Der Garten von Dorothee Beck ist wild und grün. Im steinernen Vorgarten von Markus Jankowiak wächst dagegen kein Hälmchen. Beide haben uns erzählt, warum ihr Garten ist, wie er ist.

Selm

, 27.02.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 6 min

Weiß, soweit das Auge reicht: Im Garten von Dorothee und Uwe Beck in der Annegarnstraße ist beim Fototermin vor allem Schnee zu sehen. Dass die Becks im letzten Jahr für ihr Haus- und Gartenkonzept den zweiten Platz beim Umweltpreis der Stadt Selm bekommen haben, erkennt man auf den ersten Blick nicht.

Doch bei einem Gang durch den verschneiten Garten merkt man schnell, dass hier Artenvielfalt im Mittelpunkt steht. Spuren von Kaninchen ziehen sich kreuz und quer über die Gartenfläche. „Wir haben hier immer viele Besucher“, erklärt Dorothee Beck.

Dorothee Beck unter einem alten Apfelbaum. "Hier können wir oft den Specht beobachten", sagt sie.

Dorothee Beck unter einem alten Apfelbaum. "Hier können wir oft den Specht beobachten", sagt sie. © Martina Niehaus

In ihrem Garten, der schon viele Jahrzehnte alt ist, stehen mehrere große Obstbäume. Nicht nur der Grünspecht schaut hier regelmäßig vorbei. In den Hecken finden sich auch im Winter Beweise dafür, dass hier im Frühjahr und Sommer Leben herrscht: Vogelnester. In den Bäumen hängen gleich mehrere Nisthilfen. „Wir haben hier auch Eichhörnchen, Schnecken, Igel und Enten.“

In den Hecken im Garten von Familie Beck nisten im Frühling viele Vögel. Hier sind die "Mieter" bereits ausgezogen.

In den Hecken im Garten von Familie Beck nisten im Frühling viele Vögel. Hier sind die "Mieter" bereits ausgezogen. © Niehaus

„Jeder kann seinen Beitrag gegen das Insektensterben leisten“

Im Sommer ist der Garten von Dorothee Beck ein Paradebeispiel für naturnahe Gartengestaltung (siehe Anhang). Und die 52-Jährige glaubt, dass das nicht an dem mit knapp 1000 Quadratmetern weitläufigen Grundstück liegt. Sondern daran, wie man das Grundstück gestaltet - ohne allzu großen Pflegeaufwand.

Dorothee Beck findet es nämlich schade, dass sich in den Selmer Vorgärten und Gärten immer weniger Insekten und Vögel finden. Um das zu ändern, sagt sie, kann jeder etwas tun. „Es ist notwendig, dem aktuellen Trend der Steinwüsten entgegenzuwirken. Wichtig ist, dass in unsere Wohngebiete wieder lebendige, artenreiche Gärten im jahreszeitlichen Wandel Einzug nehmen“, argumentiert Dorothee Beck.

So sieht der Garten der Becks im Sommer aus.

So sieht der Garten der Becks im Sommer aus. © Dorothee Beck

Jeder Einzelne könne mit der Wahl seiner Gartengestaltung und Pflanzen einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten. Dass ein Steingarten pflegeleichter sei als eine natürliche Blumenwiese, lässt sie nicht gelten.

Der Meinung ist auch Birgit Königs vom Naturschutzbund (NABU) NRW. „Eine Wiese, die Blütenpflanzen enthält, ist sogar pflegeleichter als ein Steingarten. Man braucht sie nur selten zu mähen. In den Steingärten sind die Leute ständig damit beschäftigt, mit dem Hochdruckreiniger Moosschichten zu entfernen. Das ist sehr zeitintensiv“, sagt die Pressesprecherin.

