Morgens vor 8 Uhr vor Grundschulen in Selm: Ein Auto nach dem anderen hält an und Schulkinder verabschieden sich von ihren elterlichen Chauffeuren. Eine Entwicklung, die bedenklich ist.

Selm

, 07.01.2019, 05:25 Uhr / Lesedauer: 8 min

Um 7.32 Uhr ist im Bereich Kreisstraße /Werner Straße, also vor der Overbergschule, noch alles ruhig.

Um 7.32 Uhr ist im Bereich Kreisstraße /Werner Straße, also vor der Overbergschule, noch alles ruhig. © Arndt Brede

7.28 Uhr vor der Overbergschule. Ein normaler Werktag. Die erste Mutter bringt ihr Kind mit dem Auto zur Schule, hält dafür am östlichen Parkstreifen der Kreisstraße gegenüber der Grundschule an. Ansonsten ist es ruhig auf der Straße. Langsam setzt aber der Berufsverkehr ein.

Um 7.36 Uhr hält sich der Elterntaxi-Verkehr einigermaßen in Grenzen.

Um 7.36 Uhr hält sich der Elterntaxi-Verkehr einigermaßen in Grenzen. © Arndt Brede

7.32 Uhr. Mutter Nummer 2 hält mit dem Wagen auf dem Parkstreifen an. Kind steigt aus, Mutter auch. Mutter hilft dem Nachwuchs mit dem Tornister. Umarmung, Küsschen, Kind begibt sich zur Schule, Mutter fährt. Der Berufsverkehr wird dichter.

Um 7.45 Uhr wird der Elterntaxi-Verkehr stetiger.

Um 7.45 Uhr wird der Elterntaxi-Verkehr stetiger. © Arndt Brede

7.44 Uhr. Nach und nach kommen weitere Autos an. Mittlerweile auch auf der westlichen Seite der Kreisstraße. Dort, wo im kommenden Jahr Busse halten sollen. An der neuen Haltestelle nämlich. Sie ist noch nicht in Betrieb. Also halten Autos mit erwachsenen Fahrern und minderjährigen Mitfahrern an. Im jetzt dauernd fließenden Berufsverkehr.

7.46 Uhr: Jetzt kommen jede Minute mehrere Elterntaxis.

7.46 Uhr: Jetzt kommen jede Minute mehrere Elterntaxis. © Arndt Brede

Um 7.56 Uhr haben die Elterntaxis die Macht über die Bushaltestelle vor der Overbergschule übernommen.

Um 7.56 Uhr haben die Elterntaxis die Macht über die Bushaltestelle vor der Overbergschule übernommen. © Arndt Brede

Dauernder Fluss des Berufsverkehrs? Nichts da. Um kurz vor 8 Uhr haben Elterntaxis die Macht vor der Schule. Aufgereiht auf den Parkstreifen auf beiden Seiten, lassen sie anderen kaum noch Platz. Na und? Das denkt sich wohl so mancher und hält einfach in zweiter Reihe. Folge: Autos, die nicht zur Elterntaxi-Fraktion gehören, müssen ausweichen. Über die Sperrfläche vor der Einmündung zum Parkplatz Jugendheim St. Josef zum Beispiel. Sie müssen also in den Gegenverkehr, wollen sie nicht stehen bleiben.

Bei Wind und Wetter

Es gibt aber auch Eltern, deren schulpflichtige Kinder den Fußweg zur Schule nehmen. Stephanie Freitag zum Beispiel. Jeden Morgen begleitet sie ihre Töchter Johanna und Emilia zur Schule. Und zwar zur Ludgerischule. Bei Wind und Wetter sind die drei mit Hund Balboa unterwegs. Die Kreisstraße entlang, durch das Dorf bis zur Schule. Stephanie Freitag nimmt den Fußweg in Kauf, damit ihre Kinder sicher zur Schule kommen. Ihre Töchter könnten aber doch allein zur Schule gehen, oder? „Allein zur Schule? Das dürfen sie nicht. Da habe ich viel zu viel Angst bei dem ganzen Verkehr.“ Und mit dem Fahrrad dürfen Erstklässlerin Johanna und Drittklässlerin Emilia auch nicht zur Schule? „Das machen wir im Sommer“, antwortet Stephanie Freitag. „Jetzt in der Kälte morgens nicht.“

Für Fußgänger nervig

Die Südkirchener Straße ist ein beliebter Schulweg. Aber auch dort kurven morgens Elterntaxis rum.

