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Notaufnahmen der Krankenhäuser in Not

Integriertes Notfallkonzept

Viele Notaufnahmen der Krankenhäuser in Westfalen-Lippe sind überlastet. Immer mehr Patienten gehen dorthin oder rufen den Rettungsdienst über Notruf an, obwohl sie gar kein Notfall sind.

19.09.2018, 08:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diskutierten beim AOK-Tag in Dortmund, wie die Notfallversorgung in NRW verbessert werden kann (von links): Johannes Heß, Jochen Brink, Heike Gebhard, Peter Preuß, Georg Keppeler, Dr. Gerhard Nordmann, Prof. Dr. Wolfgang Greiner und Tom Ackermann.

Diskutierten beim AOK-Tag in Dortmund, wie die Notfallversorgung in NRW verbessert werden kann (von links): Johannes Heß, Jochen Brink, Heike Gebhard, Peter Preuß, Georg Keppeler, Dr. Gerhard Nordmann, Prof. Dr. Wolfgang Greiner und Tom Ackermann. © Kuschel/AOK/hfr.

All das führt zu überfüllten Ambulanzen, genervten Patienten, überfordertem Personal sowie unnötigen Krankenhausaufnahmen und Rettungsfahrten.

Gelöst werden könnte das Problem mit einem „integrierten Notfallkonzept“, das beim AOK-Tag der Selbstverwaltung in Dortmund von AOK-Vorstandschef Tom Ackermann vorgestellt wurde. „Mit dem von uns favorisierten Konzept sollen Patienten unterstützt werden und eine einheitliche Anlaufstelle im Krankenhaus erhalten“, sagt Ackermann. Dort entscheidet speziell ausgebildetes medizinisches Fachpersonal an einem gemeinsamen Tresen, ob es sich um einen Fall mit oder ohne Lebensgefahr handelt und leitet Patienten dann entsprechend in die stationären oder ambulanten Notfallstrukturen.

Abhängig vom Gesundheitszustand kann der Patient zur Akutbehandlung auch in die reguläre stationäre Versorgung verlegt oder in die vertragsärztliche Regelversorgung verwiesen werden. „Es muss uns endlich gelingen, zu einer besser abgestimmten und verzahnten Notfallversorgung zu kommen. Nur so haben Patienten Klarheit, an wen sie sich im Notfall wenden können. Dafür bietet unser Konzept die besten Voraussetzungen“, so Ackermann.

Prof. Dr. Wolfgang Greiner von der Uni Bielefeld forderte gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Neuordnung einer zukünftig bedarfsgerechten, sektorenübergreifend koordinierten Notfallversorgung „aus einer Hand“. Dazu gehören eine bundeseinheitliche Rufnummer für Integrierte Leitstellen (ILS) und Integrierte Notfallzentren (INZ).

Dickes Brett bohren

Auf dem Weg zu „Integrierten Notfallzentren“ müsse jetzt endlich mehr Gas gegeben werden. „Es gibt doch schon reichlich Erfahrungen mit Anlauf- und Portalpraxen“, betonte Georg Keppeler, alternierender AOK-Verwaltungsratsvorsitzender. Damit sollte es möglich sein, jetzt gezielt und pragmatisch die nächsten Schritte zu machen“, so Keppeler. Und Johannes Heß aus dem AOK-Verwaltungsrat betonte, dass nun endlich Bewegung in das Thema komme, das sogar im Regierungsprogramm der Großen Koalition auf Bundesebene verankert sei. Auch wenn es bereits erste gute Lösungsansätze gebe, mahnte er: „Wenn wir zu einer Notfallversorgung aus einem Guss kommen wollen, gilt es ein dickes Brett zu bohren.“

Fehlinanspruchnahme reduzieren

Über erste Praxiserfahrungen des im Juli gestarteten Pilotprojekts „Integrierte Leitstelle“ in Ostwestfalen-Lippe berichtete Dr. Gerhard Nordmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Mit unserem Projekt wollen wir die Fehlinanspruchnahme von Klinikambulanzen und Rettungsdiensten reduzieren“, sagte Nordmann. Gemeinsam mit den Rettungsleitstellen in Paderborn, Höxter und Lippe würden seither Erfahrungen dazu gesammelt, inwiefern die klassische Notrufnummer 112 und die Bereitschaftsdienstnummer 116117 von einer einheitlichen, regionalen Leitstelle gesteuert werden können. Die Disponenten haben hier nicht nur Zugriff auf Rettungsdienst und Notarzt, sondern können auch den Fahrdienst der Kassenärzte anfordern oder die Patienten an eine Notfalldienstpraxis verweisen.

Für Jochen Brink als Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW sollten vor allem auch regionale Besonderheiten berücksichtigt und Lösungen vor Ort entwickelt werden.

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