Kein großes Grundstück benötigt

Königs betont auch, dass man nicht unbedingt ein großes Grundstück braucht, um es grün und bunt zu haben. „Man kann mit wenig Aufwand die Artenvielfalt im Siedlungsbereich unterstützen. Da reichen Nistkästen, etwas Gebüsch und eben heimische Kräuter und Stauden.“

Auf Balkon oder Terrasse könne man ebenfalls Pflanzen hinstellen, die auch im Kübel wachsen. „Dazu gehören Küchenkräuter wie Lavendel, Rosmarin oder Thymian, aber auch heimische Kräuter. Nachtkerzen und Wildrosen sind schöne Blüher, und auch Himbeeren tragen wunderschöne Blüten.“

Mit dem Thema Naturgarten beschäftigt sich in Zeiten des Insektensterbens auch die Politik. So erklärt die Landesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Mona Neubaur: „Auch Vorgärten können ökologisch wertvolle Lebensräume sein, deshalb begrüßen wir es, wenn sich Bürgerinnen und Bürger Gedanken über die Gestaltung dieser Bereiche machen. In den den Städten und Gemeinden in NRW könnten kommunale Förderprogramme erdacht werden, um auch hier die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu fördern - etwa, um gegen das Insektensterben aktiv zu werden. In der Landwirtschaft hat dieser Ansatz schon dazu geführt, dass immer mehr Ackerränder mit Wildblumen bepflanzt werden.“

„Man kann es nicht jedem recht machen“

Doch es gibt auch Hausbesitzer, die Kies, Pflaster und Schotter eben modern und schick finden. Markus Jankowiak zum Beispiel. Er sagt: „Man kann es nicht jedem recht machen. Aber die Steingärten liegen jetzt im Modetrend.“

In seinem Vorgarten im Neubaugebiet am Klockenberg liegen dicke Findlinge auf feineren Steinen. Darunter befinden sich mehrere Drainage-Schichten und wurzelfeste Folie. Vier Palmen haben sich die Jankowiaks dort gepflanzt. In einer der Palmen schaukelt ein Meisenknödel.

Markus Jankowiak und seine Bulldogge Artos mögen Steine. "Das ist jetzt der Modetrend", sagt Jankowiak.

Markus Jankowiak und seine Bulldogge Artos mögen Steine. "Das ist jetzt der Modetrend", sagt Jankowiak. © Niehaus

„Viele Leute haben den ganzen Tag Zeit. Aber wir sind berufstätig und viel unterwegs. Meine Eltern sind schon älter und schaffen keine lange Gartenarbeit mehr“, begründet der 48-Jährige seine Gartengestaltung. Seine Eltern wohnen in der Haushälfte nebenan.

Jankowiak ist stolz darauf, dass nur wenig Unkraut zwischen den Steinen wächst. Einen Hochdruckreiniger braucht er nicht.

„Wenn hier etwas wächst, kann man es ganz leicht herauszupfen“, erklärt er und zieht ein Stückchen Unkraut heraus, das sich hervorgewagt hat. Prompt wirft sich Artos, die französische Bulldogge, begeistert auf das grüne Fetzchen und spielt damit.

Grüne Bodendecker wachsen auf dem Garagendach

Auch hinten im Garten ist alles eher streng und ordentlich gehalten. „Ich kann hier flott mit dem Rasenmäher drüberfahren und habe wenig Stress“, erklärt Markus Jankowiak. Ein Metallzaun mit einer Kunststoffbeschichtung schützt das Grundstück vor den Blicken der Nachbarn.

Allerdings hat Jankowiak am Zaun entlang eine Hecke gepflanzt. „Das sind insgesamt 76 Lebensbäume. Wenn die Hecke etwas größer geworden ist, werden hier auch sicher Vögelchen nisten können“, sagt er.

Eine Hecke vor oder hinter dem Metallzaun ist eine Alternative zu "nur" einem Metallzaun.

Eine Hecke vor oder hinter dem Metallzaun ist eine Alternative zu "nur" einem Metallzaun. © Martina Niehaus

Jankowiak ist der Meinung, dass er genug Grün für die Natur im hinteren Teil des Gartens habe. „Wenn das nicht jedem gefällt, kann ich es auch nicht ändern“, sagt er. „Das ist nun mal unser Geschmack.“

Sein Ausgleich für Insekten, erklärt der Dachdeckermeister, sei sein Garagendach. „Das habe ich nämlich begrünt“, erklärt er stolz. „Im Frühling wachsen auf meinem Gründach Bodendecker, die blühen. Dazwischen wachsen schöne kleine, zierliche Pflanzen. Also haben die Insekten auch bei mir was zu futtern“, sagt Jankowiak und lacht.

Sein Garagendach hat der Dachdeckermeister Markus Jankowiak begrünt. "Hier gibt es im Frühling und Sommer auch Insektenfutter", sagt er.