Die Südkirchener Straße ist ein beliebter Schulweg. Aber auch dort kurven morgens Elterntaxis rum. © Arndt Brede (A)

Zu Fuß und mit dem Fahrrad zur Schule. So machen es also Stephanie, Emilia und Johanna jeden Morgen. Doch Stephanie Freitag ist ehrlicherweise nicht komplett gegen Elterntaxis: „Wenn ich ein Auto hätte, würde ich die beiden zur Schule bringen.“ Immerhin misst der Fußweg vom Zuhause der Freitags bis zur Ludgerischule rund 1,3 Kilometer. Die Mutter der beiden Mädchen macht aber eine Einschränkung: „Ich würde nicht direkt vor der Schule parken, weil das nervig ist“, sagt sie mit Blick auf die Verkehrssituation mit den Elterntaxis vor der Overbergschule, die sie jeden Morgen auf dem Weg zur Ludgerischule und zurück erlebe. „Das ist selbst für mich als Fußgängerin nervig. Wenn die ja nur anhalten und dann sofort weiterfahren würden. Aber die bleiben teilweise zehn Minuten stehen und quatschen.“

Frische Luft tut gut

Stephanie Freitag ist nicht allein auf ihrem morgendliche Fußweg. Zwei Mütter haben ihre Kinder zur Overbergschule gebracht. Auch zu Fuß. Warum? „Die frische Luft am Morgen tut schon mal gut“, sagt eine der Frauen. Beide möchten ihre Namen nicht nennen. Ihre Meinung ist aber klar: „Es ist ja auch die Bewegung, die gut ist für die Kinder. Der Hin- und der Rückweg, das bisschen Rennen auf dem Schulhof, das war’s. Durch die Hausaufgaben bleibt ja nicht mehr viel.“ Mal abgesehen davon, dass beide nicht weit von der Grundschule an der Kreisstraße weg wohnen, verbiete sich die Fahrt mit dem Elterntaxi eigentlich allein schon wegen eines Umstands: „Hier ist ja morgens das totale Chaos“, sagt eine der Frauen und schaut sich den Verkehr vor der Overbergschule an. Die beiden Frauen machen es anders. Sie begleiten ihre Kinder zum Tor des Schulhofs. „Küsschen und weg“, beschreibt eine der Mütter das morgendliche Procedere. Vor allem sei wichtig, dass die Kinder nicht zwischen den heranfahrenden und haltenden Elterntaxis herumlaufen. „Manchmal ist das ja auch schon für uns Erwachsene völlig unübersichtlich hier“, sagt sie. „Die kommen aus allen Richtungen, biegen schnell ab, wenden wieder.“

Auch gegenüber der Overbergschule halten Elterntaxis.

Auch gegenüber der Overbergschule halten Elterntaxis. © Arndt Brede

Bus keine Alternative

Totale Gegnerinnen des Elterntaxis sind aber beide wohl nicht. Auf die Reporterfrage, ob sie ihre Kinder auch mal mit dem Auto bringen würden, wenn sie mit dem Auto zur Arbeit müssten, sagt eine der beiden: „Das hängt davon ab, wie viel Zeitdruck ich morgens habe.“ Wie sieht es im Freundeskreis aus? „Wir unterhalten uns natürlich über das Thema“, erzählt sie. „Die, die ich kenne bringen ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule, weil sie zu weit weg wohnen.“ Die lange Fahrt mit dem Schulbus sei in diesen Fällen keine Alternative. Die Fahrt mit dem Rad auch nicht. Und zu Fuß schon gar nicht.

