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Weg mit den Zigaretten

Rauchstopp

Rauchen kostet nicht nur viel Geld – es kostet vor allem Lebenszeit.Doch wie können langjährige Raucher den Weg aus der Sucht schaffen? Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum, zeigt im Interview Strategien zum Ausstieg und zum Durchhalten auf.

09.09.2014, 15:05 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die letzte Zigarette ausdrücken und nie wieder eine neue anzünden: Wer den Rauchstopp schafft, tut seiner Gesundheit etwas Gutes.

Die letzte Zigarette ausdrücken und nie wieder eine neue anzünden: Wer den Rauchstopp schafft, tut seiner Gesundheit etwas Gutes.

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Rauchen ist neben mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung einer der wichtigsten Risikofaktoren für chronische, nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Typ 2 Diabetes. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 110 000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Rauchen schädigt nahezu jedes Organ des Körpers. Besonders stark betroffen sind die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System: Rauchen verursacht bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle. Raucher haben außerdem ein mehr als doppelt so hohes Risiko wie Nichtraucher, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu erkranken, und ein doppelt so hohes Risiko für Schlaganfälle. Daneben erzeugt das Rauchen zahlreiche weitere Krebsarten und schädigt die Augen, den Zahnhalteapparat, den Verdauungstrakt, das Skelett, die Geschlechtsorgane und die Fruchtbarkeit. Rauchen verkürzt das Leben um durchschnittlich zehn Jahre. Mehr als die Hälfte aller regelmäßigen Raucher stirbt vorzeitig an den Folgen ihres Tabakkonsums. Die Hälfte dieser tabakbedingten Todesfälle ereignet sich bereits im mittleren Lebensalter zwischen 35 und 69 Jahren. Nur 58 Prozent der Raucher erreichen das siebzigste Lebensjahr und sogar nur 26 Prozent das achtzigste Lebensjahr, demgegenüber werden 81 Prozent der Nichtraucher 70 Jahre und 59 Prozent 80 Jahre alt. Der Tabakrauch, der beim Passivrauchen eingeatmet wird, enthält die gleichen giftigen und krebserzeugenden Substanzen wie der vom Raucher inhalierte Rauch. Daher verursacht auch das Passivrauchen zahlreiche, zum Teil schwere Erkrankungen. So reizt schon kurzzeitiges Passivrauchen die Atemwege und führt zu Augenbrennen und -tränen und zu Schwellungen und Rötungen der Schleimhäute. Außerdem können Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Atemlosigkeit und Müdigkeit entstehen, und es erhöht sich die Infektanfälligkeit. Passivrauchen schädigt auch sehr schnell das Blutgefäßsystem. Langfristig drohen akute und chronische Herzkrankheiten, Herzinfarkt und Schlaganfall. Passivrauchen erhöht auch das Risiko für Lungenkrebs und Brustkrebs bei jungen Frauen.

Die gute Nachricht zuerst: Ein Rauchstopp ist zu jedem Zeitpunkt im Leben ein Gewinn für das eigene Wohlbefinden. Je früher ein Rauchstopp erfolgt, umso besser. Am schnellsten verbessert sich die Atmung: Der Ex-Raucher kann schon nach wenigen Tagen endlich tief durch atmen. Durch den normalen Alterungsprozess nimmt die Lungenfunktion im Laufe des Lebens ab. Bei Rauchern verschlechtert sich die Lungenfunktion aber doppelt so schnell wie bei Nichtrauchern. Ein Rauchstopp bremst diese Verschlechterung auf das bei Nichtrauchern übliche Maß ab. Auch für die Verminderung des Risikos von Herz-Kreislauferkrankungen ist ein Rauchstopp ganz wesentlich. Ein Rauchstopp senkt bereits nach einer Woche den Blutdruck. Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben, reduziert er deutlich. Ein Rauchstopp verringert in Abhängigkeit von der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten das Schlaganfallrisiko beträchtlich: So können leichte Raucher ihr Risiko für einen Schlaganfall durch einen Rauchstopp auf das Niveau von Nie-Rauchern absenken, starke Raucher erreichen nach einem Rauchstopp immerhin das Schlaganfallrisiko eines leichten Rauchers. Alles in allem reduziert ein Rauchstopp das Risiko deutlich, an den Folgen des Rauchens zu sterben. Ein Rauchstopp reduziert das Krebsrisiko von Rauchern aller Altersgruppen erheblich: Es sinkt für die meisten Krebsarten bereits innerhalb einiger Jahre nach einem Rauchstopp deutlich ab, bleibt aber meist höher als das von Nie-Rauchern. Es lohnt sich aber dennoch, möglichst früh mit dem Rauchen aufzuhören. Wer bereits mit 30 Jahren aufhört zu rauchen, hat ein Lungenkrebsrisiko, das nur wenig über dem eines Nie-Rauchers liegt. Um das Krebsrisiko zu senken, ist aber ein hundertprozentiger Rauchstopp notwendig: Selbst eine Reduktion von 20 auf weniger als 10 Zigaretten pro Tag verringert das Risiko für Lungenkrebs nur geringfügig.

