Wie Selmer Gymnasiasten aus einem Schließfach ein Kunstwerk machten

mlzErster Preis

Viele Märchen beginnen mit „Es war einmal ...“. Manche sehr reale Geschichte beginnt genau so. So, wie die Geschichte des ersten Preises, den junge Selmer Gymnasiasten gewonnen haben.

Selm

, 20.02.2019, 17:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren einmal zwei schlicht weiß gehaltene Schließfachanlagen, die die Unternehmensgruppe „Astra Direct“, Spezialist für Schließanlagen in Schulen, dem Städtischen Gymnasium Selm zur Verfügung stellte. Die Unternehmensgruppe hatte anlässlich ihres 20-jährigen Firmenbestehens im Jahr 2018 einen bundesweiten Kunstwettbewerb für Schulen ausgeschrieben. Die Idee: Schüler sollten die Schließfächer neu gestalten. Ohne Vorgaben. 40 Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs des Städtischen Gymnasiums Selm nahmen an diesem Kunstwettbewerb teil.

Schüler sammelten erst mal Ideen

Was dann innerhalb der Kunstkurse ablief, beschreibt Franziska Mätzold, Kunstlehrerin am Gymnasium Selm, so: „Es haben sich Kleingruppen gebildet, die erst mal Ideen gesammelt haben. Daraus haben wir dann ein Projekt gemacht.“ 20 Schüler entwickelten das Konzept einer Wasserwelt. Während eine Pappmaché-Schildkröte auf dem Dach des Schließfachschranks wacht, schwimmen Fische in zwei Schließfächern. Außen gibt es Blasen, so, als ob der überwiegend blau gehaltene Schrank am Meeresboden stünde. Quer über fast alle Fächer erstreckt sich ein Pappmaché-Krake, der so quasi die einzelnen Fächer versperrt.

Wie Selmer Gymnasiasten aus einem Schließfach ein Kunstwerk machten

Fische im Schließfach. © Arndt Brede

Als Schließfach nicht mehr nutzbar

Mit der Gestaltung sind die Schüler voll ins Risiko gegangen. Denn als Schließfach ist der Schrank nicht mehr zu nutzen. Aber genau das scheint die Jury der Astra-Direct-Unternehmensgruppe, in der zwei Mitglieder der Geschäftsführung, ein Kunstprofessor und ein Designer saßen, überzeugt. „Es war der Gesamteindruck, der entscheidend war“, erzählt Heiko Andermann. Der Handelsvertreter für Astra Direct überbrachte am Dienstag, 19. Februar, nicht nur die Siegerurkunde, sondern sorgte auch dafür, dass der Gewinn von 5000 Euro dem Gymnasium zufließt.

„Wir hätten nie mit solch einer Resonanz gerechnet“, erzählt Andermann. 330 Schulen haben sich bundesweit am Wettbewerb beteiligt. Er dankte für das Engagement der Selmer Schüler. Die Jury hatte anhand von Fotos, die die Schulen von ihren Beiträgen geschossen hatten, zu entscheiden.

Wie Selmer Gymnasiasten aus einem Schließfach ein Kunstwerk machten

Eine Schildkröte auf dem Schließfach. © Arndt Brede

Demokratischer Kreativprozess

Der erste Preis unter den 330 Schulen - der zweite Beitrag des Selmer Gymnasiums erreichte keine der vorderen Plätze - belohnt einen demokratischen Kreativprozess. „Wir hatten erst ganz andere Ideen, zum Beispiel eine Märchenwelt“, berichtet Jana Röhrig (17). „Dann aber haben wir uns für diese Meereswelt entschieden. Wir wollten auch den Fantasiecharakter mit rein bringen.“ Es sollte etwas Ungewöhnliches und zum Anfassen entstehen. Shawn-Matthew Schnabel (16) ergänzt: „Wir wollten, dass das Kunstwerk dreidimensional wird.“

Die Mühe hat sich nicht nur wegen des Preisgeldes von 5000 Euro für die Kunstfachschaft und der Urkunde gelohnt: „Die Arbeitsphasen fließen in die Note ein“, sagt Lehrerin Franziska Mätzold.

Auch wenn die anderen 329 eingereichten Wettbewerbsbeiträge nicht ganz vorn gelandet sind, haben sie den Astra-Direct- Verantwortlichen doch beeindruckt: „Unsere Design-Abteilung zieht Anregungen aus den einzelnen Beiträgen“, sagt Heiko Andermann.

Wie Selmer Gymnasiasten aus einem Schließfach ein Kunstwerk machten

Ein Krake versperrt den Zugriff auf das Schließfach. © Arndt Brede

Möglicher Platz neben dem Aquarium

Das Wasserwelten-Kunstwerk des Selmer Gymnasiums steht noch im Kunstraum der Schule. Die Betonung liegt auf dem Begriff „noch“. „Es ist noch nichts entschieden“, sagt Franziska Mätzold, „aber ich könnte mir vorstellen, dass es neben dem Aquarium im Erdgeschoss aufgestellt wird.“ Womit das sehr reale Märchen vom schlicht weißen Schließfachschrank ein passendes und gutes Ende finden könnte.

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