Stephanie Freitag guckt sich das motorisierte Treiben vor der Overbergschule an. Sie ist nicht optimistisch, dass sich irgendwann mal am Phänomen der Elterntaxis etwas ändern wird: „Ich glaube, dafür wird es nie eine richtige Lösung geben.“ Die Ludgerischule zum Beispiel habe ja Hol- und Bring-Zonen. „Da hält nur ab und zu mal jemand an.“

Acht Hol- und Bring-Zonen

Hol- und Bring-Zonen gibt es in Selm an acht Stellen.

Hol- und Bring-Zonen gibt es in Selm an acht Stellen. © Sebastian Reith (A)



Eine Hol- und Bring-Zone ist auf der Waltroper Straße in Bork.

Eine Hol- und Bring-Zone ist auf der Waltroper Straße in Bork. © Arndt Brede (A)



In Selm sind Hol- und Bringzonen in Bork vor allem für die Grundschule Auf den Äckern und in Selm vor allem für die Ludgerischule eingerichtet worden. Farbige Fußabdrücke markieren den sicheren Schulweg.

In Selm sind Hol- und Bringzonen in Bork vor allem für die Grundschule Auf den Äckern und in Selm vor allem für die Ludgerischule eingerichtet worden. Farbige Fußabdrücke markieren den sicheren Schulweg. © Arndt Brede (A)


Insgesamt acht dieser Hol- und Bring-Zonen gibt es in Selm, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage. Es handelt sich um extra eingerichtete Zonen in der Nähe der jeweiligen Schule. Eltern lassen ihre Kinder dort gefahrlos aussteigen und die Kinder absolvieren die letzten Meter bis zur Schule zu Fuß.

Allein für die Grundschule Auf den Äckern in Bork gibt es fünf dieser Zonen: Kreisstraße, kurz vor Einmündung Binnhove; Hauptstraße, Einfahrt Parkplatz Amtshaus; Kirchplatz an der Kirche St. Stephanus; Waltroper Straße Fahrtrichtung Bork kurz hinter der Einmündung Humboldtstraße; Waltroper Straße Fahrtrichtung Waltrop auf dem Parkplatz des Kiosk.

Dieses Schild deutet auf die Hol- und Bringzone an der Straße "Zur alten Windmühle" hin.

Dieses Schild deutet auf die Hol- und Bringzone an der Straße "Zur alten Windmühle" hin. © Nele Falke (A)

Die Ludgerischule in Selm hat drei dieser Hol- und Bring-Zonen: zwei am Parkplatz Kirchplatz und eine an der Straße Zur alten Windmühle.

Öffentlichkeit informieren

Welche Erfahrungen hat die Stadt mit diesen Hol- und Bringzonen gemacht? „Bei der Mobilitätsbefragung der Grundschule Auf den Äckern in Bork von September 2018 kam heraus, dass im Sommer 8,7 Prozent der Schulkinder an einer Hol- und Bring-Zone abgesetzt worden sind und im Winter sogar 18,84 Prozent“, sagt Malte Woesmann. Heraus kam auch, dass der überwiegende Teil der Eltern die eingerichteten Hol- und Bring-Zonen kennt (92,75 Prozent). Befragungen weiterer Schulen werden derzeit ausgewertet beziehungsweise seien in Planung. „Darüber hinaus müssen Öffentlichkeit, Eltern und Schüler weiterhin regelmäßig darüber informiert werden, dass zu Fuß gehen die beste Möglichkeit ist und nur dort, wo es sich nicht vermeiden lässt, das Kind mit dem Auto zu fahren, Hol- und Bring-Zonen genutzt werden sollen.“

Auf der Straße Zur alten Windmühle befindet sich eine von drei Hol- und Bringzonen der Ludgerischule.

