit einer Reichweite von mehr als 400 Kilometern.

Initiative aus Selm für Elektromobilität

Die von Joan Hendrik Rüschkamp gegründete enomo GmbH widmet sich der Förderung der Elektromobilität in Verbindung mit regenerativen Energien. In den drei Elektroautos genossen die Teilnehmer der VHS-Veranstaltung das sanfte Gleiten durch die Abenddämmerung genau wie die enorme Beschleunigung der E-Motoren.

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