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Den ganzen Körper heilen

Osteopathie

Vertreter der ganzheitlichen Medizin forschen nach der Ursache einer Krankheit und bekämpfen Symptome so an ihrer Wurzel. Auch die Osteopathie fällt in diesen Bereich. Prof. Marina Fuhrmann M.Sc. (USA), Vorsitzende des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD), erklärt, worin die Vor- und Nachteile der selten in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Behandlungsmethode liegen.

24.02.2015, 14:27 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Osteopath arbeitet nur mit seinen Händen.

Ein Osteopath arbeitet nur mit seinen Händen.

Was bedeutet Osteopathie? Die Osteopathie ist eine Form der Medizin, die nur mit den Händen ausgeführt wird.

Was beinhaltet eine osteopathische Behandlung? Nach ausführlicher Anamnese (Befragung und Erhebung) erfolgen Diagnose und Therapie ausschließlich mit den Händen. Der Osteopath kann bei der Untersuchung das menschliche Gewebe Schicht für Schicht ertasten und fühlen (palpieren). So spürt er Bewegungseinschränkungen und Spannungen auf. Das Palpieren ist die Grundlage der osteopathischen Diagnostik und Behandlung. Die Hände der Osteopathen sollen durch die bloße Berührung und behutsamen Druck nicht nur die Beschaffenheit, die Temperatur, Spannung, Beweglichkeit der Haut erkennen, sondern auch das darunter liegende Gewebe, die Muskeln, Bänder, Faszien, Knochen und inneren Organe erkunden.

Osteopathie beschränkt sich nicht auf die Behandlung einzelner Symptome und Krankheiten, sondern geht der Frage nach Gesundheit nach und sieht den Menschen als Ganzes. Eine osteopathische Behandlung dauert zwischen 30 und 50 Minuten.

Der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen lang reagieren, das heißt, es kann beispielsweise zu einer kurzfristigen Verschlimmerung der Beschwerden kommen. Jede neue Therapiesitzung wird individuell auf die Symptome des Patienten abgestimmt. Nach viermaliger osteopathischer Behandlung wird häufig eine Besserung der Beschwerden zu verzeichnen sein. Der genaue Verlauf ist jedoch vom Einzelfall abhängig.

Wem ist eine osteopathische Behandlung zu empfehlen? Osteopathie ist in allen Altersgruppen gefragt. Die Behandlung hilft nicht nur bei Gelenk- und Skeletterkrankungen, sondern auch bei diversen anderen Funktionsstörungen. Osteopathie hat sich unter anderem bei Beschwerden am Bewegungsapparat, im internistischen, urogenitalen und Hals-Nasen-Ohren-Bereich sowie der Kinderheilkunde bewährt. Bei Infektionen sollte Osteopathie nicht angewendet werden, da sich die Infektion noch weiter im Körper verbreiten könnte.

Was versteht man unter ganzheitlicher Medizin? Wir Osteopathen schauen auf alle Systeme des Körpers, da sie nur als Einheit funktionieren: Knochen, Muskeln, Sehnen, innere Organe, die Bewegungen des Blut- und Lymphstroms und auch hormonelle Regelkreise. Zum Beispiel kann hinter dem Knieschmerz einer Frau ein gynäkologisches Problem stecken, das wiederum gleichzeitig Probleme in der Schulter macht. Osteopathen sehen sich die Verbindungen an, in der Osteopathie wird der Mensch als Ganzheit greifbar.

Hat jeder den Anspruch auf eine solche Behandlung? Osteopathie ist keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Seit Inkrafttreten des Versorgungsstrukturgesetzes Anfang 2012 haben jedoch mehr als 100 Kassen die anteilige Kostenerstattung für Osteopathie als freiwillige Leistung übernommen. Dies wiederum hat die Nachfrage nach osteopathischer Behandlung nochmals verstärkt.

Umso wichtiger ist aus Sicht des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD) als dem mitgliederstärksten und ältesten Fachverband in Deutschland, dass der Beruf des Osteopathen gesetzlich verankert und damit eine Qualitätssicherung im Sinne der Patienten herbeigeführt wird. Jeder sollte sich vor der Behandlung bei seiner Kasse erkundigen, wie viel sie übernimmt und wie das Prozedere abläuft.

Zur Zeit läuft eine Unterschriftenaktion für die Eigenständigkeit des Berufswesens der Osteopathen. Weshalb wird das Berufsfeld als so wichtig angesehen? Die Zahl der Osteopathen in Deutschland steigt seit Jahren ständig, Praxen verzeichnen großen Zulauf und eine zunehmende Nachfrage nach der ganzheitlichen Medizin. In zunehmendem Maße ergänzen und entlasten Osteopathen das Gesundheitssystem sinnvoll; so zeigen erste Langzeiterhebungen von Krankenkassen, dass Osteopathie dabei hilft, bis zu 50 Prozent der Kosten an Heil-, Hilfs-, Arzneimitteln und Krankenhauskosten einzusparen. Eine aktuelle Übersichtsstudie zeigt zudem die positive Wirkung von Osteopathie bei Rückenschmerzen. Dies verdient insbesondere vor dem Hintergrund des Hausärztemangels, vor dem erst kürzlich der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, gewarnt hat, besondere Beachtung.

Der Osteopath kann aufgrund seiner umfassenden breiten medizinischen Ausbildung im Sinne der Differenzialdiagnostik einen wichtigen Beitrag für die Patientenversorgung leisten, hat großes Potenzial und braucht daher im Sinne des Patientenschutzes einen eigenständigen Beruf.

Woran erkenne ich, zu welchem Osteopathen ich gehen sollte? Auf der Internetseite des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD) unter www.osteopathie.de oder in der Geschäftsstelle des Verbandes unter der Telefonnummer (0611) 58 08 97 50 können Interessierte Therapeutenlisten nach Postleitzahlen abfragen. Hierauf sind nur diejenigen Osteopathen verzeichnet, die eine mindestens vierjährige Ausbildung absolviert haben und sich ständig weiter qualifizieren.

www.osteopathie.de

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