Auf der Straße Zur alten Windmühle befindet sich eine von drei Hol- und Bringzonen der Ludgerischule. © Nele Falke (A)

Mobilitätsstrategie in Arbeit

Die Stadt Selm erarbeitet derzeit laut Stadtsprecher eine Mobilitätsstrategie, von der eine Teilstrategie das schulische Mobilitätsmanagement fokussiert. „Erst dann ist absehbar, ob und wenn ja wo, weitere Zonen eingerichtet werden.“ Grundsätzliches Ziel müsse es sein, die Elternverkehre mit dem PKW zu reduzieren beziehungsweise ganz zu vermeiden. Dafür sei die Unterstützung der Schulen, aber vor allem der Eltern von Nöten. Zusätzlich sollen Schulwegepläne nach und nach allen Schulen zur Verfügung gestellt werden, die diese an die Eltern und Schüler ausgeben können.

Gefahrensituationen einschätzen lernen

„Optimal wäre es, wenn die Kinder den ganzen Schulweg zu Fuß gehen beziehungsweise den Großteil ihres Schulweges zu Fuß bestreiten“, meint Woesmann. Daher sei es wünschenswert, Elterntaxis zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Hol- und Bringzonen seien ein Baustein hierfür. Woesmann weiter: „Zu Fuß gehen ist für Kinder von großer Bedeutung. Sie werden so zu eigenständigen und sicheren Verkehrsteilnehmern und lernen Gefahrensituationen eigenständig einzuschätzen. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Gesundheit. Es ist erwiesen, dass Schüler, die zu Fuß zur Schule kommen, sich in der Schule leichter konzentrieren können. Dazu kommt die gesteigerte körperliche Fitness.“ Der Umweltgedanke sei ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Zu Fuß zu gehen sei nachhaltig, man stoße keine Emissionen aus und belaste die Umwelt nicht. Wichtig sei auch die Sicherheit. Durch zu viele Elterntaxis werde ein Verkehrschaos vor Schulen regelmäßig beobachtet und gefährde die Sicherheit aller Schulkinder. Eltern fahren oftmals rücksichtslos bis vor die Schule, daher helfen Hol- und Bringzonen, die Verkehrsströme zu entzerren und verträglicher zu gestalten.

Studie: Fahren gefährlicher als Gehen

Eine wissenschaftliche Studie im Auftrag des ADAC vom Sommer 2018 stützt die Ansicht der Stadt Selm. Danach ist es gefährlicher, sein Kind in die Schule zu fahren, als es selbst gehen zu lassen. In vielen Fällen würden Eltern durch regelwidriges Anhalten oder riskante Wendemanöver die Sicherheit anderer Schulkinder und Verkehrsteilnehmer teils massiv gefährden. Vor der Overbergschule zum Beispiel halten Eltern mit ihren Autos auch schon mal entgegen der Fahrtrichtung auf dem Seitenstreifen und behindern beim Wenden andere. Autos müssen abrupt bremsen, es droht der Auffahrunfall.

Durch die Elterntaxis, so sagen es Experten, gehe die selbstständige Mobilität von Schulkindern verloren.

Durch die Elterntaxis, so sagen es Experten, gehe die selbstständige Mobilität von Schulkindern verloren. © Martina Niehaus

Mobilität geht verloren

Die „Elterntaxi“-Studie beklagt zudem als weiteren negativen Nebeneffekt, dass durch regelmäßige Hol- und Bringdienste die selbstständige Mobilität von Schulkindern immer mehr verloren geht. Der ADAC appelliert daher an alle Eltern, ihre Kinder auf einem sicheren Schulweg so oft wie möglich zu Fuß zur Schule gehen zu lassen. Die Tendenz ist jedoch eine ganz andere. Während sich in den 70er Jahren noch mehr als 90 Prozent der Grundschüler in Deutschland alleine auf den Schulweg gemacht hat, war es nach einer Forsa-Umfrage zufolge im Jahr 2012 nur noch jeder zweite.

