Warum Tempo 30 wegen Baustelle an der Münsterlandstraße auch gilt, wenn niemand arbeitet

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Dass das Tempo auf der Münsterlandstraße auf 30 reduziert wurde, liegt an den beiden Baustellenausfahrten für den Auenpark. Die Arbeiten ruhen am Wochenende meist. Tempo 30 gilt auch dann.

Selm

, 13.12.2018, 05:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Sonntagvormittag am 9. Dezember: Auf der Münsterlandstraße im Abschnitt zwischen den Kreisverkehren Sandforter Weg und Olfener Straße steht ein grauer Kastenwagen. Ab und zu zuckt kurz ein Licht auf: Bei der Tempomessung wurde ein Fahrzeug geblitzt, das schneller als 30 Stundenkilometer gefahren ist. Tempomessung? Sonntags? Wenn der Baustellenverkehr ruht? Ja. Das könnte auch in Zukunft so sein, sagt der Kreis Unna.

Warum Tempo 30 wegen Baustelle an der Münsterlandstraße auch gilt, wenn niemand arbeitet

Das Schild liefert die Begründung für die Reduzierung des Tempos auf 30: Baustellenverkehr auf der Münsterlandstraße. © Arndt Brede

Sonntags geblitzt, aber nur als bußgeldfreie Testmessung

Denn die Münsterlandstraße sei eine von 400 Messstellen auf dem Gebiet des Kreises Unna, sagt Christian Bornemann, Sachgebietsleiter der Bußgeldstelle und der Verkehrssicherung des Kreises Unna, auf Anfrage der Redaktion.

Das heiße: „Formal dürfen wir dort die Geschwindigkeit messen.“ Die Besonderheit am Sonntag, 9. Dezember, sei jedoch gewesen, dass der Mitarbeiter, der im grauen Blitzer-Wagen saß, gar nicht blitzen wollte. „Er hatte gesehen, dass sich dort die Verhältnisse geändert haben und wollte eigentlich wegfahren“, erklärt Bornemann.

Die Änderung der Verhältnisse, das sei die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30. „In solch einem Fall messen die Kollegen nicht die Geschwindigkeit, sondern melden uns eben diese Änderungen.“ Und warum gab es trotzdem an jenem Sonntag Tempomessungen? „Ganz einfach“, sagt Bornemann, „der Mitarbeiter hat an der Kamera ein technisches Problem festgestellt. Er hat dann an der Münsterlandstraße Testmessungen gemacht.“ Testmessungen bedeuten, „dass sie nicht ausgewertet werden“, versichert der Sachgebietsleiter. Niemand bekomme also einen Bußgeldbescheid, obwohl er am Sonntag an der Münsterlandstraße geblitzt wurde.

Warum Tempo 30 wegen Baustelle an der Münsterlandstraße auch gilt, wenn niemand arbeitet

Verkehrsteilnehmer müssen im Bereich der Baustellenaus- und -zufahrten langsam fahren. Maximal mit Tempo 30. © Arndt Brede

Kreis muss bestimmte Kriterien fürs Blitzen erfüllen

Das müsse aber nicht heißen, dass demnächst nicht wieder ein Blitzer auf der Münsterlandstraße stehe: „Die Polizei darf immer und überall die Geschwindigkeit messen; wir nur, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind“, sagt Bornemann. Das sei der Fall, wenn es Gefahrenstelle gebe. Etwa eine Kindertageseinrichtung oder eine Schule: „Oder eine Baustelle.“ Wie eben derzeit auf der Münsterlandstraße in Selm.

Aber auch dann veranlasse der Kreis Unna nicht einfach so eine Messung der Geschwindigkeit. „Wir schauen uns vor Ort die Situation an und prüfen, ob dort Geschwindigkeitsmessungen Sinn machen“, erklärt Christian Bornemann.

Eine solche Prüfung der Situation vor Ort stehe noch aus, sagt Bornemann. „Wir haben ja erst am Sonntag mitbekommen, dass sich dort die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 geändert hat.“ Eine Mitteilung an den Kreis Unna über Änderungen der Geschwindigkeit sei jedoch keine Pflicht, so Christian Bornemann.

Stadt: Samstags wird ab und zu gearbeitet, sonntags nicht

Eine Prognose, wie diese Prüfung ausgehen könnte und ob der Kreis Unna künftig auf der Münsterlandstraße auch bei der jetzt geltenden Tempo-30-Regelung blitzen wird, gab Bornemann im Gespräch mit der Redaktion nicht ab. Komme der Kreis Unna zum Ergebnis, dass dort die Voraussetzungen zur Geschwindigkeitsmessung gegeben sind, wird er dort blitzen.

