Die Wochenmärkte in Selm und Bork sehen im Moment ein bisschen anders aus als sonst: Besucher müssen Maske tragen und Abstand halten. Dem Verkauf schadet das nicht, sagen die Händler.

Selm

, 06.05.2020, 09:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Schlangen sind länger als sonst auf dem Wochenmarkt in Selm an diesem Dienstagvormittag im Mai 2020. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass so viel mehr Menschen als sonst zu den Ständen eilen und frische Waren einkaufen. Sondern eher daran, dass auch hier natürlich das Abstandsgebot gilt. Die Corona-Krise und die Regeln zur Eindämmung der Pandemie betreffen natürlich auch die Wochenmärkte in Selm und Bork, wie Marktmeister Franz-Josef Raubuch erklärt.

Er steht an diesem Dienstag auf dem Willy-Brandt-Platz. Auch sein Gesicht ist durch eine Maske verhüllt - so wie das der Beschicker und Kunden auf den Markt. Dass er auf einem Wochenmarkt mal mit Maske stehen würde - „dass hätte ich auch nie gedacht“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Der 72-Jährige ist seit etwa fünf Jahren Marktmeister in Selm. Zuvor hatte er 2012 im Sommer den Borker Markt auf die Beine gestellt, der seither immer donnerstags nachmittags stattfindet. „Ich war damals bei Pommes Gerd und habe ein Bier getrunken“, erzählt Franz Josef Raubuch. Die legendäre Borker Pommesbude befand sich damals in einem Gebäude am ehemaligen Marktplatz, das mittlerweile abgerissen ist. „Jedenfalls habe ich da so gedacht“, erzählt Raubuch weiter, „dass das da doch so ein schöner Platz ist. Da müsste man mal einen Markt machen“.

2020 ist ein besonderes Jahr

Auch wenn ihn zu Beginn viele für verrückt erklärten, so sagt er lachend weiter, machte der gelernte Raumausstatter, der auch für die CDU im Stadtrat sitzt, Nägel mit Köpfen und organisierte den Borker Markt. Er sei von Anfang an sehr beliebt gewesen, sagt Raubuch. Auch jetzt noch, wo er nicht mehr auf dem Platz, sondern im Ortskern auf der dafür abgesperrten Hauptstraße stattfindet.

Michael Möller verkauft auf dem Selmer Markt Blumen. Nur an einem Markttag durfte er wegen eines entsprechenden Erlasses nicht kommen.

Michael Möller verkauft auf dem Selmer Markt Blumen. Nur an einem Markttag durfte er wegen eines entsprechenden Erlasses nicht kommen. © Marie Rademacher

Auch der Wochenmarkt in Selm, der zweimal in der Woche (immer dienstags und freitags) stattfindet, habe schon immer guten Zulauf, sagt der Marktmeister. Die Geschichte des Marktes, so sagt er, reiche circa 100 Jahre zurück.

Dieses Jahr ist aber ein besonderes in der Historie des Marktes: wegen der Corona-Krise. Wobei: Nach anfänglichen Einschränkungen kann das Marktgeschehen mittlerweile wieder fast normal ablaufen, sagt Franz-Josef Raubuch. „Ich möchte auch den Händlern sehr danken, die so gut durchgehalten haben“, sagt er. Die Liste der Händler, die entweder in Bork oder in Selm oder an beiden Standorten zum Markt kommen, die er dann aufzählt, ist gar nicht so kurz: Da ist der Geflügelstand Evers, der Wagen der Landfleischerei Brüning, der Wagen mit den polnischen Spezialitäten, der Fischstand von Klimasch, Gemüse Sander, Blumen Möller aus Olfen, die Imker, Käse Otto, die Bäckerei Terjung, die Landfleischerei Volle...

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„Auch dem Hof Engelkamp aus Datteln möchte ich danken“, so Franz-Josef Raubuch. Der hatte nämlich für eine kurze Zeit den Gemüsestand Drewes vertreten, der wegen der Corona-Krise eine Pause eingelegt hatte.

Die ist jetzt aber vorbei und auch Drewes sind seit vergangener Woche zurück auf dem Markt.

Händler sprechen sogar von mehr Kunden

Die Kunden sind in der ganzen Krisenzeit nie weggeblieben, sagt Franz-Josef Raubuch. Das sagen aber auch die Markthändler selbst. „Viele Leute sind im Moment mehr zu Hause und kochen viel mit frischen Zutaten - das merken wir hier natürlich“, sagt so zum Beispiel Daniel Klimasch, der auf dem Selmer Markt Fisch verkauft.

Friederike Konik (61) ist eine seiner Kundinnen. „Ich gehe immer zum Markt, hier bekomme ich alles, was ich so brauche“, sagt sie - natürlich auch mit Mundschutz. Wegen der Krise nicht zu kommen - das sei für sie keine Option gewesen. Für viele andere Selmer Kunden offensichtlich auch nicht. „Ich glaube sogar, dass der Markt im Moment stärker genutzt wird“, sagt Michael Möller, der in Selm Blumen verkauft. Zwischendurch durfte er wegen der Krise und eines entsprechende Erlasses nicht zum Markt kommen. „Aber das war nur ein Tag, danach war das wieder erlaubt“, sagt er. Der große Vorteil des Marktes gegenüber Geschäften in dieser Zeit sei klar: „Die frische Luft“, sagt er.

Friederike Konik geht regelmäßig zum Markt in Selm - auch in Zeiten von Corona.

Friederike Konik geht regelmäßig zum Markt in Selm - auch in Zeiten von Corona. © Marie Rademacher

Außerdem - so sein Eindruck - halten sich alle an die Abstandsregeln und die Maskenpflicht. Diesen Eindruck teilt Marktmeister Franz-Josef Raubuch. „Die Leute sind sehr diszipliniert“, sagt er. „Aber ich passe natürlich schon auch auf, dass sich alle an die Regeln halten“, sagt er. Auch das Ordnungsamt sei schon mal vorbeigekommen - Beanstandungen oder Bußgelder habe es allerdings nicht gegeben.

„Wir müssen jetzt halt vorsichtig sein“, zeigt sich auch der Geflügelhändler Thomas Evers einsichtig. „Wir achten da schon sehr drauf“, sagt er. Verändert hat sich - das stellen auch die Kunden der Fleischerei Brüning fest, als es darum geht, ein Foto zu machen -, dass es durch die Masken eigentlich keinen Unterschied mehr macht, ob der Mund dahinter nun lächelt oder nicht. Insgesamt, so sagt es aber Hildegard Feldhaus, die im Wagen der Fleischerei Brüning das Fleisch verkauft, sei der Markt noch lebendiger als sonst. „Die Kunden sind noch freundlicher als sonst.“

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