Im Herbst 2019 holte Jens Niehues mit GW Nottuln bei der SpVgg Vreden einen Punkt. Dass sich die folgenden Monate derart entwickeln sollten, das konnte der Stadtlohner Trainer seinerzeit noch nicht erahnen. © Sascha Keirat

„Gerade eingegroovt“: Jens Niehues verlässt Nottuln gefühlt auf halber Strecke

Im Herbst verkündete Jens Niehues seinen Rückzug als Trainer von GW Nottuln zum Saisonende. Der zweite Lockdown stoppte die angeschobenen Prozesse kurz darauf jäh. Vieles bleibt unvollendet.

Zurück zu den Wurzeln – so oder ähnlich könnte die Phase übertitelt werden, die der Stadtlohner Trainer Jens Niehues aktuell durchläuft. Erwischt man den 38-Jährigen nicht im Job oder bei der Familie, dann könnte man ihn auf der Tennisanlage von Westfalia Gemen antreffen. Dort spielte er einst auf hohem Niveau, bevor es mehr in Richtung Fußball gehen sollte.

„Ich hab vor drei Jahren erfahren, dass ich nie von der Meldeliste gestrichen wurde“, sagt der Stadtlohner und lacht. Bei seinen Ausflügen in die Kreisstadt soll allerdings mehr der Spaß als die Ambition, noch um Punkte zu spielen, im Vordergrund stehen.

Mehr Spiele und Wettbewerb hätte sich Jens Niehues allerdings an der Seitenlinie des Westfalenligisten GW Nottuln gewünscht. Deutlich mehr. Im Sommer 2019 kam er nach fünf Jahren als Coach bei Eintracht Ahaus in die Baumberge, die Saison wurde bekanntlich nach 18 Spieltagen im März 2020 abgebrochen. Die zweite Serie dauerte ganze sieben Runden, am 25. Oktober 2020 gab es in Marl-Sinsen ein 0:4. Die Spielzeit wurde annulliert.

Kurz zuvor hatte Niehues seinen Rückzug zum Ende der Saison verkündet – neben einer bewussten Auszeit nach intensiven und kräftezehrenden Jahren und mehr Freizeit mit der Familie hatte Niehues seinerzeit einen „Schritt in die zweite Reihe“ in Aussicht gestellt.

„Hätte noch ein Jahr drangehängt”

Somit endet das Projekt GW Nottuln nach nur 25 Spielen und ohne echten Abschluss. „Das ist natürlich komplett unbefriedigend“, erklärt der Stadtlohner. Hätte er im Herbst 2020 gewusst, wie sich die kommenden Monate entwickeln sollten, dann hätte er „sicher noch ein Jahr drangehängt“. So sollte die gemeinsame Zeit eigentlich nicht enden.

„Das ist nun aber einmal nicht zu ändern“, so Niehues, der ebenso zugibt, dass in der „Zwangspause“ das Feuer für den Fußball in ihm schon wieder „aufgeflackert“ sei.

Es bleibt auch ein wenig Wehmut: Auch wenn man sich auf die Entscheidung des Verbandes, die Saison Mitte April zu annullieren, vorbereiten hätte können, so habe er schon „eine kleine Träne verdrückt“, als das vorzeitige Saisonende Fakt wurde: „Da war irgendwie auch klar, dass wir uns mit der Mannschaft auf dem Platz nicht mehr sehen werden.“

Und so wuchs nach diesen zwei unvollendeten Spielzeiten auch das Gefühl, dass „ich irgendwie nie richtig angekommen bin“. Das bezieht er ausdrücklich nicht auf die Zusammenarbeit im Verein und mit den Spielern.

Viele gute Ansätze konnten nicht etabliert werden

Ganz im Gegenteil: „Das war eine richtig coole Zeit. Wir haben uns gemeinsam viele gute Ansätze erarbeitet. Aber: Uns wurde die Chance genommen, diese zu etablieren.“ Viele Prozesse bleiben nun „gefühlt unvollendet“. Wobei er einschränkt: „Vollendet wäre vieles auch nach den zwei kompletten Saisons nicht gewesen, das hätte sicher noch ein, zwei Jahre gebraucht.“

Aber dadurch, dass er sich mit dem freiwilligen Rückzug zum Ende der Saison 2020/21 „selbst ausgeklinkt“ habe, sei es so gekommen.

Speziell zu Beginn der zweiten Saison habe Jens Niehues das Gefühl gehabt, man hätte sich gemeinsam „gerade eingegroovt“: „Ich bin überzeugt, dass wir eine richtig gute Westfalenligasaison gespielt hätten.“ Doch nahm dann der zweite Lockdown im Oktober Trainerteam und Mannschaft den Wind aus den Segeln.

Dass die gemeinsame Zeit dennoch Früchte tragen wird, davon ist Jens Niehues ebenfalls überzeugt: „Die Mannschaft war enorm wissbegierig, die Entwicklung war permanent sichtbar. Ich denke, jeder hat trotz dieser Umstände was mitnehmen können.“

Niehues beim Blick in die Zukunft „entspannt”

Im Sommer übernimmt bei Grün-Weiß nun Yannick Gieseler, Jens Niehues bleibt beim Blick in die Zukunft „ganz entspannt“. Das Spektrum an Optionen, das er für sich entdecken könnte, sei durch die unfreiwillige Auszeit durchaus wieder breiter geworden. „Natürlich habe ich auch nach links und rechts geschaut. Ich bleib dran, werde mich fortbilden, habe die Zeit genutzt, um mir Ideen zu beschaffen.“ Auch Hospitationen sind denkbar. Konkret ist aber noch nichts. Und da macht sich der Stadtlohner auch keinen Stress.

Sicher sei aber, dass er sich vom Team noch einmal persönlich verabschieden wird – bestenfalls natürlich in geselliger Runde, wenn dies wieder gestattet ist. „Und vielleicht lässt mich der neue Trainer ja mal mit im Eck spielen“, schmunzelt er. Dann hätte er auch den erhofften Abschied auf dem Platz genossen. Vorerst wird aber vor allem die rote Asche die sportliche Heimat des Familienvaters bleiben.

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