Auch an Wochenenden? „Auch an Wochenenden, wenn die Tempo-30-Regelung weiter von montags bis sonntags gilt“, sagt Bornemann. Laut Stadtsprecher Malte Woesmann ist samstags „dort Bautätigkeit möglich und wird, nach unserer Kenntnis, auch mitunter ausgenutzt. Sonntags wird dort, nach unserer Kenntnis, nicht gearbeitet.“

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Über diese Zufahrten wird der Baustellenverkehr für den Auenpark abgewickelt. © Arndt Brede

Kreis: Keine Abzocke - Sicherheit geht vor

In Fällen wie der Temporeduzierung auf 30 Stundenkilometer sind Verkehrsteilnehmer in Sachen Blitzen schnell beim Vorwurf der Abzocke. Denn die Bußgelder wegen zu schnellen Fahrens landen beim Kreis Unna, eben bei der Bußgeldstelle.

Wäre also das Blitzen auf der Münsterlandstraße an Wochenende im Tempo-30-Bereich Abzocke? „Ausschlaggebend für die Entscheidung ist die Verkehrssicherheit“, erklärt Christian Bornemann dazu. Neben der Frage, ob es auf dem betroffenen Abschnitt Gefahrenstellen gibt, gebe es noch ein weiteres Kriterium: „Wenn nämlich dort überdurchschnittlich zu schnell gefahren wird“, führt der Sachgebietsleiter aus. Was ist überdurchschnittlich? „Wenn 15 Prozent der Verkehrsteilnehmer schneller fahren, als erlaubt.“ Ob das so sei, das könne der Kreis messen. „Die dort erfassten Daten sind aber anonym“, versichert Christian Bornemann.

Verkehrsteilnehmer: Tempo 30 zeitlich begrenzen

Und was sagen die Verkehrsteilnehmer zum Thema Tempo 30 auf der Münsterlandstraße am Wochenende? Facebook-Userin Mel Anie kommentiert: „Warum kommt nicht ein Schild mit einer Zeitangabe dran? Ich verstehe es nicht. Von daher ist es ärgerlich, mehr als ärgerlich sogar.“ „Unnötig am Wochenende“, sagt Facebook-Userin Oxana Schiller.

Ebenfalls per Facebook urteilt Lina Treser: „Es hält sich sowieso kein Schwein dran. Weder 30 noch 50.“ User Frank Ky sagt: „Für die Arbeitszeiten völlig in Ordnung. Schließlich rangieren dort große Lkw. Außerdem arbeiten dort Menschen! Sicherheit geht vor! Allerdings sollte die Geschwindigkeitsbeschränkung auch auf die tatsächlichen Arbeitszeiten beziehen. Sonst ist es schwer nachvollziehbar und die Raserei geht weiter. Also bitte ein Zusatzschild mit Zeiten.“

Ins selbe Horn stößt User Peter Gehrke: „Total überflüssig, Werktags von 7 bis 17 Uhr reicht vollkommen. Die andere Seite der Medaille beleuchtet Heinrich Schoeler: „Seitdem auf der Münsterlandstraße 30 ist, ist der Lärmpegel im Seiland bedeutend zurückgegangen. Von mir aus kann das immer so bleiben.“

Baustellenzufahrten beim Landesbetrieb beantragt

Warum es überhaupt zur Temporeduzierung gekommen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Und zwar auch vom Zusammenspiel zwischen Stadt Selm und dem sogenannten Straßenbaulastträger der Bundesstraße 236 (Münsterlandstraße), dem Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen.NRW). Als Straßenbaulast bezeichnet man sämtliche mit dem Bau, der Unterhaltung und dem Betrieb von Straßen und Wegen zusammenhängenden Aufgaben und Pflichten.

Verantwortlich für die Erfüllung dieser Aufgaben und Pflichten ist der so genannte Straßenbaulastträger. Frank Hoffmann, Pressesprecher von Straßen.NRW, sagt auf Anfrage der Redaktion: „Die Stadt Selm hat bei uns die Baustellenzufahrten beantragt.“ Die Temporeduzierung auf 30 habe dann die Stadt Selm angeordnet.

Ob es bei Tempo 30 auf der Münsterlandstraße bleibt oder nicht, darauf hat Selms Stadtsprecher Malte Woesmann die Antwort: „An eine zeitliche Befristung ist und wurde nicht gedacht, da es aufgrund der möglichen Bautätigkeit am Samstag auch zu einer verdreckten Straße kommen kann. Diese könnte dann erst nach dem Wochenende gereinigt werden.“

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Die Baustellenausfahrten sind auf der Münsterlandstraße deutlich markiert. © Arndt Brede

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