Wie es aktuell in ihrer Stadt aussieht, haben gerade die Verantwortlichen in der Nachbarstadt Lünen ermitteln lassen. Hier hat erstmals ein Wissenschaftler untersucht, wie die Mädchen und Jungen zur Schule kommen. Laut einer Umfrage der Technischen Universität Dortmund wird fast ein Drittel der Grundschüler mit dem Auto zur Schule gefahren. 38 Prozent gehen zu Fuß, knapp 12 Prozent benutzen Fahrrad und Roller, 10 Prozent den Bus. 8,4 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Kind mal mit dem Auto gebracht wird, manchmal das Fahrrad nimmt und manchmal zu Fuß geht. Die Stadt Lünen will jetzt in Kooperation mit der Stadtschulpflegschaft die Ergebnisse analysieren und mögliche Konsequenzen formulieren.

Phänomen in allen Kommunen

Schulwege sind laut Polizei, gerade in der dunklen Jahreszeit, alles andere als ungefährlich. An jedem Schultag verunglücken in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 26 Grundschüler auf dem Schulweg – insgesamt 5049 im vergangenen Jahr. 13 Schülerinnen und Schüler verunglückten tödlich. In Selm sind 2017 zehn Kinder verunglückt. Dabei sind Kinder zu Fuß, auf dem Rad und im PKW zusammengefasst. Es sind sechs verunglückte Kinder weniger als 2016 und 2015. „In Selm hatten wir in den Jahren 2017 und 2018 keine Unfälle an Schulen. Auch im gesamten Kreis ist keine signifikante Unfallentwicklung an Schulen erkennbar“, sagt Thomas Röwekamp, Leiter der pressestelle der für Selm zuständigen Kreispolizeibehörde Unna. Gleichwohl: „Bei den Elterntaxis handelt es sich um ein Phänomen, dass in allen Kommunen im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna zu beobachten ist“, führt Röwekamp aus. Ein Problem, was die Bezirksbeamten der Polizei häufig beobachten, sei zum Beispiel das richtige Aussteigenlassen der Kinder. „Oft geschieht das zur Fahrbahnseite hin und nicht, wie es ungefährlicher wäre, zum Gehweg“, erzählt der Leiter der polizeipressestelle. „Auch die mangelnde Sicherung im Fahrzeug“ beobachten die Bezirksbeamten nicht selten. „In diesen Fällen greifen die Kollegen dann auch ein“, versichert Röwekamp.

Keine Ruhe und Geduld

Probleme ergeben sich auch häufig aus der Anzahl der „Taxen“, wenn alle auf einmal kommen, notfalls noch unter Zeitdruck stehen und dann keine Ruhe und Geduld mitbringen. „Dann wird schnell mal ungeduldig gehupt, kleinste Lücken werden ausgenutzt und damit gefährliche Situationen hervorgerufen. Und da man das Problem meistens nicht bei sich sieht, sondern nur bei anderen, werden diese als Ursache ausgemacht“, sagt Thomas Röwekamp.

Wie sieht es konkret in Selm aus polizeilicher Sicht mit diesem Fehlverhalten aus? Er habe sich bei den Selmer Bezirksbeamten erkundigt, berichtet Röwekamp: „Für den Bereich Selm haben die zuständigen Beamten nicht von gravierenden Problemen gesprochen. Natürlich kommen viele Eltern mit dem Auto, dann drubbelt es sich auch schon mal für eine kurze Zeit, aber im Großen und Ganzen ist es, zumindest wenn die Kollegen vor Ort, sind durch diese händelbar. Das ein oder andere verkehrsdidaktische Gespräch muss dann allerdings auch schon mal mit den Eltern geführt werden.“ Denn zum Aufgabenbereich der Bezirksbeamten in den jeweiligen Kommunen gehöre auch die Schulwegsicherung, so auch in Selm. Die jeweiligen Beamten führen diese im Wechsel an den unterschiedlichen Schulen ihres Bezirkes durch. Wobei eben auch schon mal intensive Gespräche notwendig sind.

