Ewald Tenhumberg 2014 in seinem Garten in Vreden. Heute ist der Ex-Boxer 54 Jahre alt. © Sascha Keirat
Sportporträt-Klassiker

Ewald Tenhumberg: Der letzte Gong kam schnell

In unserer Porträt-Serie stellen wir besonders verdiente Sportler aus der Region vor. Heute geht es um den Vredener Boxer Ewald Tenhumberg. Dieser Beitrag erschien erstmals im August 2014.

Mit dem Boxsport hat er heute kaum noch etwas am Hut. In den 1980er Jahren war Ewald Tenhumberg jedoch eine echte Größe der westfälischen und sogar bundesweiten Szene.

Kistenweise Erinnerungsstücke hat Ewald Tenhumberg in seinem Haus – diese zeigt er gerne und erzählt, wie es damals zuging in den Ringen Deutschlands – und darüber hinaus. Zum Beispiel in seiner Zeit beim BC Dortmund, wo er seine schönste Zeit verbrachte. Oder bei der Militär-Weltmeisterschaft in den USA, wo er der bundesdeutschen Mannschaft angehörte. Bis dahin hatte Tenhumberg einen weiten Weg zu gehen.

Als jüngster von sieben Brüdern durchgeboxt

Was es heißt, sich durchzuboxen, lernte er von klein auf im Elternhaus – als jüngster von sieben Brüdern. Mitte der 1970er-Jahre verschlug es den jungen Ewald mit seinem Bruder Helmut erstmals zum Boxtraining in der Hamalandhalle. Zunächst gefiel ihm das Fußballspielen vor dem Training besser. Doch bald schon kam er auf den Geschmack.

Mit gerade einmal elf Jahren, am 1. Oktober 1977, erhielt Tenhumberg seinen ersten Boxerpass. Zum Ärger Tenhumbergs wurde er zunächst mit seinem Bruder Helmut verwechselt. Der boxte unter Ewalds Pass – und verlor.

Aber auch für den echten Ewald verlief der Start holprig. „Die ersten vier Kämpfe habe ich alle verloren“, erinnert er sich. „Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen und weitergemacht.“ Mit der Zeit und dem nötigen Training stellte sich der Erfolg ein: Nach 25 Kämpfen stand eine ausgeglichene Bilanz zu Buche. Den ersten Titel fuhr Tenhumberg mit 13 Jahren ein – das Finale um die Westfalenmeisterschaft war sein 13. Kampf. Von nun an ging es bergauf. Immer an Tenhumbergs Seite: Trainer Hermann Umlauf.

In der Szene kannte jeder jeden und so dauerte es nicht lange, bis größere Klubs auf das Talent aufmerksam wurden. Tenhumberg wagte 1987 den Sprung in die Zweite Bundesliga zum BC Dortmund. Hier avancierte er nicht nur zum Publikumsliebling, sondern boxte sich sogar hoch bis auf den vierten Platz der deutschen Rangliste und holte den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin 1989.

Manager Kaderka lotste Tenhumberg nach Ahlen

So folgte im selben Jahr der nächste Karrieresprung. Egon Kaderka, Manager aus Ahlen, war eines Tages am Telefon. „Der war Verleger einer Zeitung in Ahlen und hatte eine eigene Champagner-Firma“, erinnert sich Tenhumberg. Die Anfrage reizte den damals 22-Jährigen, doch hatte er bereits in Dortmund für die neue Saison zugesagt. „Irgendwie hat sich der Kaderka dann aber mit den Dortmundern geeinigt – und ich bin nach Ahlen gewechselt.“

In der deutschen Eliteklasse wurde die Luft dünn für Tenhumberg. Er bestritt insgesamt nur sechs Kämpfe, von denen er einen gewann – zumindest offiziell. Gleich beim Debüt in der ersten Liga fühlte sich Tenhumberg von den Punktrichtern betrogen. In Gelsenkirchen kämpfte der Vredener gegen Reiner Gies. Der ging, mit der Bronzemedaille aus Seoul im Gepäck, als klarer Favorit in den Ring. „Ich habe ihn eigentlich besiegt, doch anscheinend wollten gewisse Leute nicht, dass ein Unbekannter gegen den Lokalmatadoren gewinnt“, so Tenhumberg. „Das Publikum hat nach Bekanntgabe der Entscheidung gebuht.“

Ewald Tenhumberg in Aktion
Ewald Tenhumberg in Aktion © Archiv © Archiv

Viel Zuspruch erhielt Tenhumberg auch an anderer Stelle. Zum Beispiel bei den regelmäßigen Kämpfen im „Saal Kleine“, wo das Vredener Publikum immer lautstark auf seiner Seite war. Oder bei einem Fight im englischen Cambridge gegen den Londoner Meister. Dort setzte ein Zuschauer 500 Pfund auf den jungen Deutschen – und gewann die Wette. Dieses Erlebnis zählt ebenso zu seinen Highlights wie die Reise zur Militär-WM nach North Carolina.

Weil sich ein Boxer verletzte, wurde Tenhumberg nachnominiert – anderthalb Wochen vor der Abreise nach Amerika. „Das Problem war, dass ich im Halbmittelgewicht bis 71 Kilo geboxt habe. Bei der WM sollte ich aber im Weltergewicht, also bis 67 Kilo, antreten.“ Es hieß also: wenig essen, viel trainieren. Die Plackerei zahlte sich sportlich gesehen nicht aus: Gleich im ersten Kampf bekam Tenhumberg den späteren Weltmeister zugelost und schied aus.

Auch aus dem aktiven Boxsport schied er bald danach aus – mit nur 25 Jahren. „Ich hatte nie das Ziel, Profi zu werden. Ich weiß, wie anstrengend drei Runden sind. Da muss ich keine zwölf haben, habe ich mir immer gedacht.“ Nach drei Jahren als Trainer in Vreden war Schluss mit Boxen, heute spielt er noch Fußball bei den Alten Herren des FC Vreden. Beruflich ist der gelernte Gas- und Wasserinstallateur als Hausmeister einer Vredener Schule tätig. „Das macht mir Spaß. Ich gehe jeden Morgen gern zur Arbeit.“

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Sportredaktion Ahaus

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