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Endlich wieder gut schlafen

Behandlungen

Der eine wälzt sich stundenlang im Bett hin und her und findet keine Ruhe. Der andere hat das Gefühl, ausreichend geschlafen zu haben – und fühlt sich trotzdem am Morgen wie gerädert. Schlafstörungen haben viele Gesichter und Ursachen. Schlafmediziner Prof. Kurt Rasche spricht über Behandlungsmöglichkeiten.

09.09.2014, 16:35 Uhr / Lesedauer: 3 min
Für guten Schlaf müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Das Schlafzimmer sollte dunkel sein, die Schlafzeiten einem festen Rhythmus folgen.

Für guten Schlaf müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Das Schlafzimmer sollte dunkel sein, die Schlafzeiten einem festen Rhythmus folgen.

Wenn die Beine zucken
› Hinter dem Restless-Legs-Syndrom verbergen sich periodische Beinbewegungen, die sich im Schlaf feststellen lassen. „Meist ist es bei älteren Menschen der Fall, dass sie Zuckungen in den Beinen haben und dadurch der Schlaf gestört ist. Das ist gar nicht so selten, fast schon eine Volkskrankheit“, sagt Prof. Rasche.
› Vor einer Therapie müssen zunächst die Ursachen geklärt werden. „Oft ist es Blutarmut oder Eisenmangel, das lässt sich durch eine Blutuntersuchung schnell herausfinden und durch eine Medikation verbessern“, erklärt der Experte. Auch Vitaminmangel, Folsäure oder Vitamin B12 können fehlen. Diabetiker oder Patienten mit chronischen Lungen- oder Nierenerkrankungen litten ebenfalls häufig am Restless-Legs-Syndrom. „Da muss die Grunderkrankung behandelt werden.“ › Wenn das nicht ausreicht, gibt es bestimmte Substanzen, mit denen man das Syndrom behandeln kann. „Das Problem: Leider gewöhnt sich der Körper an diese Medikamente, so dass immer wieder gewechselt werden muss.“

Wenn eine Einschlafstörung vorliegt, kann man den Schlafdruck erhöhen. Betroffene sollten erst ins Bett gehen, wenn Müdigkeit eintritt. Viele Menschen gehen leider sehr zwanghaft vor, legen sich früh ins Bett und bekommen die Krise, weil sie nicht einschlafen können. Da wäre es besser, vielleicht zwei Stunden später ins Bett zu gehen und dafür kürzer zu schlafen, um eine höhere Schlafeffizienz zu haben.

Nicht quälen, sondern aufstehen und irgendetwas machen. Wäsche bügeln, lesen, nur nicht grübeln und im Bett liegen bleiben. Besser ist es, den schlechten Schlaf zu akzeptieren und damit umzugehen als auf Biegen und Brechen zu versuchen, von 22 Uhr bis 6 Uhr zu schlafen.

Bei Schlafstörungen gibt es zwei große Gruppen: Einmal die vermehrte Schlafneigung und Tagesmüdigkeit, Hypersomnie genannt. Das ist häufig die Gruppe der Patienten, die nachts auch Atemaussetzer haben, sprich Schlafapnoe. Und dann gibt es Patienten mit Einschlaf- und/oder Durchschlafproblemen, Insomnie genannt. Wenn eines dieser Symptome vermehrt anhält, also mehr als vier Wochen, kann man von einer krankhaften Schlafstörung ausgehen.

Wir messen den Schlaf der Patienten, also die Hirnströme, die Augenbewegungen und das Muskelpotenzial. Mit diesen Größen können wir die Schlafstärke festlegen.

Die genaue Zusammensetzung des Schlafes. Also was hat der Patient für Schlafstadien, wie häufig ist er im Tiefschlaf oder im Traumschlaf? Wie häufig ist der Patient wach? Zusätzlich werden im Schlaflabor Herz-Kreislauf- und Atmungsparameter gemessen, also Herzfrequenz, Pulsfrequenz, teilweise Blutdruck. Außerdem messen wir Atemausschläge und Atemstörungen oder Atemstillstände.

Genau. Schlafapnoe ist eine recht häufige Erkrankung, die gut behandelt werden kann. Die Standardtherapie ist eine Überdruckbeatmung durch eine Maske auf der Nase, die den Schlund aufdehnt. Es kommt bei der Schlafapnoe zu einem Kollaps der oberen Atemwege im Schlaf. Indem ich einen positiven Druck auf die Atemwege ausübe, kollabieren sie nicht mehr und es gibt keine Atemstillstände.