Sein Garagendach hat der Dachdeckermeister Markus Jankowiak begrünt. "Hier gibt es im Frühling und Sommer auch Insektenfutter", sagt er. © Martina Niehaus

Selmer Grüne wollen Steingärten verbieten

Wer hat nun recht? „Gute Idee“, sagen die einen. „Geschmackssache“, die anderen. Und wieder andere schimpfen: „Öde Steinwüste“. Dass es sich wohl doch um mehr handelt als nur um verschiedene Geschmäcker, erkennt man an den politischen Diskussionen, die mittlerweile geführt werden. So hat es in mehreren Städten bereits Vorstöße gegeben, steinerne Vorgärten zu verbieten - zum Beispiel in Dortmund, Lünen oder Schwerte.

Auch in Selm hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen jetzt einen Antrag gestellt, mit dem sie die „Steinzeit“ in den Vorgärten der Stadt Selm beenden möchte.

„In der Stadt Selm macht sich ein unübersehbarer Trend breit, der nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Ökologie unserer Stadt negativ beeinflusst: Die Verödung unserer Vorgärten. Immer mehr Hecken und Grünflächen werden durch ökologisch völlig wertlose Kies- und Schotterflächen ersetzt“, heißt es in dem Antrag, der zur Vorberatung im Ausschuss für Umwelt und Zivilschutz am 5. März und in der Ausschusssitzung (Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaftsförderung) am 7. März vorgelegt wird. Beide Sitzungen sind öffentlich und beginnen jeweils um 17 Uhr im Feuerwehrhaus Selm, auf der Geist 2.

„Wir schimpfen immer auf die Landwirtschaft, aber jeder kann etwas tun“

Die Selmer Grünen fordern in dem Antrag, bei künftigen Bebauungsplanverfahren folgende Regelungen festzusetzen: Vorgärten müssen mit Vegetation begrünt werden, befestigte Flächen sind nur für die erforderlichen Zufahrten- und Wege zulässig und die „flächige Gestaltung der Vorgärten mit Materialien wie z.B. Schotter und Kies“ ist unzulässig.

Fraktionsvorsitzende Marion Küpper sagt dazu auf Anfrage: „Wir schimpfen immer auf die Landwirtschaft - ich ja auch - aber jeder kann doch im Kleinen dazu beitragen, dem Klimawandel und dem Insektensterben Einhalt zu gebieten.“ Sie bedauert, dass sich das Bewusstsein der Menschen geändert habe. „Früher fanden die Leute Blumen und blühende Gärten schön, heute mögen sie diese ordentlichen Steingärten.“ Deshalb möchte sie ihren Antrag im Ausschuss vorstellen: „Ich möchte darüber diskutieren und hoffe, dass der Antrag Zustimmung findet.“

Denn durch Steigärten reduziere sich nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch der Mensch sei betroffen: „Kiesflächen heizen sich in der Sonne wesentlich stärker auf als der von Pflanzen beschattete Erdboden, wodurch das Mikroklima nachteilig beeinträchtigt wird.“

In welchen weiteren Kommunen in NRW solche Verbote bereits beantragt wurden, kann die Landespartei nicht beantworten. Pressesprecher Oliver Koch sagt dazu auf Anfrage: „Ich habe leider keine Übersicht über die Häufigkeit von Anträgen Grüner Kommunal-Fraktionen zu dem Thema. Es haben mich aber in den vergangenen Wochen mehrere Berichte zu diesem Thema erreicht.“ Auf Landesebene seien Vorgärten bislang nicht thematisiert worden.

„Die ältere Generation hat gerne Unkraut gezupft. Die Zeiten sind vorbei“

Raphael Merten (52) von der Baumschule Merten hält nichts davon, den Menschen vorzuschreiben, was sie auf ihren Grundstücken machen. „Vorgärten aus Stein verbieten, wie es die Grünen wollen, das finde ich nicht gut.“ Persönlich würde der Gartenbauer eher einen schönen Vorgarten pflanzen. „Aber selbst die jungen Leute wollen heute mehr Freizeit haben. Die ältere Generation hat gerne zwischendurch im Garten Unkraut gezupft; diese Zeiten sind vorbei.“

