Weit aufmachen bitte: Selmer Zahnarzt über den neuen Alltag seit Corona

mlzCorona-Krise

Erst war Mundschutz Mangelware, dann wochenlang nur Notfallbetrieb. Ein Selmer Zahnarzt bilanziert die Corona-Krise aus seiner Sicht, erzählt vom dentalen Supersommer und blickt nach vorn.

Bork

, 09.11.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mundschutz gehört in Zahnarztpraxen seit jeher zur Standardausrüstung. Aus offensichtlichen Gründen aber nicht bei den Patienten. In der Corona-Krise stellt das die Zahnärzte vor eine besondere Lage. Sie arbeiten täglich direkt an dem Ort, über den das Virus sich verbreitet, dem Mund- und Rachenraum.

„Auch wir wussten nicht, wie man damit umgehen soll“, sagt der Borker Zahnarzt Marek Lang beim Blick zurück auf die erste Coronawelle im Frühjahr. Konkrete Corona-Richtlinien für Zahnärzte gab es da noch nicht. Wie sie es auch in vielen anderen Bereichen noch nicht gab. Dafür die vorübergehende Empfehlung, planbare Behandlungen aufzuschieben.

Auch in der Praxis an Hauptstraße 40 in Selm wurde das laut Lang gemacht. „Wir hatten die ersten drei Wochen im April die Praxis komplett zu, bis auf Notfallbehandlungen.“ Aber nicht nur der Umgang mit den Patienten, auch die Verfügbarkeit von Schutzausrüstung, speziell Masken, war ein Problem. Ohne die kann ein Zahnarzt nicht mehr behandeln, erklärt Lang. „Da fängt man dann an zu zählen, wie viel noch geht.“

Ohne Maske nur noch in den Pausen

Die Richtlinien kamen, die Masken bekanntermaßen auch. Vor der Behandlung erfolgt mittlerweile immer ein sogenanntes Screening, ob ein Patient möglicherweise krank ist. Den Mund-Nase-Schutz darf der Patient nur noch während der eigentlichen Behandlung abnehmen, die Ärzte und Mitarbeiter tragen ihn durchgängig. „Ich setze den Mundschutz nur in den Pausen ab, das gibt mir auch ein gutes Gefühl“, sagt Lang.

Vor der Corona-Krise setzte Marek Lang der Mundschutz nur während der Behandlung auf. Jetzt setzt er ihn nur noch in seinen Pausen überhaupt wieder ab.

Vor der Corona-Krise setzte Marek Lang der Mundschutz nur während der Behandlung auf. Jetzt setzt er ihn nur noch in seinen Pausen überhaupt wieder ab. © Geschwinder (A)

Weitere Hygienemaßnahmen, wie das Desinfizieren aller Flächen nach jeder Behandlung, ständiges Lüften nebst Dauereinsatz der Klimaanlage und auch das Maske tragen beim Umziehen, an der Rezeption oder bei Teambesprechungen gehören in der Praxis jetzt einfach mit dazu. Nur noch ein Patient darf ins Wartezimmer, alle anderen müssen draußen bleiben und werden per Handy aufgerufen.

Außerdem gilt: Notfallpatienten mit Corona-Symptomen oder auch nur einem Coronaverdacht werden in Zahnkliniken nach Münster oder Witten-Herdecke geschickt. Dort können die Ärzte unter Vollschutz behandeln. „Diesen Fall hatten wir aber bei uns noch nicht“, sagt Lang.

Bislang sei ihm noch keine Übertragung in einer zahnärztlichen Praxis in Deutschland bekannt. Das zeige, dass die Maßnahmen funktionieren. „Selbst wenn sich jemand hier unerkannt infizieren würde, bin ich überzeugt, dass sich niemand anderes infizieren würde, weil wir das so machen.“

Sommer rettet über Einbruch der ersten Welle hinweg

Neben den verschärften Hygienmaßnahmen hat die Corona-Pandemie aber auch wirtschaftliche Auswirkungen gehabt. „Den März und April haben viele Zahnärzte deutlich zu spüren bekommen“, sagt Lang. Nach der ersten Phase, habe man ausgerechnet über die Sommerferien aber vieles nachholen können.

Ohne Mundschutz geht nichts mehr. Auch nicht in der Selmer Zahnarztpraxis von Marek Lang.

Ohne Mundschutz geht nichts mehr. Auch nicht in der Selmer Zahnarztpraxis von Marek Lang. © Zahnarztpraxis Lang

Normalerweise sei das immer eine ruhige Zeit für Zahnärzte. Die Urlaubszeit und das schöne Wetter lassen viele Menschen, so Langs Erfahrung, den Zahnarzttermin eher auf andere Zeiten verschieben.

„Dieses Jahr haben wir in den Sommerferien sogar mehr gearbeitet zu normalen Zeiten.“ Das habe Lang in 16 Jahren noch nicht erlebt. Die Mehrarbeit hat aber einen positiven Nebeneffekt: „Wir haben die Verluste aus dem April wieder wettgemacht.“ Eine dauerhafte wirtschaftliche Schieflage durch die Krise ist für die Borker Praxis also nicht zu befürchten.

Jetzt lesen

Und der Blick nach vorne? Nach den gelösten Lieferengpässen bei Masken, sei es zu Zeit sehr schwierig an Handschuhe und Desinfektionsmittel zu kommen, berichtet Lang. Woran genau das liegt, könne er sich auch nicht erklären. Dank der Erfahrung aus der ersten Welle, gibt es diesmal aber Vorräte. „Jetzt kommen wir noch bis Dezember hin.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt