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Klinikreform in NRW ist dringend erforderlich

AOK-DigiTalk

Die Corona-Pandemie hat es deutlich bestätigt: Auch wenn eine Überlastung der Kliniken bislang verhindert werden konnte, die Krankenhauslandschaft in NRW muss dringend reformiert werden.

25.09.2020, 06:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Corona-Pandemie hat es deutlich bestätigt: Die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen muss dringend reformiert werden. Ziel wird es nun sein, neue Strukturen zu schaffen. Diese sollen den Patienten eine optimale Versorgung bieten, die sich an den tatsächlichen Bedarfen und der Behandlungsqualität orientiert.

Die Corona-Pandemie hat es deutlich bestätigt: Die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen muss dringend reformiert werden. Ziel wird es nun sein, neue Strukturen zu schaffen. Diese sollen den Patienten eine optimale Versorgung bieten, die sich an den tatsächlichen Bedarfen und der Behandlungsqualität orientiert. © AOK/hfr.

„Die aktuellen Erfahrungen haben gezeigt, dass es auf klare Zuständigkeiten und regional gut aufeinander abgestimmte Versorgungsaufträge ankommt. Der am Anfang der Pandemie oft zu hörende Rückschluss, dass eine hohe Krankenhaus- und Bettendichte ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Kampf gegen das Corona-Virus sei, hat sich nicht bewahrheitet. Der größte Teil der COVID-19-Patienten konnte ambulant versorgt werden. Schwere Verläufe wurden vorwiegend in spezialisierten Häusern mit Beatmungskompetenz behandelt“, sagte Johannes Heß, alternierender AOK-Verwaltungsratsvorsitzender und Arbeitgebervertreter.

Zusammen mit weiteren namhaften Experten aus dem Gesundheitswesen diskutierte Heß auf dem ersten virtuellen AOK-DigiTalk der AOK-Selbstverwaltung über Lösungen für eine zukunftsfähige und leistungsstarke Krankenhauslandschaft in NRW.

Strukturen sind überholt

Bereits lange vor der Corona-Krise stand fest: Die
Krankenhauslandschaft in Deutschland und NRW muss dringend reformiert werden. „Die Krankenhausstrukturen sind überholt. Die Spezialisierung der Medizin und neue Methoden erfordern eine personelle und technische Ausstattung, die kleine, nicht spezialisierte Grundversorger immer weniger vorhalten können. Im Interesse der Erhaltung der Qualität der Versorgung brauchen wir erhebliche Strukturanpassungen im Krankenhausbereich. Vor allem in den Ballungsgebieten ist daher eine Zentralisierung zur Schaffung adäquater Betriebsgrößen im Interesse der Patienten überfällig“, sagte Thomas Mansky von der TU Berlin.

Laumann kündigt Reformen an

Nordrhein-Westfalen hat das erkannt und will das ändern. „Das im letzten Jahr veröffentlichte Gutachten zur Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen hat ge-zeigt, dass die jetzige Form der Krankenhausplanung zu allgemein und zu wenig gesteuert ist. Außerdem hat sie die Versorgungsqualität nicht erhöht.

Deshalb wird derzeit durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen ein neuer Krankenhausplan erarbeitet. Demnach soll die Planung künftig nach medizinischen Leistungsbereichen und Leistungsgruppen erfolgen. Das Ziel ist, eine patienten- und bedarfsgerechte, gestufte, wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung durch Krankenhäuser sicherzustellen“, erklärte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW.

Weichen für mehr Qualität gestellt

Zustimmung dafür kam vom AOK-Vorstandsvorsitzenden Tom Ackermann: „Wir un-terstützen die Initiative des Landes, jetzt die Weichen für mehr Qualität in der Kran-kenhausversorgung zu stellen. Die neue Krankenhausplanung bietet die entschei-dende Grundlage, die dringend erforderliche Strukturreform anzugehen und sich künftig stärker am Versorgungsbedarf und an der Behandlungsqualität zu orientieren. Für planbare und komplizierte Eingriffe sollte eine Konzentration und Speziali-sierung erfolgen, um einen zielgerichteten ärztlichen und pflegerischen Personalein-satz zu gewährleisten, höhere Investitionsmittel je Krankenhausstandort bereitzustellen und höhere Qualitätsstandards zu sichern. Dabei ist wichtig, dass bei der Bündelung der Leistungen eine flächendeckende Versorgung auch in ländlichen Regionen weiterhin sicherzustellen ist.“

In den Händen von Spezialisten

Für Georg Keppeler, alternierender AOK-Verwaltungsratsvorsitzender und Versichertenvertreter ist wichtig, dass für eine flächendeckende Basis- und Notfallversorgung die Erreichbarkeit eine wichtige Rolle spiele. „Aber nicht jedes Krankenhaus vor Ort muss und kann alles abdecken. Komplizierte Eingriffe gehören in die Hände von Spezialisten“, so Keppeler. Dafür brauche es ein gestuftes und gut aufeinander abgestimmtes Leistungsangebot. In solchen Fällen müssten die Patienten auch mal etwas längere Fahrzeiten in Kauf nehmen, erhalten dann aber eine deutliche bessere Behandlung.

Krankenhäuser wollen aktiv mitgestalten

Seine Unterstützung im anstehenden Reformprozess hat auch Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, zugesagt: „Wir haben uns von Beginn an aktiv in den Krankenhausplanungsprozess in NRW eingebracht und werden diesen Prozess weiter aktiv mitgestalten. Eine nachhaltige Krankenhausplanung, wie wir sie fordern, muss sich am objektiven Versorgungsbedarf und den Bedürfnissen der Menschen in den Regionen orientieren.“

Regionale Vernetzung verbessern

Für eine regionale Vernetzung der Akteure warb Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Nicht nur die Pandemie führt es uns vor Augen: Wir brauchen eine dauerhafte Neuausrichtung unserer Krankenhäuser. Kernaufgabe muss sein, wieder ein gemeinsames, regionales Versorgungsbewusstsein zu schaffen und abgestimmte, trägerübergreifende Kooperationsstrukturen auf den Weg zu bringen.

Für eine patientengerechte, qualitativ hochwertige Versorgung brauchen wir regionale Vernetzung – nicht nur digital, sondern zu allererst im Denken und Handeln aller Beteiligten vor Ort.“