Kinder haben Beim Spaziergang einen neuen Anziehungspunkt: den Baum mitten im Cappenberger Wald. © Sylvia vom Hofe
Ungewöhnliche Aktion

Weihnachtswunder im Cappenberger Wald: Tanne sorgt für Rätselraten

Mitten im Cappenberger Wald ist etwas Wunderbares passiert. Eine unscheinbare Tanne hat sich in einen bunten Weihnachtsbaum verwandelt. Und keiner weiß, wie. Es gibt aber Vermutungen.

Diese Tanne ist von Natur aus keine Schönheit: weder gerade, noch ausladend. Der schmächtige Baum misst gut drei Meter und fristete bislang ein unbedeutendes Dasein direkt neben dem Wanderweg. Wer regelmäßig vom Parkplatz vor Schloss Cappenberg auf direktem Weg in den Wald geht – da, wo das bunt geschnitzte Schild in Richtung Mutter Stuff weist -, ist schon x-mal an ihr vorbeigekommen, ohne sie je zu bemerken. Das hat sich jetzt geändert.

Zwischen braunem Laub, grauen Stämmen und tiefgrünen Nadeln springen von Weitem bunte Farbkleckse ins Auge. Im Näherkommen formen sich daraus Strohsterne, glitzernde Kugeln und sogar eine silberfarbene Girlande,. Jetzt geht niemand achtlos vorbei. Vor allem keine Kinder.

Angefangen hatte alles am ersten Advent

Johanna (3) ist an diesem trüben Samstag vorgelaufen und hat den bunten Baum im Wald zuerst entdeckt „Papa, da ist ein Tannenbaum.“ Der Vater aus Lünen, der mit Johannas Bruder im Kinderwagen inzwischen auch angekommen ist, lächelt. Mit dieser Überraschung hatte er nicht gerechnet. „Wir wollten eigentlich nur ein wenig raus.“ Daraus sei jetzt ein richtiges kleines Erlebnis geworden. „Komm, ich mache ein Foto von euch“, schlägt er vor.

Regelmäßige Wald-Spaziergänger haben es beobachtet: Mit diesem Büchlein fing alles am ersten Advent an. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Angefangen hatte alles am ersten Adventssonntag. Wer regelmäßig den Wanderweg durch den Wald benutzt, konnte das kleine Weihnachtswunder wachsen sehen. Zunächst baumelte nur ein einziger Anhänger an dem stacheligen Zweig: ein winziges Büchlein mit dem Titel „Es begab sich aber zu der Zeit …“: die biblische Weihnachtsgeschichte im Mini-Format. Dann kamen zwei Strohsterne hinzu, später einige Kugeln, dann eine pinkfarbene Katze, ein weißer Tannenzapfen und immer mehr. Seit dem vierten Advent schmückt auch die silbrige Kette den Baum.

Appell: Baumschmuck nach dem Fest wieder einsammeln

Spuren hat niemand hinterlassen, der den Baum geschmückt hat – weder vor Ort noch in den Sozialen Medien. Der Cappenberger Tannenbaum ist ein Geheimtipp. Wie die ganze Sache funktioniert haben könnte, hat die kleine Johanna aus Lünen intuitiv verstanden. „Mach da nichts ab“, ruft ihr Vater ihr zu, als sie nach den Kugeln tasten will. „Nein, wir machen lieber etwas dran“ – so, wie das vermutlich schon viele vor ihr gesagt und getan haben.

Guido Vortmann, Mitarbeiter der gräflichen Verwaltung und zugleich Mitglied der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, schmunzelt über die geheime Verwandlung der verwachsenen Tanne zum stolzen Christbaum. Sicher, der gräfliche Wald sei ein Biotop. Da passten Plastikkugeln und Minibücher nicht hinein – eigentlich. Denn die Weihnachtsfreude will er niemandem nehmen – weder denen, die den Baum heimlich geschmückt haben, noch denen, die sich still an ihm erfreuen. Einen Appell hat Vortmann aber: Es wäre schön, wenn der Baumschmuck nach den Feiertagen wieder genauso wunderbar verschwinden würde wie er kam.

Ein Vorbild steht in der Bröke zwischen Gescher und Legden

Vielleicht haben die Weihnachtsfreunde aus dem Umkreis von Cappenberg eine Tradition begründet. Wie sich so eine Sache entwickeln kann, ist im Westmünsterland zu sehen. In der Bröke, einem Wald zwischen Gescher und Legden, leuchtet seit mehr als zehn Jahren Jahr für Jahr ein Weihnachtsbaum. Längst hat er sich zu einem Wunschbaum gemausert. Kinder hängen ihre Wunschzettel an die Zweige oder legen sie unter ihnen ab. Und selbst eine Krippe ist im tiefen Tann zu bestaunen. Genauso wie neuerdings in Cappenberg stellt der Weihnachtsbaum auch in der Bröke die Menschen nach wie vor vor Rätsel. Die Initiatoren sind bislang nie öffentlich in Erscheinung getreten.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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