Es tut sich einiges auf der Fläche nordwestlich der Sportanlage an der Münsterlandstraße. Wo jetzt noch Getreide wächst, wächst bald Stein auf Stein. Es wächst aber auch Unmut.

Selm

, 03.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Die Stadtverwaltung hat mit einer Bürgerversammlung am Dienstagabend, 2. Juli, im Saal des Bürgerhauses die erste Runde der Beteiligung der Öffentlichkeit im Bebauungsplanverfahren 88 „Wohnen am Auenpark“ eingeläutet. Rund 40 Bürger waren erschienen. Was sie hörten und an der Leinwand sahen, war zum Teil bekannt, zum Teil gab es auch Neuigkeiten.

Bekannt ist, dass das neue Wohngebiet Teil des Regionale-2016-Projekts „Aktive Mitte“ ist. Klar ist auch, dass dafür eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche westlich der Münsterlandstraße bebaut werden soll. Bekannt ist auch, dass Anwohner des Seilands, also des alten Wohngebiets gegenüber, Lärm- und Abgasbelastungen befürchten.

Neu, weil erstmals auch der Öffentlichkeit präsentiert, sind die Dimensionen wichtiger Bereiche des geplanten Wohngebiets am Auenpark.

Wichtige Fragen zu den Planungen klären wir hier.

Wie groß ist das Plangebiet?

Es ist sieben Hektar groß und liegt zwischen dem künftigen Auenpark und der Münsterlandstraße.

Was ist genau geplant?

Dr.-Ing. Frank Pflüger vom Ingeniuer-Büro Heinz Jahnen Pflüger (HJP), das den Gestaltungswettbewerb für das neue Wohngebiet gewonnen hatte, stellte während der Bürgerversammlung Details vor. Geplant ist eine Baustruktur mit abnehmender Dichte von der Münsterlandstraße in Richtung des Auenparks. Entlang der Münsterlandstraße ist Geschosswohnungsbau mit dreieinhalb bis vier Geschossen geplant. Dies habe den Effekt, dass die dahinter liegenden Gebäude vor Schallemissionen der Münsterlandstraße geschützt werden. Weiter westlich sind Einfamilienhäuser in Form von Stadtvillen, Reihenhäusern und Einzel- und Doppelhäusern geplant. Die Geschosshöhen nehmen von der Münsterlandstraße ins Innere des Wohngebiets ab.

Geplantes Wohngebiet am Auenpark: Die Angst der Nachbarn vor dem Lärm

Hier soll ab 2020 ein neues Wohngebiet entstehen. © Arndt Brede

Soll das künftige Wohngebiet ein besonderes „Gesicht“ haben?

Insgesamt soll es laut Bürgermeister Mario Löhr ein Wohngebiet sein, „das es so in der Region nicht gibt“. Frank Pflüger bezeichnet es als „unverwechselbar“. Nicht gewünscht sei eine „münsterländische“ Bebauung mit Pult-, Walm-, Sattel- und Spitzdächern. Als Dachform sind, so sehen es die Entwürfe vor, Flachdächer und flach geneigte Dächer bis zu einer Dachneigung von 15 Grad zulässig. Sie können begrünt werden. Auf den Vorentwürfen des Siegerbüros HJP sind Häuser zu erkennen, die markante, klare Fassaden haben. Das wird vor allem zur Münsterlandstraße hin als eine Art Riegelbebauung den Anblick verändern. Wo bisher eine landwirtschaftlich genutzte Fläche den Blick gen Westen ermöglicht, wird das künftig nicht mehr so einfach möglich sein. Gleichwohl wird es den Plänen zufolge kein Wohngebiet sein, das komplett den Boden versiegelt. „Wir wollen der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche, die bebaut wird, Grün zurückgeben“, sagt Mario Löhr. So soll das Gebiet viel Grün aufweisen. Außerdem ist unter anderem eine Wasserachse geplant. Ein Selmer erklärte während der Bürgerversammlung, er werde bei der Gestaltung des neuen Wohngebiets an eine Kaserne erinnert. Der Selmer Jesaja Michael Wiegard lobte die geplante Gestaltung des Wohngebiets: „Ich finde es positiv, dass es keine Explosion von Architektenfantasien gibt.“

Gibt es ein Verkehrskonzept?

Ja, das gibt es. Es sieht zwei Einmündungen in das Wohngebiet von der Münsterlandstraße aus vor. Innerhalb des Wohngebiets ist ein Erschließungsring vorgesehen.

Geplantes Wohngebiet am Auenpark: Die Angst der Nachbarn vor dem Lärm

An dieser Stelle soll es die Möglichkeit geben, die Münsterlandstraße zwischen dem Wohngebiet am Auenpark und dem Wohngebiet Seiland zu überqueren. Der Übergang soll stärker als bisher ausgeprägt werden. © Arndt Brede

Gibt es Verbindungen vom Neubaugebiet „Wohnen am Auenpark“ zu den bestehenden Siedlungsstrukturen, etwa der alten Zechenkolonie und dem Seiland?

