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Zurück zur Natur: Trinkhalme aus Stroh

Region Zukunft

Wenn der Strohhalm nicht aus Plastik sein soll: Drei Castrop-Rauxeler Jungunternehmer hatten eine Idee, um die Welt ein wenig besser zu machen.

29.10.2019, 10:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zurück zur Natur:
Trinkhalme aus Stroh

Hannes Müller (r.) erntet die Strohhalme. © privat

Zukunft beginnt nicht selten im ganz Kleinen. Statt die große Vision zu träumen, ist da einfach eine kleine Idee, die einen Menschen nicht mehr loslässt. Oder drei Menschen. Drei junge Menschen, die aus einem Urlaub in Wien eine Idee im Gepäck mitbrachten, die sie direkt auf ein Feld in Castrop-Rauxel-Bladenhorst geführt hat. Ein Ort, der nicht unbedingt mit großen Ideen in Verbindung gebracht werden dürfte.

„Wir haben uns einfach die Frage gestellt, warum Strohhalme eigentlich aus Plastik hergestellt werden“, erläutert Julius von Agris (kleines Foto r.). Genau so fing es an: In einem Café in Wien, wo es zum Kaltgetränk Plastikstrohhalme gab wurde die eine Geschäftsidee geboren – unter dem Namen „Back To Nature“ Trinkhalme ohne Plastik herstellen und vertreiben.

Das Team

Neben dem Berufskollegschüler besteht das junge Gründerteam zudem aus dessen Schwester Luise von Aghris (kleines Foto l.) und dem gemeinsamen Freund Hannes Müller. Die drei haben sich zusammengesetzt und begonnen, ihre Ideen aufzuschreiben: Wie lang soll so ein Strohhalm sein, wie fest muss er sein, wie wird er verpackt, wie bekommt man ihn eigentlich „unter die Leute“?

Zurück zur Natur:
Trinkhalme aus Stroh

Unter dem Namen „Back To Nature“ verkauft das junge Unternehmer-Trio aus Castrop-Rauxel natürliche Trinkhalme. © privat

„Es war uns irgendwann klar, dass wir die Idee nicht verkaufen können, ohne ein entsprechendes Angebot auch vorrätig zu haben“, erinnert sich Luise von Agris – und ohne zu wissen, ob sich ihre Idee tatsächlich umsetzen lasse. Denn so etwas wie eine Strohhalmschneide-Maschine gibt es nicht. Was es aber gab: Einen wichtigen Kontakt. „Der Vater eines Mitspielers ist Landwirt“, erzählt Hannes Müller, der bei der SG Castrop Fußball spielt.

Getreide-Ernte

Der Vater des Teamkollegen fand die Idee super. Auf einem Teilstück seines Feldes in Bladenhorst erntete er nur die Ähren des Getreides der Sorte Triticale: Den Rest stellte er den jungen Castrop-Rauxelern zur freien Verfügung. Womit nun gearbeitet wurde? Mit Scheren und Maßbändern auf Tapetentischen am Feldrand – drei Wochen im Hochsommer 2019, während der Ferien. „Unsere Tage sahen so aus, dass wir aufs Feld fuhren, fünf bis sieben Stunden Strohhalme schnitten, diese dann abends reinigten, desinfizierten und verpackten“, erläutert Luise von Agris.

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Trinkhalme aus Stroh

Unter dem Namen „Back To Nature“ verkauft das junge Unternehmer-Trio aus Castrop-Rauxel natürliche Trinkhalme. © privat

Selbstverständlich in Papiertüten. Und alles in Handarbeit. Manchmal bekamen sie von Freunden Unterstützung. Bis zu 3000 Strohhalme wurden so an einem Tag geerntet. Die ersten kleinen Erfolge feierte das Team schon während ihrer Arbeit auf dem Feld: Manchmal blieben Jogger oder Radfahrer stehen und schauten sich die Arbeit nicht nur an, sondern nahmen gleich ein Päckchen mit.

Zurück zur Natur:
Trinkhalme aus Stroh

© privat

„Und dann klopfte ein Kamerateam des WDR an, da es sich sogar bis zum Sender herumgesprochen hatte, dass da ein paar Leute in einem Feld sitzen und Strohhalme schneiden“, erinnert sich Julius von Agris.

Klinken putzen

Wurden die ersten Strohhalme jenseits des Feldes zunächst über Facebook und Instagram beworben, begann gleichzeitig die Klinkenputz-Tour im Einzelhandel und der Gastronomie in Castrop-Rauxel. In ihrer Heimatstadt sind die Strohhalmproduzenten inzwischen eine lokale Bekanntheit.

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Trinkhalme aus Stroh

© privat

Doch ist das, was sie produzieren, nicht eher ein Kuriosum und Nischenprodukt? „Dahinter steckt natürlich die Idee, Produkte mit Nachhaltigkeit herzustellen“, erläutert Julius von Agris. Die Strohhalme seien nicht nur eine aus einer Laune heraus entstandene Urlaubsidee. „Wir haben noch viele Pläne“, verrät der 19-jährige Berufskollegschüler.

Schluss mit Plastik

Die Produktion von Plastiktrinkhalmen wird 2021 verboten. Wer auf seinen Trinkspaß im Sommer nicht verzichten will, muss also auf ein Ersatzprodukt umsatteln. Das ist natürlich ein Luxus. Die Welt geht nicht unter, wenn es keinen Ersatz gäbe. Doch es gibt da noch eine andere Seite: „Der Einsatz im medizinischen Bereich etwa oder in der Altenpflege“, erläutert Luise von Agris. Dort sind Strohhalme keine luxuriöse Spielerei, sondern werden benötigt.

Bei der Automatisierung beschreiten die drei jungen Leute aus Castrop ebenfalls einen ungewöhnlichen Weg: Es besteht ein Kontakt zu einer Fachhochschule, dort wird im Rahmen einer Bachelor-Arbeit eine Maschine entwickelt, die aus Getreidehalmen Trinkhalme schneidet.

www.backto-nature.net