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Spione, Erfinder, Whistleblower

Die Themen der Ausstellung

Die Schau zeigt an Beispielen aus Geschichte und Gegenwart, wie Wissen geschaffen, geteilt und geschützt wird

03.04.2019, 11:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Öffentliche Vorführung des Laufrads von Karl Drais in Paris 1818

Öffentliche Vorführung des Laufrads von Karl Drais in Paris 1818 © LWL/Hudemann

Wissen schaffen. Von Göttern und Menschen

War das Wissen ein Geschenk der Götter, eine kulturelle Entwicklung oder kommt es von einem anderen Stern? Der Gast begegnet zum Auftakt dem Prometheus-Mythos und sieht einen 1.500 Jahre alten Goldflieger aus Kolumbien. Bis heute beflügelt er den Glauben an Außerirdische. Die Erfindung des Rads steht dagegen für eine menschengemachte Innovation, die das Leben verändert hat. Gezeigt wird die ganze Vielfalt: vom steinzeitlichen Scheibenrad über das ICE-Rad bis zu winzig kleinen Mikrorädern. In Gestalt eines Hologramms erzählt Karl von Drais auf dem Fahrrad von seiner berühmten Erfindung.

Wissen für alle. Von Gelehrten und Experten

Vom Gehirn über die Wachstafel, das Buch, die Kassette und den USB-Stick bis zur modernen Cloud reicht das Spektrum der Medien, in denen Menschen Wissen speichern. Eine Bücherwand mit dem 243-bändigen „Krünitz“ steht für die große Zeit der Enzyklopädien des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Geist von Johann Georg Krünitz berichtet über sein Schaffen als Universalgelehrter. Gegenüber stellt die Wikipedia-Wand die kollektive Zusammenarbeit des Online-Lexikons vor.

Wissen wollen. Von Profit und Moral

Spionage und Wissenstransfer gehörten seit Beginn der Industrialisierung zum Repertoire der Unternehmen und der staatlichen Wirtschaftsförderung. Friedrich Harkort gilt als Industriepionier an der Ruhr. Das Knowhow für den Bau seiner Dampfmaschinen verschaffte er sich auf zwei Englandreisen 1819 und 1826. Wernher von Braun, Schlüsselfigur der deutschen Raketentechnik, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit über 100 weiteren Wissenschaftlern in die USA gebracht. Fragmente von „V2“-Raketen und Gegenstände von KZ-Häftlingen stehen für Tod und Verderben, die die deutsche „Vergeltungswaffe“ bereits bei ihrem Bau forderte. Modelle von Nasa-Mondraketen zeigen das Ergebnis der Weiterentwicklung in Amerika.

Wissen schützen. Von Patenten und Plagiaten

Seit Gründung des Kaiserlichen Patentamtes im Jahr 1877 kann man Erfindungen schützen lassen. Die Patentschrift Nr. 1 zur Herstellung einer roten Ultramarinfarbe zeigt den Beginn der Entwicklung. Seither gibt es viele Versuche, Ideen unter Schutz zu stellen oder gewerbliche Rechte zu unterlaufen. Konrad Adenauer, vielseitiger Tüftler und Erfinder, scheiterte mit seinem beleuchteten Stopfpilz, andere wie der Physikprofessor Wilhelm Conrad Röntgen wollten bewusst kein Patent anmelden, damit ihr Wissen allen zu Gute kommt. Original oder Nachahmung? In einem Sachverständigenlabor können Besucher Warenproben auf Echtheit prüfen.

Wissen verraten. Von Geheimnissen und Spionen

Die eine war eine Schreibtischtäterin, die andere stand im Rampenlicht - beide waren Spioninnen im Ersten Weltkrieg. Elsbeth Schragmüller zog als Chefin des Nachrichtendienstes gegen Frankreich vom Büro aus die Fäden. Die Tänzerin Mata Hari nutzte Kontakte zu einflussreichen Männern, die sie aus noblen Nachtclubs kannte. Im Zweiten Weltkrieg hatte sich die Militärtechnologie rasant weiterentwickelt - dafür steht die „Enigma“, die erste Verschlüsselungsmaschine der Welt. Als Brosche oder Feuerzeug getarnte Minikameras zeigen, wie sich Agenten geheimes Wissen beschaffen. Von James Bond, laut fiktiver Biographie in Wattenscheid geboren, sind Raumanzug und das Gebiss seines Gegenspielers aus dem Film Moonraker zu sehen.

Wissen freigeben. Was weiß denn ich?

Kirchenbücher gehören zu den ältesten Datensammlungen Europas; sie gehen ins 17. Jahrhundert zurück erfassten erstmals die gesamte Bevölkerung. Heute hat das Sammeln, Speichern und die Nutzung privater Daten ganz neue Dimensionen angenommen. Sie sind das neue „Gold“ der Gesellschaft. Wirtschaftsriesen wie Amazon, Google und Facebook wissen den Rohstoff erfolgreich zu nutzen. Macht uns die Digitalisierung zum gläsernen Menschen? Oder bietet sie ganz neue Chancen? Die Ambivalenz zwischen Freiheit und Sicherheit, Privatsphäre und Öffentlichkeit ist Thema der abschließenden Ausstellungsabteilung.