Tote Fische in Ahauser Schlossgräfte: Experten tappen noch im Dunkel

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Gleich mehrere tote Karpfen schwammen in den vergangenen Tagen am Ufer der Ahauser Schlossgräfte. Die Gründe für das Fischesterben sind noch unklar. Die toten Körper werden nun seziert.

Ahaus

, 08.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer in den vergangenen Tagen am Ahauser Barockschloss spazieren war, konnte es kaum übersehen: Gleich mehrere große, tote Fische schwammen in Ufernähe der Schlossgräfte. Augenscheinlich alles ausgewachsene Karpfen. Grund zur Sorge? Auf jeden Fall haben der Kreis Borken, der für das Gewässer zuständig ist, und der Angelsportverein „Sportfischer Ahaus“ die Situation genau im Blick.

„Schon vor einer Woche haben wir die ersten toten Fische entdeckt“, erklärt Marek Wycisk, Vorsitzender der Ahauser Angler. Grund zu Sorge hatte er in dem Moment nicht: „Wir beobachten jedes Jahr, dass zu dieser Zeit einige Fische sterben. Die Laichzeit überleben nicht alle.“ Diese Zahl schwanke allerdings von Jahr zu Jahr stark. Dieses Jahr waren es nach Marek Wycisks Angaben zwei bis drei tote Fische pro Tag. „Das ist schon etwas mehr als sonst“, erklärt er.

Jeden Tag zwei bis drei tote Fische

Mit seinen Angelfreunden holt er die toten Fische jeden Tag aus dem Wasser. Zum einen, um den anderen Ahausern den unschönen Anblick zu ersparen, zum anderen, um die Körper unter die Lupe zu nehmen. „Schnell haben wir festgestellt, dass nur Karpfen betroffen sind“, so Wycisk. „Die anderen Fische sind topfit.“ Einen befreundeten Sachverständigen bat er, sich die Sache einmal genau anzuschauen.

Der vermutete, dass der milde Winter die Ursache sein könnte. „Die Fische können ihren Stoffwechsel nicht herunterfahren und sind während der Laichzeit nervös“, berichtet der Vorsitzende des Angelvereins aus dem Gespräch mit dem Experten. Das würden in jedem Jahr einige Fische nicht überleben. Weil der Draht zur Unteren Fischereibehörde des Kreises Borken kurz ist, holte sich Marek Wycisk auch von dort Rat ein.

Erste Untersuchung Anfang der Woche

Schon Anfang der Woche fuhr ein Mitarbeiter der Behörde nach Ahaus und nahm Untersuchungen vor: erste Entwarnung. „Es wurden bestimmte Parameter des Wassers – wie zum Beispiel Sauerstoffgehalt und ph-Wert – gemessen. Dabei gab es keine besonderen Ausschläge nach oben oder unten“, erklärt Kreis-Pressesprecher Karlheinz Gördes.

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Noch gebe es keine Hinweise, woran das Karpfen-Sterben liegen könnte. „Eine weitergehende Prüfung ist eingeleitet, auch Veterinäre wurden eingeschaltet“, sagt Gördes. Licht ins Dunkel bringen, sollen nun die Analysen vom Fischgesundheitsdienst des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). „Hier wird man einen oder mehrere Fische aus Ahaus sezieren“, kündigt Gördes an.

Fische werden in Recklinghausen seziert

Aller Voraussicht nach wird es John Hellmann sein, der beim Fischgesundheitsdienst in Recklinghausen die Karpfen analysieren wird. „Ich warte auf einen Rückruf. Sobald ich die Fische erhalte, kommen sie unters Messer“, erklärt er am Freitagnachmittag. Dämpft allerdings gleichzeitig die Erwartungen: „Unsere pathologischen Diagnostik-Möglichkeiten sind begrenzt. Gerade bei einem Fisch, der schon lange tot ist, kann es schwierig werden.“

Die Ausführungen von Marek Wycisk kann er allerdings schon jetzt in Teilen bestätigen. „Es kommt tatsächlich häufig vor, dass Karpfen in dieser Jahreszeit sterben. Sie gelten als sehr robuste Fische, sind aber in einigen Bereichen sehr empfindlich“, so Hellmann. Neben den Witterungsbedingungen nennt er aber auch Beispiele wie Parasitenbefall oder Stress. „Aus der Ferne ist das aber reine Spekulation“, beton er.

Todeszeitpunkt der Fische völlig unklar

Völlig unklar ist auch noch der Todeszeitpunkt der Fische. John Hellmann erklärt: „Nachdem der Fisch verstirbt, sinkt er normalerweise erstmal zu Boden. Erst durch die Verwesung entstehen Gase, durch die er an die Wasseroberfläche treibt.“ Von daher könne es gut sein, dass die Fische bereits mehrere Wochen tot seien.

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Nicht für ausgeschlossen hält John Hellmann es auch, dass der Müll in der Schlossgräfte den Tod der Karpfen beeinflusst hat: „Theoretisch ist das möglich.“ Marek Wycisk hatte im Gespräch mit der Redaktion beklagt, dass er und seine Kameraden jedes Jahr kiloweise Schrott aus der Gräfte ziehen. „Es ist unglaublich, wie rücksichtslos die Menschen sind. Wir haben von Motorrollern über Fahrräder bis zu Tresoren schon alles gefunden. Das tut dem Wasser mit Sicherheit nicht gut.“ Noch ist ein Zusammenhang zu den toten Fischen aber nur ein unbestätigter Verdacht. Die Ergebnisse der Sektion werden für Anfang der kommenden Woche erwartet.

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