Wenn ein Schloss zu einem Tauschobjekt wird

Jahrestag

Vor genau 200 Jahren hat das Schloss Cappenberg seinen Besitzer gewechselt. Alte Briefe dokumentieren, was eingetauscht wurde und wie es zu dem Tausch kam. Die Selmerin Christel Gewitzsch hat viele dieser Briefe für ihre Internet-Zeitschrift „aktenlage.net“ ausgewertet.

CAPPENBERG

, 22.02.2016, 18:54 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Ausstellungen auf Schloss Cappenberg sind bis 17. April geschlossen. Schuld ist ein Wasserschaden.

Die Ausstellungen auf Schloss Cappenberg sind bis 17. April geschlossen. Schuld ist ein Wasserschaden.

Vor 200 Jahren bahnte sich weiter an, was im Sommer 1816 Wirklichkeit werden sollte: Das Schloss Cappenberg bekam am 22. Februar 1816 einen neuen Besitzer und seinen prominentesten Bewohner in der langen Geschichte des Bauwerks.

„Ich wiederhole heute meine Bitte“, heißt es in einem Brief, den Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein an Ludwig von Vincke adressiert hatte, „dass der von mir bei dem Finanzminister übergebene Anschlag in Berlin geprüft und festgesetzt werde, um ihn als dann Ew. Hochwohlgeb. (steht für „Eure Hochwohlgeboren“, eine Anrede für Männer im Range eines Grafen, Anmerkung der Redaktion) zufertigen zu können zur Ausmittlung eines Tauschobjekts von einem entsprechenden Wert.“

Freiherr vom Stein war im Exil

Zum Hintergrund: Der Freiherr vom Stein, der zu dieser Zeit schon Privatier war, allerdings politisch interessiert blieb, musste 1808 wegen einer antinapoleonischen Haltung in russisches Exil gehen. 1814 kehrte er aber an seinen früheren Wohnort Nassau zurück: Dort besaß er Güter („Gut Birnbaum“), die allerdings unter Napoleon beschlagnahmt worden waren. 1816 tauschte er seine Ländereien gegen das Schloss Cappenberg ein.

Amtliche Schriften

Dieser Tausch bahnte sich im Februar 1816 in den Dokumenten an. Im Brief an Ludwig von Vincke, damals Oberpräsident von Westfalen und damit wichtigster Mann in der preußischen Provinz, heißt es weiter: „Unterdessen habe ich Herrn Gosebruch aufgegeben, nach Hamm zu reisen, die bei seinem Bruder befindlichen Data, so Cappenberg betreffen, einzusehen und daraus Vorschläge zu einem Tauschgegenstand zusammenzutragen.“ Der Brief ist dokumentiert in der Sammlung „Freiherr vom Stein, Briefe und amtliche Schriften“. 

Freiherr vom Stein trieb Anfang des 19. Jahrhunderts die preußischen Staatsreformen voran. Von 1816 an bis zu seinem Tod 1831 lebte der Staatsmann in Cappenberg. finden Sie die Internet-Zeitschrift "aktenlage.net".

 

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