„Wir heißen Taxi Unger und nicht Taxi Caritas!“ Unternehmen streicht wieder sein Angebot

mlzTaxi-Test

An einem Werktag abends ein Taxi in Selm zu bekommen: Das war bis Mai ein Ding der Unmöglichkeit - zum Ärger vieler. Taxi Unger hat daraufhin einen Test gewagt und jetzt Bilanz gezogen.

Selm

, 10.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dirk Unger sitzt in seinem Büro, blickt auf die Bücher und schüttelt den Kopf. Die Zahlen, sagt er, seien eindeutig. Sie stehen nicht nur in seinen Unterlagen. Der Chef von Taxi Unger hat sie in den RN auch öffentlich gemacht - für Mai und Juni und jetzt auch für den letzten der drei Testmonate: den Juli: ein Sommer der Enttäuschung.

„Ich hatte da nichts anderes erwartet“, sagt Unger. Dennoch hat er mitgemacht beim Selmer Taxi-Test - als einziger der drei Selmer Beförderungsunternehmen. Drei Monate lang hat er angeboten, worauf die Selmerinnen und Selmer sonst verzichten mussten: Taxi-Fahrten zwischen 20 und 24 Uhr an Werktagen.

Test war Reaktion auf unzufriedene Stimmen beim Taxi-Gipfel

Bürgermeister Mario Löhr hatte Unger und seine Kollegen im Frühjahr zusammengeholt zu einem Taxi-Gipfel. Zuvor hatte sich ein mehrstimmiger Klagechor erhoben:

Die RN hatten im Oktober 2018 unter der Überschrift „Willkommen in der Provinz“ über die Unmöglichkeit berichtet, abends mit dem Taxi spontan von A nach B zu kommen. Der Stadtrat hatte auf Antrag der UWG die Stadtverwaltung aufgefordert, nach Lösungen zu suchen. Und örtliche Wirte hatten einen Brandbrief geschrieben und auf ihre verärgerten Kunden hingewiesen, denen sie keinen Wagen rufen könnten.

„Wir heißen Taxi Unger und nicht Taxi Caritas!“ Unternehmen streicht wieder sein Angebot

Drei Monate lang hatte Dirk Unger unter der Woche Taxifahrten auch zwischen 20 und 24 Uhr angeboten. © Sylvia vom Hofe

Alles ein Problem des fehlenden Angebots? „Wir sollten das ausprobieren“, hatte Bürgermeister Mario Löhr vorgeschlagen. Dirk Unger stimmte zu. Für ihn stand aber schon damals fest: „Das Problem ist nicht das Angebot, sondern die Nachfrage.“ Damit das die Kritiker einsehen, stimmte er zu, sich ins Portemonnaie schauen zu lassen.

Dirk Unger hat Blick ins Portemonnaie gewährt

Wie viele Fahrten gab es? Wie hoch waren die Einnahmen? Das hat er für jeden Tag des Testzeitraums öffentlich gemacht. Für Mai und für Juni war es schon nicht so gut gelaufen: Der Ertrag, so Dirk Unger nach jeder Monatsauswertung, lohne den Aufwand nicht. Jetzt liegt die Auswertung für den letzten Testmonat vor.

„Da gab es im ganzen Zeitraum keine Trendwende“, sagt Unger. Das Problem sei stets dasselbe: „Zwischen 18 und 24 Uhr tut sich gar nichts.“ Erst zwischen 24 und 3 Uhr morgens kämen dann Anfragen. Selbst in drei guten Nachtstunden lasse sich nicht das Geld eines verlorenen Abends einfahren.

Unger versteht die Leute. „Das Taxifahren ist keine preiswerte Angelegenheit.“ In Deutschland werden Taxitarife behördlich von Städten oder Landkreisen festgelegt. Der Taxitarif für den Kreis Unna wurde zuletzt Mitte August - also nach dem Selmer Taxi-Test - angehoben.

Taxifahren ist seit Mitte August noch teurer geworden im Kreis Unna

Inzwischen kostet eine Taxifahrt am Tag als Grundtarif 3,50 Euro - bis Mitte August waren es 3,20 Euro, wie Constanze Rauert, Sprecherin des zuständigen Kreises Unna mitteilt. Jeder gefahrene Kilometer schlägt mit 2 Euro (bislang 1,90 Euro) zu Buche. Der Grundtarif in der Nacht liegt bei 3,90 Euro (3,60 Euro) und der Kilometertarif bei 2,10 Euro (2 Euro).

Dieser teurere Nachttarif greift für Selm nur zum Wochenende, wenn Taxis tatsächlich bis 6 Uhr morgens fahren. Unter der Woche bleiben die Taxen nachts aber wieder grundsätzlich auf dem Hof.

Beim Taxi-Test der zurückliegenden drei Monate habe er drauflegen müssen, sagt Unger: rund 2500 Euro. Ein Verlustgeschäft, das er nicht fortsetzen könne. Das müsse jeder verstehen „Wir heißen schließlich Taxi Unger und nicht Taxi Caritas.“

Von Gastronomiebetrieben seien in den drei Monaten „pro Monat fünf, sechs Anrufe“ gekommen. Mehr nicht, so Unger. Für diese fünf, sechs Gäste, die er und seine Leute jetzt nicht mehr sicher von der Theke zur Haustür bringen, tue es ihm leid: „Aber das rechnet sich einfach nicht“.

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