Das Kassenhäuschen ist bei Eintracht Ahaus derzeit ebenso wenig besetzt wie bei anderen Vereinen. Zuschauer-Einnahmen sind aber nicht das einzige, was fehlt. © Markus Gehring
Corona und Sport

Kein Sport, keine Kohle? So wirkt sich der Lockdown bei Eintracht, SuS und SpVgg aus

Die Coronakrise trifft auch Sportvereine, bei denen derzeit fast alles stillsteht. Wir haben uns umgehört, was sie sparen, was ihnen fehlt und ob sie etwa ihre Fußballer weiterhin bezahlen.

Seit Anfang November liegt der Sportbetrieb in den Amateurvereinen nahezu komplett brach – nach dem Lockdown im Frühjahr bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Wie wirkt sich das auf die Kassen der Klubs aus? Wir haben bei drei Vereinen, Eintracht Ahaus, SuS Stadtlohn und SpVgg Vreden, nachgefragt.

Ihre Etats für 2020 haben die Sportvereine in der Regel bereits im vergangenen Jahr festgezurrt. Da wusste noch niemand, dass Covid19 das Leben und natürlich auch den Sport derartig beeinträchtigen würde. Insofern konnten die Klubs mit einigen festen Einnahmen kalkulieren, an denen auch die Coronakrise nicht gerüttelt hat: Mitgliederbeiträge, Sponsorengelder oder Fördermittel vom Land zum Beispiel.

Stefan Kappenstiel: „Wir müssen momentan kämpfen“

Auch die Ausgaben versuchen die Vereine im Vorfeld immer so gut wie möglich zu erfassen. Hier sind neben Betriebs- und Materialkosten oder Steuer- und Verbandsabgaben auch die Mitarbeiter ein wesentlicher Faktor. Seien es hauptamtliche Mitarbeiter, ehrenamtliche Trainer oder Sportler, die eine Aufwandsentschädigung erhalten. Was kommt unterm Strich dabei heraus, wenn gar kein Sport im Verein stattfinden darf?

„Wir müssen momentan kämpfen, genau wie jeder andere Verein auch“, sagt Stefan Kappenstiel, Vorsitzender bei Eintracht Ahaus. „Bis jetzt können wir das noch stemmen, aber wer, weiß, wie es im nächsten Jahr aussieht? Denn auch einige unserer Sponsoren sind sicherlich von der Krise getroffen. Bislang sind wir aber froh und dankbar, dass sie alle weiterhin dabei sind.“

Bei den Ahausern sei der bislang schwerwiegendste Einnahmen-Ausfall das fehlende Sommer-Turnier um den Eintracht-Pokal gewesen. Zehn Tage Eintrittsgelder, Bier- und Bratwurstverkauf – da fehlen schon einige Scheine in der Kasse. Zuschauer-Einnahmen bei den Landesligaspielen seien hingegen kein entscheidender Faktor, das zahlende Publikum strömt an den Sonntagen schon länger nicht mehr in Massen in den Stadtpark, heute Augenklinik Ahaus Arena.

Die Krise grenzt aber bei den Ahausern auch die Kosten etwas ein. Zum Beispiel bei den Ausgaben für die Fußballspieler. „Bei uns läuft das ja weitgehend über eine Aufwandsentschädigung“, erklärt Stefan Kappenstiel. „Wenn aber kein Aufwand vorhanden ist, gibt es auch keine Entschädigung dafür.“

SuS-Kicker erhalten weiterhin Aufwandsentschädigung

Beim SuS Stadtlohn haben die Bezirksliga-Kicker während des ersten Lockdowns im Frühjahr auf 25 Prozent ihrer Entschädigung verzichtet, wie Wilfried Steinhage berichtet. Der Vorsitzende des SuS halte eine solche Maßnahme derzeit aber nicht für nötig. „Das läuft zurzeit normal durch, immerhin trainieren die Spieler ja auch weiterhin, wenn auch nicht auf dem Sportplatz.“

Der SuS Stadtlohn als Mehrspartenverein hat aber nicht nur die Fußballer im Blick. Denn auch für andere Abteilungen müssen Sportanlagen und -Geräte sowie die Gebäude auf dem Vereinsgelände weiter in Schuss gehalten werden. Hier ließen sich also kaum Kosten sparen. „Es ist schon schwierig im Moment“, sagt Wilfried Steinhage. „Denn bis auf ein paar Reha-Kurse dürfen wir ja nichts an Sport anbieten. Und gerade mit den fehlenden Kursen brechen uns spürbar Einnahmen weg.“

Auch durch die fehlenden Heimspiele der Fußballer werde am Ende der Saison ein hoher vierstelliger Betrag auf der Einnahmenseite fehlen – sofern sich Annahme bestätigt, dass die Saison nicht komplett zu Ende gespielt wird.

Dann sei da noch die Frage nach der Geduld der Mitglieder, die über Wochen und Monate keinen Sport im Verein treiben dürfen. „Es kommen schon vereinzelt die Nachfragen, ob wir denn die Mitgliederbeiträge einziehen, obwohl wir ja zurzeit gar keinen Sport anbieten.“ Das werde der SuS tun, doch hier habe der Vorstand sich auch schon etwas überlegt, um seine über 3000 Mitglieder ohne das gewohnte Angebot „bei Laune zu halten“, wie es der Vorsitzende sagt.

Vredener Trainer bereit, auf Aufwandsentschädigung zu verzichten

Bei der SpVgg Vreden sieht es ähnlich aus wie bei den Ahausern. Auch die Blau-Gelben sind ein reiner Fußballverein, auch sie müssen in dieser Saison auf gewohnte Einnahmen verzichten. „Ein großes Problem ist, dass wir unsere Hallenturniere in diesem Jahr nicht austragen dürfen“, sagt der Vereinsvorsitzende Christoph Kondring. Natürlich fehlen dem Oberligisten auch im Ligaalltag Einnahmen durch potenziell einige Hundert Zuschauer, die normalerweise Eintritt zahlen und Verpflegung kaufen würden.

Kompensiert werden die fehlenden Einnahmen laut Kondring aber „dadurch, dass unsere Trainer bereit sind, auf ihre Aufwandsentschädigung zu verzichten.“ Auch bei den Spielern könne sich die SpVgg derzeit die Fahrtkosten einsparen. „Das sehen bei uns eigentlich alles ganz entspannt.“ Dennoch hält Christoph Kondring fest: „Für Vereine kann es jetzt nur heißen, das Geld zusammenzuhalten.“

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Sportredaktion Ahaus

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