Uwe Stampfer trainierte lange Mädchen- und Frauenteams bei Union Wessum. Mittlerweile ist er bei Union im Herrenbereich tätig. Er hält nichts von der niederländischen Idee. © Sascha Keirat
Fußball

Frauen und Männer in einem Team? „Nein – das ist eine andere Sportart“

In den Niederlanden dürfen ab der kommenden Saison Frauen und Männer im Amateurbereich im selben Team spielen. Wir haben uns im Altkreis Ahaus umgehört, was die Aktiven von der Idee halten.

Von einem „historischen Schritt“ war die Rede, als der niederländische Verband KNVB in der vergangenen Woche die Änderung der bislang gültigen Regelung im Amateurfußball verkündete: Frauen dürfen ab der kommenden Spielzeit, auch ohne Sondergenehmigung, in Männermannschaften mitspielen – oder umgekehrt.

Erst in der vergangenen Saison hat der Verband ein Testprojekt gestartet. Ellen Fokkema verstärkte als erste Frau das Männer-Amateurteam von VV Foarut. Zwar gab es nur wenige Partien, bedingt durch die Coronavirus-Pandemie, doch laut dem Verband hat das Ganze positive Erfahrungen mit sich gebracht.

Bei den Aktiven der Region stößt das niederländische Modell nur vereinzelt auf Gegenliebe. „Ich finde das nicht gut, und da sind wir uns in der Mannschaft auch einig“, sagt etwa Iris Börsting, Landesligaspielerin bei Union Wessum. Im Hobbybereich seien gemischte Mannschaften auf jeden Fall in Ordnung, aber nicht, wenn es um Meisterschaften geht. „Dafür sind Männer allein von ihrer Muskulatur her einfach im Vorteil. Für mich sind Männer- und Frauenfußball zwei verschiedene Sportarten.“

Der Meinung ist auch ihr ehemaliger Trainer Uwe Stampfer. Der Ahauser war lange in der Mädchen- und Frauenabteilung bei Union tätig und trainiert mittlerweile die zweite Männermannschaft. „Ich denke, man sollte Frauen und Männer im Spielbetrieb getrennt lassen. Männer spielen einfach viel gröber und körperlicher, während Frauen den technisch feineren Ball spielen. Das verträgt sich auf dem Platz nicht so gut.“

Iris Börsting (l.) ist, abgesehen vom Hobby- und Jugendbereich, kein Fan von gemischten Mannschaften.
Iris Börsting (l.) ist, abgesehen vom Hobby- und Jugendbereich, kein Fan von gemischten Mannschaften. © Johannes Kratz © Johannes Kratz

Etwas anders sieht es sein Trainerkollege Jeroen van der Veen. Der Niederländer vom FC Oeding meint: „Wenn zum Beispiel eine Frau gern bei den Männern mitspielen möchte und auch das entsprechende Niveau mitbringt, dann sehe ich da kein Problem.“ Grundsätzlich solle jeder Sportler, ob Mann oder Frau, nach dem höchsten Niveau suchen. Und wenn das über diesen Weg möglich wäre, sei das in Ordnung. Van der Veen würde auch Frauen in seine Mannschaft aufnehmen, „wenn sie uns sportlich weiterbringen würden“. Der Coach ist sich aber sicher, dass nicht viele von der neuen Möglichkeit Gebrauch machen werden. „Es wird nur wenige Ausnahmen geben.“

Seine Vereinskameradin Meike Roters von der Oedinger Landesliga-Frauenmannschaft sieht den neuen Weg des Nachbarlands in der Praxis eher kritisch: „Generell finde ich solche Öffnungen ja gut und spannend. Und wenn sich eine Spielerin physisch in der Lage sieht, bei den Männern mitzuhalten, dann ist das okay. Aber mir fällt es schwer, Männer- und Frauenfußball als einen Sport zu sehen. Allein der Vergleich zwischen männlichen Jugendmannschaften und Frauenteams hat schon oft gezeigt, wie deutlich die Unterschiede allein im physischen Bereich sind.“

Christel Behmenburg hat selbst viel mit Männern zusammen gespielt

Christel Behmenburg, Koordinatorin Frauen- und Mädchenfußball beim Fußballkreis Ahaus/Coesfeld, will sich der Thematik nicht verschließen: „Ich habe früher selbst in Hobbymannschaften viel mit Männern zusammen gespielt und das hat gut geklappt. Voraussetzung ist immer, dass die Männer das akzeptieren und dass die Frauen sich das zutrauen.“ Herausforderungen könnten allerdings im organisatorischen Bereich entstehen, wenn etwa beide Geschlechter eigene Umkleideräume und Duschen bräuchten.

Die Gefahr, dass der Frauenfußball eventuell geschwächt würde, wenn die besten Frauen in Männerteams spielen, sieht Christel Behmenburg nicht: „Ich denke nicht, dass viele davon Gebrauch machen würden.“

Einig sind sich im Übrigen alle Befragten darin, dass gemischte Mannschaften im Jugendbereich, wie es sie auch in Deutschland schon lange gibt, absolut Sinn ergeben. Davon würde gerade die leistungsstarken Mädchen langfristig profitieren, da sie in Jungenteams mehr gefordert würden.

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Sportredaktion Ahaus

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