Man kann zum Beispiel sehen, wie gut der Patient einschläft. Wir können also messen, wie lange der Patient von der Wachphase bis zur ersten Tiefschlafphase braucht. Das sind bei einem gesunden Menschen etwa 20 Minuten. Zudem können wir sehen, ob der Patient mehrfach in der Nacht wach wird und den Anteil der Wachphasen im Verhältnis zur Gesamtschlafzeit erfassen, das nennen wir Schlafeffizienz. Und wir können sehen, ob der Patient Schlafstörungen hat wie zum Beispiel Narkolepsie.

Das sind quasi Schlafanfälle, die Patienten haben das Gefühl der vermehrten Schlafneigung. Bei Freude oder Angst kollabieren die Betroffenen plötzlich, weil die Muskelanspannung nachlässt. Diese Menschen haben häufig gleich zu Beginn des Einschlafens Traumschlaf. Eine symptomatische Therapie ist bei einer Narkolepsie möglich. Es gibt bestimmte Substanzen, die die Wachheit verbessern.

Es gibt eine große Menge an Schlafmitteln, die den Schlaf fördern. Aber letztlich ist die chemische Behandlung immer nur zweite Wahl. Zuerst sollten die Umstände verbessert werden. Dann müssen äußere Störungen wie beruflicher oder privater Stress berücksichtigt und möglichst abgebaut werden. Hilfreich können im Wachzustand durchgeführte Entspannungsübungen wie Yoga sein. Weiterhin gibt es psychische Ursachen für Schlafstörungen, zum Beispiel Depressionen, die behandelt werden müssen. Und nicht zuletzt gibt es sehr gute, nicht-medikamentöse Therapieverfahren, die den Schlafdruck im Sinne einer Verhaltenstherapie erhöhen.

Man versucht die Schlafeffizienz dadurch zu erhöhen, dass der Betroffene sich zunächst nur einen kurzen Zeitraum für Schlaf gönnt, in dem die Schlafdichte aber besonders hoch ist. Beispielsweise ist jemand gewöhnt, um 21 Uhr ins Bett zu gehen, kann aber nachts nicht schlafen und wacht morgens um 7 Uhr wie gerädert auf. Das könnte man verhindern, indem derjenige bis 0 Uhr aufbleibt und sich den Wecker auf 5 Uhr stellt. Damit wird der Schlafdruck bis 0 Uhr erhöht, und die meisten schlafen besser ein. Wenn derjenige um 5 Uhr den Wecker stellt, weckt er sich zwar in einer Schlafphase, hat in diesen fünf Stunden aber eine höhere Schlafeffizienz. Wenn eine Schlafeffizienz von 90 Prozent erreicht ist, gibt es eine halbe Stunde mehr. Durch diese Verhaltenstherapie optimiert man seinen Schlaf. Das lässt sich meist nicht allein durchführen, es ist unheimlich anstrengend, und man braucht eine Beratung. Denn der Schlafdruck wird am Tag natürlich enorm. Wichtig ist nur der Wille durchzuhalten. Die Erfolgsaussichten sind extrem gut.

Wenn die Beine zucken
› Hinter dem Restless-Legs-Syndrom verbergen sich periodische Beinbewegungen, die sich im Schlaf feststellen lassen. „Meist ist es bei älteren Menschen der Fall, dass sie Zuckungen in den Beinen haben und dadurch der Schlaf gestört ist. Das ist gar nicht so selten, fast schon eine Volkskrankheit“, sagt Prof. Rasche.
› Vor einer Therapie müssen zunächst die Ursachen geklärt werden. „Oft ist es Blutarmut oder Eisenmangel, das lässt sich durch eine Blutuntersuchung schnell herausfinden und durch eine Medikation verbessern“, erklärt der Experte. Auch Vitaminmangel, Folsäure oder Vitamin B12 können fehlen. Diabetiker oder Patienten mit chronischen Lungen- oder Nierenerkrankungen litten ebenfalls häufig am Restless-Legs-Syndrom. „Da muss die Grunderkrankung behandelt werden.“ › Wenn das nicht ausreicht, gibt es bestimmte Substanzen, mit denen man das Syndrom behandeln kann. „Das Problem: Leider gewöhnt sich der Körper an diese Medikamente, so dass immer wieder gewechselt werden muss.“

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