Für die Stadt erklärte Thomas Wirth vom Amt für Stadtentwicklung, dass zum Seiland die bisherige Querung für Fußgänger und Radfahrer kurz vor dem Pumpwerk stärker ausgeprägt werden soll. Und ganz aktuell sei es durch Gespräche mit Anwohnern der westlichen Bebauung des künftigen Auenparks gelungen, dass es eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer vom Neubaugebiet Wohnen am Auenpark zur Lange Straße geben wird. „Es wird ein zwei Meter breiter Fußweg.“

Ist die Nutzung regenerativer Energien möglich?

Grundsätzlich ja, sagt Frank Pflüger. Blockheizkraftwerke, Nutzung von Erdwärme und Fotovoltaikanlagen seien denkbar.

Neben Mietwohnungen wird das Neubaugebiet auch durch Eigentumsgrundstücke geprägt. Was kostet der Quadratmeter im Gebiet „Wohnen am Auenpark“?

Bürgermeister Mario Löhr gab die Zahl bekannt: „320 Euro pro Quadratmeter.“ Es sei klar, dass durch den Preis nicht jeder in der Lage sei, dort zu bauen. „Aber wir wollen ja durch die Ausweisung weiterer Neubaugebiete, etwa am Lidl in Bork oder am Fährenkamp in Selm und in Cappenberg, Möglichkeiten für junge Familien schaffen.“ Der hohe Preis im Neubaugebiet am Auenpark sei bewusst gewählt, „weil es Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum gibt“.

Sind während des Bebauungsplanverfahrens Konflikte zu erwarten?

Ja. Anwohner des Seilands befürchten, dass durch das Neubaugebiet der Verkehr zunimmt und sie zusätzlich durch Abgase belästigt werden. Klaus Nasemann und Markus Lott, Anwohner des Seilands, bemängelten während der Versammlung unter anderem, dass es zwar für das Neubaugebiet Lärmschutzmaßnahmen geben werde, nicht aber für die bestehenden Häuser im Seiland. Sie seien ja auch durch steigenden Verkehr und damit verbundenen Lärm betroffen. Arno Flörke vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Akustik und Umwelttechnik bezeichnete die Situation als rechtliche Ungleichbehandlung: „Wir haben im Bestand rechtlich keine Emissionsgrenzwerte, die eingehalten werden müssen, auf die ein Anwohner einen Anspruch hat.“ Bei Neubebauung sei im Bauleitverfahren vorgeschrieben, dass Lärmorientierungswerte zu prüfen seien, die in der Planung zu berücksichtigen seien.

Geplantes Wohngebiet am Auenpark: Die Angst der Nachbarn vor dem Lärm

Das Tempo auf der Münsterlandstraße soll auf Dauer auf 50 festgelegt werden. Derzeit ist das Tempo-50-Schild umgedreht, weil wegen der Bauarbeiten zum neuen Wohngebiet Tempo 30 gilt. © Arndt Brede

Gibt es Hoffnung für die Anwohner des Seilands, dass ihre Situation zumindest nicht schlechter wird als bisher, wenn das neue Wohngebiet gegenüber entstanden ist?

Dipl-Ing. Stefan Fleischhacker vom Ingenieurbüro für Akustik und Umwelttechnik Arno Flörke aus Haltern erklärte, das bestehende Schallgutachten sei vom Tempo 70 auf der Münsterlandstraße ausgegangen. Geplant sei aber, Tempo 50 dauerhaft auf der Münsterlandstraße, also der Bundesstraße 236, zu etablieren. Für diesen Fall werden Anwohner wie zum Beispiel Nasemann um mehr als zwei Dezibel entlastet. Es gebe aber auch ein freiwilliges Programm des Landesbetriebs Straßen.NRW, durch das man einen Zuschuss für Lärmschutzfenster bekomme, sagt Arno Flörke.

Geplantes Wohngebiet am Auenpark: Die Angst der Nachbarn vor dem Lärm

Dr.-Ing. Frank Pflüger stelte die Vorentwürfe für das neue Wohngebiet am Auenpark vor. © Arndt Brede

Wie geht es nach der Bürgerversammlung im Bebauungsplanverfahren weiter?

Das erklärte Thomas Wirth während der Bürgerversammlung: Die Pläne liegen im Borker Amtshaus aus. Und zwar im Neubau, Adenauerplatz 2, Amt für Stadtentwicklung und Bauen, 4. Obergeschoss. „Die Bürger haben dort die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äußern. Das geht auch schriftlich.“ Diese Beteiligungsrunde laufe bis einschließlich 17. Juli. Danach werden die Anregungen der Bürger ausgewertet. Die dann durch die womöglich eingearbeiteten Anregungen ergänzten Pläne werden offengelegt. Im kommenden Jahr, so ist der Wunsch, soll die Politik den Bebauungsplan „Wohnen am Auenpark“ als Satzung beschließen. „Dann haben wir die Möglichkeit, in die Erschließung und Vermarktung des Gebietes einzusteigen.“

Lesen Sie jetzt