Am ersten Spieltag der Kreisliga A1 entführte GW Lünten im Derby drei Punkte aus Ammeloe. Ob es noch zu einer Revanche kommen wird, das ist aktuell noch nicht absehbar. Der Kreisfußballausschuss hofft aber weiter auf die Durchführung einer kompletten Serie. © Raphael Kampshoff
Fußball

Kreisvorsitzender zur Saisonwertung: „Gewisses Maß an Gerechtigkeit bewahren“

Wie ist die 50-Prozent-Regelung für eine Wertung bei einem möglichen erneuten Abbruch der Fußballsaison auszulegen? Im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld hat man dazu eine eindeutige Meinung.

Für ein wenig Stirnrunzeln bei den Vereinsverantwortlichen hatte die Ankündigung des FLVW-Vize Manfred Schnieders, zuständig für den Bereich Amateurfußball in Westfalen, gesorgt, dass zu einer Wertung der aktuell unterbrochenen Saison 2020/21 50 Prozent der gesamten Spiele notwendig sind.

Es müsse folglich keinesfalls zwangsläufig eine komplette Halbserie abgeschlossen werden. Hieße im Umkehrschluss: Einige Vereine könnten bei einem möglichen Abbruch mit 20 ausgetragenen Partien nach Quotientenregel gewertet werden, andere womöglich – zum Beispiel coronabedingt – nur mit zehn.

Einige Kreisvorsitzende hatten bereits große Bedenken angemeldet – auch Willy Westphal, Kreisvorsitzender im hiesigen Fußballkreis Ahaus/Coesfeld, sieht die Dinge anders: „Meine Meinung ist ganz klar: Unser Ziel muss es sein, eine komplette Hinrunde hinzubekommen, sollte eine gesamte Saison nicht mehr durchführbar sein.“

Sprich: Jeder Verein sollte einmal gegen jeden Gegner gespielt haben. Und Westphal geht sogar einen Schritt weiter: Sollte die Luft nach Abschluss einer Halbserie hintenheraus zu dünn werden, dann sollte auch nicht mehr mit der Rückrunde begonnen werden. Mit der dann womöglich notwendigen Quotientenregel sei der Spielraum für Wettbewerbsverzerrungen zu hoch. „Dann besser der klare Schnitt.“

„Noch ist eine komplette Saison möglich“

Dass eine eigene Regelung für die Kreise möglich ist, das bestätigt Willy Westphal. Es gibt schließlich auch Durchführungsbestimmungen sowohl vom FLVW als auch von den FLVW-Kreisen. Folglich kann es durchaus unterschiedliche Wertungssysteme für die Kreisligen und die Bezirksligen aufwärts geben. Wie man im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld vorgehen will, darüber verständigte sich der Kreisfußballausschuss (KFA) schon einmal am Montag. Den Grundtenor gibt Willy Westphal wieder: „Noch ist eine komplette Saison mit Wochenspieltagen möglich.“

Eng werde es allerdings bereits, wenn man erst im Februar mit ersten Nachholspielen starten kann – die Verlängerung des Teil-Lockdowns zumindest bis zum 20. Dezember lässt schon darauf schließen. „Selbst wenn die Mannschaften ab Januar das Training wieder aufnehmen dürfen, sind wir mit der zugestandenen Vorlaufzeit und den Platzverhältnissen vielerorts schnell im Februar“, blickt Westphal voraus. Dann seien in Bezug auf eine gesamte Spielzeit 2020/21 auch im Kreis mit den 16er-Staffeln „irgendwann die Grenzen des Machbaren ausgeschöpft“. Geplante Fortsetzung der Saison wäre am 28. Februar, es gilt nun bereits, sechs Spieltage nachzuholen.

Abschluss einer kompletten Halbserie muss das Ziel sein

Für diesen Fall präferiere der KFA die Lösung, eine komplette Halbserie hinzubekommen. „Das sollte dann auch machbar sein – auch witterungstechnisch“, glaubt Westphal an wenig Raum für denkbare „Manipulationen“, die Manfred Schnieders angebracht hatte. Diese äußerte die Bedenken, dass Vereine zum Beispiel durch „Absagen“ das Beenden eine Halbserie und damit die Wertung einer kompletten Saison einer gesamten Liga blockieren könnten.

An dem von Manfred Schnieders angekündigten Modell kritisiert Westphal die mögliche Ungerechtigkeit: „Dann werden Vereine am Ende sagen, dass sie zweimal gegen den Ersten spielen mussten, andere mussten womöglich noch gar nicht gegen Spitzenteams spielen.“

Der Kreisvorsitzende Willy Westphal stellt klar, dass der Kreisfußballausschuss bei Abbruch und Anwendung der 50-Prozent-Wertung die Lösung vorzieht, dass eine komplette Hinrunde zur Wertung absolviert werden muss.
Der Kreisvorsitzende Willy Westphal stellt klar, dass der Kreisfußballausschuss bei Abbruch und Anwendung der 50-Prozent-Wertung die Lösung vorzieht, dass eine komplette Hinrunde zur Wertung absolviert werden muss. © Michael Schley © Michael Schley

Diese Regelung zöge man beim Verband vermutlich mit Blick auf die Oberliga Westfalen in Betracht, in der eher 50 Prozent der gesamten Spiele denn von jeder Mannschaft eine komplette Hinserie realistisch erscheinen. „Da muss man sich letztlich auch selbstkritisch hinterfragen, ob man letztlich den Wunsch der Vereine auf eine komplette Runde mit 40 Spieltagen nicht besser überstimmt hätte. Die Abstimmung war schließlich sehr knapp.“ Aufgabe des Verbandsfußballausschusses sei es vornehmlich dafür sorgen, dass „die Saison funktioniert“. Nun müsse man „das Beste draus machen“. „Wir müssen uns bei all den Unwägbarkeiten ein gewisses Maß an Gerechtigkeit bewahren“, erklärt Willy Westphal.

Kreispokalwettbewerb ist auch „sehr wichtig“

Als Pokalspielleiter hat er parallel auch noch den unterbrochenen Kreispokalwettbewerb im Blick: „Der ist uns auch sehr wichtig“, betont der Kreisvorsitzende. Priorität genieße selbstverständlich das Ziel, die Saison irgendwie zu einem zufriedenstellen Abschluss – sprich mit Wertung – zu bringen. Gegebenenfalls könne man den Pokalwettbewerb auch „hinten anhängen“, wenn sich bei der Option, nur eine Hinserie zu spielen, Räume ergeben.

Zunächst einmal hofft Willy Westphal, dass im Januar wieder ein gewisser Grad an Trainingsbetrieb gestattet wird. „Da müssen wir natürlich erst einmal die Zahlen abwarten.“ Sollten Freiräume geschaffen werden, dann werde der Fußballkreis keine Einschränkungen treffen. „Sofern die Witterung es zulässt, würde es uns freuen, wenn vor allem der Nachwuchs wieder in die bekannten Strukturen zurückkehren kann. Dann bestenfalls abgestimmt mit den Eltern“, so Westphal. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigte am Mittwoch an, dass er bei sinkenden Infektionszahlen zuerst in den Bereichen Jugendsport und Kultur Lockerungen vornehmen will.

Bei all den Unwägbarkeiten wünscht Willy Westphal den Vereinen auf Basis der erteilten Planungssicherheit, dass in 2020 kein Ball mehr um Punkte rollen wird, Ruhe und Gelassenheit. Er behält sich weiter die Zuversicht, dass man eine komplette Spielrunde zumindest im Kreis hinbekommt. Auch wenn die Signale der Politik diese von Tag zu Tag schwinden lassen…

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