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Die coolen Seiten der Stadt

Region Zukunft

Kein Brandenburger Tor, keine Landungsbrücken und auch kein Marienplatz. Macht nichts. Dortmund boomt trotzdem. Über 1,4 Millionen Gäste-Übernachtungen sprechen für sich.

29.10.2019, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die coolen Seiten der Stadt

In der Anlaufstelle für Gäste, der Tourist- Information an der Kampstraße, beraten Elke Pollakowsky (l.) und Juliane Rückert eine Kundin. © Stephan Schuetze

Dortmunds Touristiker erwarten auch 2019 wieder ein neues Rekordjahr. Allein im Juli gab’s bei den Übernachtungen ein Gästeplus von knapp zehn Prozent. Da jagten mehr als 150.000 Besucher beim Pokémon-Go-Fest mit ihren Smartphones virtuelle Fantasiewesen. 107 der Jäger hatten die mit Abstand weiteste Anreise: Neuseeland und Ozeanien. Das waren 70 Gäste mehr von der anderen Seite des Globus als 2018. Dortmund spricht sich herum.

Der Evangelische Kirchentag bescherte der Stadt im Juni ein Übernachtungsplus von 7,7 Prozent. 121.000 Besucher reisten dazu in die Westfalenmetropole, in der in den letzten Jahren 300 Hotelbetten dazukamen. Noch einmal 500 Betten sind in den nächsten vier bis fünf Jahren geplant, und dann werden in Dortmund insgesamt 8000 Gästebetten stehen.

Gut gefüllt sind sie allerdings nur, wenn Touristen und Geschäftsleute anlassbezogen anreisen. Das heißt: Für den Business-Gast ist eine große Tagung, ein Seminar oder eine Messe in den Westfalenhallen Anlass zum Stadt-Besuch, für den Freizeit-Besucher sind es Spiele des BVB, Mega-Events oder besondere Ausstellungen in den Museen.

Gäste aus über 50 Ländern

Aus über 50 Ländern weltweit reisten Gäste nach Dortmund zwischen Januar und Juli, so die neuesten Zahlen. Und die mit weitem Abstand meisten informieren sich vorab im Internet über ihr Reiseziel. 92 Prozent aller Anfragen würden heute im Internet abgegriffen, sagt Sigrun Späte. Für die Sprecherin von Dortmund-Tourismus und Geschäftsführer Matthias Rothermund liegt hier der Schlüssel zur Zukunft.

Während die analoge Anlaufstelle Tourist-Information an der Kampstraße 80 in Dortmunds City nur noch selten eine Überfüllung erlebt, steigen die Klicks auf der neuen, im Magazin-Design gestylten Website der städtischen Marketing-Strategen. Ihr Know-how wollen sie an alle Partner von Dortmund-Touristik weitergeben, um das Netzwerk größer zu spinnen. Data Hub heißt das neudeutsche Zauberwort.

Es meint nichts anderes als eine Sammlung von Daten aus mehreren Quellen, die zum Verteilen, Freigeben und häufig zum Untergruppieren organisiert wird. Konkret: Wenn zum Beispiel ein Bier-Event in der Stadt ansteht, das den Hopfensaft feiert, für den Dortmund einst weltberühmt war, könnten sich vor Ort gleich mehrere Organisatoren zusammenschließen und ihre Angebote auf einer gemeinsamen Werbeplattform in allen gängigen sozialen Netzen kundtun. Angefangen vom Bierfest am U-Turm über den Besuch des Brauereimuseums bis zum Brauseminar und der Verkostung mit einem Bier-Sommelier. Daraus könnte ein rundum gelungenes Wochenende werden, zu dem ganz gezielt erneut viele Gäste anreisen.

Die coolen Seiten der Stadt

Dortmund lockt viele Gäste an. © Marcus Retkowietz - stock.adobe.com

„Wir müssen Auslöser schaffen für eine Reise“, sagt Sigrun Späte. Und je weniger einzelne Veranstalter ihr eigenes Süppchen kochen, je größer gemeinsam organisierte und beworbene Events werden, desto mehr Reichweite erhalten sie – so die Rechnung der Touristiker.

Damit sie aufgeht, werden sich die Strukturen innerhalb der Reise-Strategen grundlegend ändern. Nicht das Warten auf den nächsten Besucher soll weiter tonangebend sein, sondern Dortmund-Touristik geht gezielt via Internet auf potenzielle Besucher zu und erreicht dank Influencer, Blogs, Insidertipps, Interviews, Videos, Fotoimpressionen und etlichem mehr eine völlig andere Reichweite als früher.

Wenn auch der BVB, der Westfalenpark und die vielseitige Museenlandschaft in der Stadt geradezu touristische Selbstläufer sind, so machen Späte und Rothermund neue, hippe Ziele aus, die Gäste von auswärts nicht zwingend in Dortmund vermuten würden. Als Beispiel nennen sie den Komplex des ehemaligen riesigen Stahlkocher-Areals Phoenix-West und Phoenix-See. Mit der Warsteiner Music Hall und dem Sky-Walk sei Phoenix-West ein cooles Areal auch für junge Besucher geworden, schwärmt Sigrun Späte.

Überhaupt das industrielle Erbe: Die Stadt kann noch bis weit in die Zukunft einen Benefit daraus ziehen. Wer zurückkommt von einer Besichtigung der Zeche Zollern in Bövinghausen ist schon mal regelrecht geflasht: „Diese Architektur hätte ich niemals erwartet“, hören Dortmunds Touristiker dann oft.

www.visit.dortmund.de