Hohe Eigenmotivation und ein fester Wille sind die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Rauchstopp. Fast 80 Prozent aller erfolgreichen Ex-Raucher haben den Ausstieg allein und ohne Hilfsmittel erreicht. Möglicherweise haben sie dazu mehrere Versuche gebraucht. Dennoch gilt als Grundsatz, dass ohne eine starke Eigenbeteiligung kein Erfolg möglich ist. Da es eine Vielzahl von Anbietern und Angeboten gibt, haben Expertengruppen Qualitätsmerkmale für Raucherberatungen festgelegt. Der Raucherberatung sollte ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zugrunde liegen. Außerdem sollte der Raucher motiviert werden, den Tabakkonsum dauerhaft zu beenden und konkrete Maßnahmen zur Unterstützung erhalten. Medikamentöse Aufhörhilfen können in die Behandlung einbezogen werden. Die Kosten für eine Maßnahme sollten zumutbar sein. Und schließlich sollte die Maßnahme die individuellen Besonderheiten des Rauchers berücksichtigen. Das Bewusstmachen eigener Verhaltensweisen im Hinblick auf das Rauchen ist ein wichtiger Schritt. Das Rauchverlangen ist an bestimmte Gewohnheiten und positive Empfindungen geknüpft. Das hat zur Folge, dass Raucher in bestimmten Situationen oft automatisch zur Zigarette greifen. Ein wichtiges Ziel verhaltenstherapeutischer Methoden ist es daher, mit dem Raucher Alternativen zum Rauchen zu entwickeln.  

Rauchen in der Schwangerschaft
› „Müssen Frauen während der Schwangerschaft Tabakrauch einatmen, können die Kinder bei der Geburt kleiner sein, einen geringeren Kopfumfang und ein geringeres Körpergewicht haben“, sagt Dr. Martina Pötschke-Langer. Bei Säuglingen kann Passivrauchen den plötzlichen Säuglingstod verursachen. Kinder rauchender Eltern leiden häufiger unter akuten und chronischen Atemwegserkrankungen wie Husten, Auswurf, pfeifenden Atemgeräusche und Atemnot und sie haben häufiger Mittelohrentzündungen als Kinder nichtrauchender Eltern. Bei Kindern, die bereits unter Asthma leiden, führt Passivrauchen zu einer Verschlechterung der Krankheitssymptome.
› Rauchen in der Schwangerschaft ist besonders fatal: Viele der im Tabak enthaltenen Stoffe können über den Mutterkuchen (Plazenta) in den Blutkreislauf des Fötus gelangen. So führt das Nikotin zu einer mangelnden Durchblutung des Fötus und das im Tabakrauch enthaltene Kohlenmonoxid behindert den Sauerstofftransport im Blut, sodass der Fötus nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dadurch erhöht sich das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Entwicklungsstörungen des Kindes.
› An Schwangerschaftskomplikationen sind zu nennen: Spontanaborte, Extrauterinschwangerschaft, vorzeitige Plazentaablösung, Placenta praevia, vorzeitiger Blasensprung, Frühgeburt und sogar Totgeburt.

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