Tipps vom Gartenbauer
  • In den letzten Tagen sind die Temperaturen gestiegen, und vielen juckt es schon in den Fingern. Blumenpflanzen steht auf dem Programm. Doch Achtung: Nachts ist es noch empfindlich kalt.
  • „Tagsüber haben wir 17 Grad, nachts friert es aber noch“, warnt Gartenbauer Raphael Merten übereifrige Blumenfreunde. Besonders auf Terrassen und Balkonen sollte man Vorsicht walten lassen: „Kübelpflanzen sind da sehr epfindlich. Primeln würde ich deshalb noch nicht pflanzen. Ich empfehle Narzissen und Krokusse, die vertragen auch Temperaturen um den Gefrierpunkt“, sagt der 52-Jährige.
  • Wer die Pflanzen allerdings in den Garten setzt, kann schon mehr wagen: „In der Erde sind die Pflanzen weniger frostempfindlich.“
  • Was man auf jeden Fall schon machen kann, ist, mit dem Obstbaumschnitt zu beginnen. „Das ist jetzt genau die richtige Zeit, um die Obstbäume zu schneiden“, sagt Raphael Merten.

Merten kennt den Trend, immer mehr auf Stein und Schotter als auf Pflanzen zu setzen. „Vor zwei Jahren war das richtig angesagt. Ich rate den Leuten aber immer, wenigstens ein paar blühende Blumen hineinzusetzen, damit da Leben herrscht. Sonst sieht das ja auch alles sehr monoton aus.“

Vorgärten und Gärten sind „gärtnerisch“ zu gestalten. Was heißt das?

Verbotspläne hatte es bis zum Antrag der Grünen-Fraktion bislang nicht in Selm gegeben, wie Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage unserer Zeitung vor kurzem noch erklärt hatte: „Grundsätzlich ist in der Bauordnung NRW festgehalten, dass nicht überbaute Flächen, also Vorgärten und Gärten, gärtnerisch zu gestalten sind.“ Dies sei natürlich sehr allgemein gehalten. „Wenn eine Kommune ,Steingärten‘ verbieten möchte, dann muss sie hierfür eine Satzung erlassen. Einige Kommunen haben dies bereits getan. In Selm gab es bisher keine Überlegungen, eine solche Satzung zu erlassen“, sagte der Stadtsprecher vor wenigen Wochen. Das hat sich jetzt geändert.

In den Bebauungsplänen würden in Selm entsprechende Vorgaben gemacht, wie Gärten anzulegen sind. Hierbei sei jedoch, zum Beispiel beim Baugebiet am Klockenberg, „der Individualität noch genügend Spielraum“ gegeben worden.„Nach Ansicht der Stadtverwaltung sind auch die meisten Bauherren bestrebt, ihr eigenes Umfeld grün zu gestalten“, sagt Woesmann.

Dorothee Beck geht das alles noch nicht weit genug. „Ich sehe hier in der Stadt immer mehr solcher Vorgärten, in denen große Flächen zugepflastert oder mit Steinen zugeschüttet sind. Oder man hat so Zäune aus Metall, die dann mit einer grünen Plastikfolie bespannt worden sind.“ Solche Zäune sind tatsächlich häufig im Baugebiet am Klockenberg zu finden. Gerade in den Neubaugebieten ist dieser Trend zu erkennen.

Hier ist nix echt: Metallzäune mit aufgedruckter Heckendeko sind kein schöner Hingucker. Und Vogelnester wollen hier so gar keinen Halt finden.

Hier ist nix echt: Metallzäune mit aufgedruckter Heckendeko sind kein schöner Hingucker. Und Vogelnester wollen hier so gar keinen Halt finden. © Martina Niehaus

Man müsse Hausbesitzer deshalb offensiver dazu bringen, Bäume und Hecken zu pflanzen, glaubt Dorothee Beck. „Dahinter können sie dann ja noch einen Zaun anbringen, wenn sie unbedingt möchten.“ So ähnlich wie Markus Jankowiak es gemacht hat.

Sichtbare Einfriedungen „nur durch Laubholzhecken“

Zu diesem Punkt gibt es bei der Stadt Selm immerhin jetzt schon Vorgaben für die Hausbesitzer: Beim bereits bestehenden Baugebiet „Wohnquartier am Friedhof“ ist laut Information der Stadt festgesetzt worden, „dass sichtbare Einfriedungen nur durch Laubholzhecken vorgenommen werden dürfen“. Für das neue Baugebiet am Auenpark werde es zudem „weitere Festsetzungen für Gärten und Vorgärten geben“, erklärt Stadtsprecher Malte Woesmann.

