„Lieber auf den Balkon, als sich anhusten lassen“: Borkerin sagt Seniorenfahrten ab

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Siegrun Wiedemann aus Bork organisiert privat Urlaubsfahrten für Senioren. Bis Ende Mai hat sie wegen Corona nun alle Fahrten abgesagt. Für die 75-Jährige aber kein Grund Trübsal zu blasen.

Bork

, 21.03.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es um Fahrten für Senioren geht, ist Siegrun Wiedemann aus Bork sicherlich das, was man auf Englisch einen Big Player nennen würde, eine große Nummer. Seit sechs Jahren organisiert die 75-Jährige privat Fahrten für Senioren aus Selm. Angefangen hatte alles mal mit sechs Fahrten in einem Jahr, dieses Jahr wären es 25 Fahrten gewesen. Wäre nicht das Coronavirus dazwischengekommen.

Menschen ab 65 Jahren gehören zur so genannten Risikogruppe. Sie sind besonders gefährdet, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Erst vergangene Woche war Siegrun Wiedemann noch mit einigen Senioren zu einer Fahrt nach Rheine aufgebrochen. „Eigentlich hatte ich gedacht, dass mehr absagen“, sagt Siegrun Wiedemann. Damals seien noch 55 der 58 angemeldeten Teilnehmer mitgefahren. Und die Fahrt sei auch toll gewesen.

Größere Sensibilität für das Thema Corona

Aber inzwischen, sei auch die Sensibilität für das Thema höher geworden. „Wenn es mehr Todesfälle gibt, ist das für die meisten erschreckend“, sagt Wiedemann. Auch sie verlässt das Haus aktuell lieber nicht. Sicher ist sicher. Den anderen Senioren rät sie, sich lieber „mit einer dicken Decke auf den Balkon zu setzen, statt sich anhusten zu lassen.“ Denn: „Wir riechen Corona nicht, wir schmecken Corona nicht, es klopft uns nicht auf die Schulter, es ist einfach da.“

Deshalb hat Wiedemann nun auch ihre insgesamt fünf Fahrten im April und Mai abgesagt. Wiedemann will dann schauen, wie die Situation sich weiterentwickelt und ob vielleicht auch noch die Fahrten im Juni abgesagt werden müssen. Wer eine Fahrt gebucht hat, erhält sein Geld zurück.

Positiver Blick auf das nächste Jahr

Einen wirtschaftlichen Schaden bedeutet das erstmal nicht, sagt Wiedemann. Für eine Fahrt in die Niederlande zum Beispiel sei der Bus zwar schon längst gebucht, allerdings habe sie mit dem Fahrer vereinbart, dass die Fahrt dann im nächsten Jahr stattfinden soll und er sein Geld erstmal behalten kann. Sie selbst brauche ja nicht viel, um klarzukommen, erklärt die Seniorin. Wiedemann bietet ihre Fahrten für die Senioren sehr günstig an und finanziert das zum Beispiel durch den Verkauf von selbstgenähten Rollatortaschen, die Diebe davon abhalten sollen, arglosen Senioren die Handtasche zu stehlen.

„Ich trage das mit Fassung“, sagt Siegrun Wiedemann und meint damit die Corona-Krise. Sie ist Optimistin und sagt: „Nächstes Jahr wird besser und dann machen wir die Fahrten.“

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