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Die grüne Überraschung

Region Zukunft

Kommen Gäste von auswärts erstmals nach Dortmund, reiben sich die meisten die Augen: Sie hätten ja keine Ahnung gehabt, wie grün die Stadt sei.

29.10.2019, 10:49 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die grüne Überraschung

Wandern mitten durch saftiges Grün vor alter Industriekulisse: Das ist in Dortmund an vielen Stellen möglich, nicht nur wie hier entlang der Emscher im Stadtteil Mengede. © Stephan Schuetze

Selbst 32 Jahre nach der letzten Zechenschließung in Dortmund rechnen viele Fremde offenbar noch mit einer Hügellandschaft schwarzer Kohlehalden, wenn sie zu Besuch sind. Vor drei Jahren kürte eine Berliner Tageszeitung Dortmund gar als zweitgrünste Großstadt Deutschlands – in der Kategorie mehr als 500.000 Einwohner. Nach Hamburg. Laut amtlicher Angaben sind etwa 47 Prozent des Stadtgebietes als Freiraum ausgewiesen. Nach den Auswertungen der Tageszeitung waren es sogar 70,7 Prozent. Für die Erhebung wurden Satellitenbilder von 79 Großstädten in Deutschland untersucht und verglichen.

„Kommunen für biologische Vielfalt“

2012 war Dortmund Gründungsmitglied der Initiative „Kommunen für biologische Vielfalt“. Vor Kurzem erhielt die Stadt beim bundesweiten Wettbewerb „StadtGrün naturnah“ die Auszeichnung in Silber. Bei der Förderung der Vielfalt sorgt die Stadt an vielen Stellen für insektenfreundliche Grünflächen – zum Beispiel durch Pflanzung heimischer Baumarten oder die Anlage von Blühwiesen.

Man könnte es jetzt Zahlen rieseln lassen wie Bäume Blätter, aber nur zum Verständnis: Grün ist nicht gleichbedeutend mit Wald- oder Parkflächen. Zu den vielen sogenannten Freiflächen in der Stadt zählen auch landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzte Flächen, Gewässer, Friedhöfe, Spiel- und Sportplätze sowie Straßenbäume entlang des dichten Verkehrswegenetzes. So führt die Deutsche Alleenstraße quer durch Dortmund, und damit durch eine Stadt, in der es bereits drei Bundesgartenschauen gab: 1959, 1969 und 1991. Der größte Park ist – Dortmunder wird es wenig wundern – der rund 70 Hektar große Westfalenpark. Der beliebteste ist der Botanische Garten Rombergpark mit einer der größten und interessantesten Gehölzsammlungen Europas.

Stürme und Trockenheit

Apropos Bäume: Der Stadtwald mit einer Gesamtgröße von über 2500 Hektar besteht aus 411 einzelnen Waldflächen und hat ganz schön gelitten unter den heftigen Stürmen der letzten Jahre, der anhaltenden Trockenheit und der daraus resultierenden Vermehrung von Waldschädlingen wie Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner. Fast 90 Prozent des Waldes bilden Laubhölzer. Mit einem Flächenanteil von 35 Prozent ist die Buche die führende Baumart, gefolgt von Eiche (19 Prozent) und Roteiche (9 Prozent). Die Lärche führt innerhalb des kleinen Anteils von Nadelhölzern, gefolgt von Kiefer und Fichte.

Was aber tut die Stadt Dortmund zur Erhaltung des Waldbestandes? Was für die ökologische Vielfalt? Wie sieht es aus mit dem Artenschutz vor Ort? Welche Projekte gibt es? Welche Verbesserungen sind beim öffentlichen Grün geplant?

Nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung

Der Stadtwald werde vom Umweltamt nachhaltig und naturnah bewirtschaftet, so Stadtsprecher Christian Schön. Er nennt als Beispiele die Förderung und Verjüngung des Waldes durch natürlichen Samenfall, das Anpflanzen junger Bäume, die Pflege der Waldbestände in Form von Durchforstungen, um die Vielfalt und Stabilität der Einzelbäume zu erhöhen, und die Kalkung der Böden zum Kompensieren saurer Niederschläge.

Die grüne Überraschung

Die Erholung beginnt an vielen Orten in Dortmund direkt vor der Haustür – hier auf einer Wanderung durch den Rahmer Wald im Jungferntal. © Stephan Schuetze

Die Vorgabe zur Pflege der Wälder hat der Rat der Stadt Dortmund bereits im Jahr 1993 in Form eines ökologisch orientierten Waldpflegeprogramms beschlossen. Im Programm sind neue Grundsätze zur naturnahen Waldpflege festgeschrieben, zum Beispiel die Förderung der Naturverjüngung, Begründung von Mischbeständen, Kahlschlagverzicht, bodenschonende Holzernte, Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden und die Erhaltung von Totholz. Absterbende oder tote Bäume werden im Wald belassen, wenn Sie von höhlenbrütenden Vögeln, Fledermäusen oder Insekten bewohnt werden. Die Forst-Experten im Umweltamt haben fünf Prozent der Stadtwald-Fläche von der aktiv Waldbewirtschaftung ausgenommen, damit sich dort die natürliche Altersphase des Waldes einstellen kann.

„Flächenzuwächse in den kommenden Jahren“

Im Tiefbauamt sieht man keinerlei Gefährdung des städtischen Grüns, im Gegenteil: „In den kommenden Jahren werden nicht unerhebliche grüne Flächenzuwächse zu verzeichnen sein, zum Beispiel durch die Westfalenhütte“, heißt es. Gemeint ist das riesige Gelände der früheren Hütte, die als Wiege der Hoesch AG galt, im Nordosten der Stadt. 33 Hektar der knapp 70 Hektar großen überplanten Fläche sind für die Grünentwicklung vorgesehen. Bei der Entwicklung der Gesamtfläche als Gewerbe- und Wohnstandort werden geschützte Arten umgesiedelt und neue Ausgleichsflächen geschaffen.

Das Tiefbauamt kümmert sich um rund 150.000 Straßenbäume in Dortmund. Als Verbesserungen beim öffentlichen Grün sind geplant:

  • Optimierung von Baumstandorten
  • Erprobung von sogenannten Zukunftsbäumen, zum Beispiel im Rombergpark, aber auch auf dem Hauptfriedhof
  • Das Pflanzen von mehr Bäumen entlang der Straßen, auch um das Klima der Stadt abzukühlen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern
  • Förderung der Artenvielfalt, unter anderem durch mehr ökologische Aufwertung der verschiedenen Grünanlagen und Parks.