Grün geht auch auf dem Dach
  • Weil vor allem in Neubaugebieten Platz für Grünflächen rar ist, glaubt Dachdeckermeister Markus Jankowiak, dass Gründächer eine gute Idee sind - zum Beispiel auf Garagen, Anbauten oder Gartenhütten.
  • Jankowiak unterscheidet dabei zwischen extensiver und intensiver Flachdachbegrünung.
  • Bei der extensiven Begrünung werden vor allem Moose, Kräuter und Gräser gepflanzt, die sich selbst überlassen bleiben können und wenig Pflege brauchen.
  • Intensive Begrünung bedeutet, dass man sich das Jahr über um die Begrünung kümmern und sie wässern muss. Dann können auch höhere Stauden und sogar Bäume gepflanzt werden.
  • „Grün auf dem Dach zahlt sich aus, es sieht gut aus und verbessert auch das Klima. Die Pflanzen produzieren Sauerstoff und dienen als Feinstaubfilter“, erklärt Jankowiak.

Ob die Grünen mit ihrem Antrag Erfolg haben werden, steht noch nicht fest. Wer sich über Insekten und den Gesang von Vögeln freut, kann sich jetzt im Frühling von den Tipps, die Dorothee Beck und Birgit Königs geben, inspirieren lassen. Und wer noch Platz auf dem Garagendach hat, kann es machen wie Markus Jankowiak - und einen Picknickplatz für Bienen und Co. dann eben eine Etage höher anbieten.

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Tipps für naturnahe Gartengestaltung
  • Kleine Steinmauern, Laub- und Totholzhaufen bieten Igeln und anderen Kleintieren im Winter Schutz. Und: man muss das Laub nicht aufsammeln. „Ein Garten muss nicht immer aufgeräumt sein“, findet Dorothee Beck. „Wenn man Laub und Geäst einfach in bestimmten Ecken liegen lässt, sind das sehr nützliche Nischen.“
  • Eine Kräuterschnecke aus Natursteinen sieht gut aus, und ihr Inhalt schmeckt lecker: „In unserer Kräuterspirale wachsen Thymian, Oregano, Pimpinelle, Currykraut, Ysop, Brunnenkresse, Bergminze, Kerbel und Bohnenkraut“, zählt Dorothee Beck auf.
  • Essbare Blüten schmecken Insekten - und sie bereichern jeden grünen Salat, weil sie einfach gut aussehen: Kapuzinerkresse, Ananassalbei, verschiedene Minzen, Nachtkerze, Schafgarbe, Malven, Kornblume, Leinkraut, Cosmea und Veilchen gehören dazu.
  • In den Blumenbeeten setzt die Familie aus Selm auf blühende Bodendecker anstatt auf Mulch oder Kies. „So wird der Garten schön pflegeleicht, das Unkraut wird unterdrückt und es hält den Boden feucht.“ Die blühenden Teppiche locken Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Geeignete Bodendecker sind Rasenkamille, Polsterthymian, kleinblättriges Immergrün, Phlox, Goldbeere, Sternmoos, Storchenschnabel, Glockenblume, Gedenkemein, Mauerpfeffer und Walderdbeeren.

  • Es muss kein großer Gartenteich sein: Schon kleine Wasserflächen sind ein Anziehungspunkt für Insektenarten, Molche, Vögel, Libellen und Wasserkäfer. „Im Sommer baden hier viele Vögel, und sogar Enten haben uns besucht“, erzählt Dorothee Beck.
  • Was Bäume und Sträucher betrifft, gibt es viele Sorten, die nicht nur gut aussehen, sondern später auch noch Früchte tragen: Himbeeren, Brombeeren, Apfel- und Kirschbäume, Wildrosen, Kornelkirsche, Hasel, Kastanie, Schmetterlingsflieder, Fingerstrauch, wilder Wein, ungefüllte Kletterrosen und Geißblatt sind gut geeignet für den naturnahen Garten.
  • Dorothee Becks und Birgit Königs haben einen wichtigen Tipp für den Blumenkauf im Frühjahr: „Wichtig ist es, keine gefüllten Blütenpflanzen zu kaufen“, sagt Königs. Da werden nämlich die Staubblätter und Fruchtknoten weggezüchtet und in Blüten umgewandelt. Diese Blumen sehen hübsch aus, sind aber ökologisch völlig wertlos.“
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