Schulwegsicherung das ganze Jahr über

Gespräche - sind die das einzige Mittel der Polizei? Nein. Röwekamp: „Die Schulwegsicherung wird das ganze Jahr über durchgeführt, das machen die Kolleginnen und Kollegen des Bezirksdienstes. Die Verkehrssicherheitsberater gehen zunächst in den Kindergarten mit der Puppenbühne, in der Grundschule wird in den ersten Wochen ein Schulwegtraining absolviert und der Fahrradführerschein gemacht.“ An weiterführenden Schulen werden dann die künftigen Fahranfänger auf besondere Weise mit der Realität des Straßenverkehrs konfrontiert: durch den Crash-Kurs: Polizisten zeigen Fotos von Verkehrsunfällen, Opfer, die zum Teil schwerste Verletzungen erlitten haben, erzählen den jungen Menschen, warum sie in einen Unfall verwickelt worden sind. Etwa durch überhöhte Geschwindigkeit oder, weil sie durch ihr Handy am Steuer abgelenkt waren. Die Kombination Fotos und Berichte von Opfern geht unter die Haut. Nicht selten brechen künftige Fahranfänger dann in Tränen aus.

Polizei: Gegenseitige Rücksichtnahme

Ob es nun darum geht, Unfälle wie die, die beim Crash-Kurs thematisiert werden, zu vermeiden, oder darum, Gefahren etwa durch Elterntaxis zu minmieren, sind Lösungsansätze eigentlich einfach. Polizeipressesprecher Thomas Röwekamp: „Im Vordergrund des ganzen Problems sollte immer die Sicherheit für die Kinder, andere Verkehrsteilnehmer und sich selbst stehen. Dieses erfordert eine gegenseitige Rücksichtnahme, wie es auch im Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung beschrieben ist. Wenn man also von allen Seiten Rücksicht nimmt, würde sich das Problem wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß stellen.“

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Vernünftiges Zeitmanagement

Konkret schlägt die Polizei Folgendes vor:

1. Ein vernünftiges Zeitmanagement: „Das bedeutet, wenn man nicht auf ,den letzten Drücker‘ fährt, muss man auch nicht bis ganz nach vorne fahren, um sein Kind abzusetzen, sondern findet geeignete Plätze, wo die Sicherheit gewährleistet ist, die Vorschriften beachtet werden und das ganz persönliche Sicherheitsempfinden, das bei allen Eltern unterschiedlich ausgeprägt ist berücksichtigt wird.“

2. „In unseren Augen ist auch hier die Vorbildfunktion der Eltern gegenüber ihren Kindern gefragt. Kinder schauen sich ganz genau an, was ihre Eltern machen und richten ihr eigenes Verhalten danach aus. Deshalb appellieren wir an die Eltern, den Kindern vorzuleben, was sie auch von ihnen selbst verlangen. Nochmal sei dabei betont, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer dabei im Vordergrund steht.“

Vereinzelt bringen Eltern ihre Kinder zu Fuß zur Schule.

Vereinzelt bringen Eltern ihre Kinder zu Fuß zur Schule. © Arndt Brede

Eine schöne Theorie. Die Realität sieht häufig anders aus. Zeit ist wohl doch ein Gut, das bei manchen sehr knapp zu sein scheint.

„Ich habe keine Zeit“, sagt auch ein Vater, der sein Kind zur Overbergschule begleitet hat, auf die Bitte des Reporters um ein Gespräch. „Ich muss jetzt zur Arbeit“, lautet seine Begründung für den Zeitmangel. Spricht’s und entfernt sich. Zu Fuß. Geht doch.

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