Einen Präsentkorb übergab Redaktionsleiter Bernd Schlusemann im Namen der Münsterland Zeitung an Werner Kumbrink für dessen ungewöhnlich lange Zeit als Freier Mitarbeiter. © Sascha Keirat
50 Jahre Freier Mitarbeiter

Nach dem Fußball warteten die Fans sehnlich auf Werner Kumbrink

Vielleicht war es ein Omen, dass Werner Kumbrink 1947 an der Van-Delden-Straße 8 zur Welt kam. Denn genau in diesem Gebäude befindet sich heute die Sportredaktion, für die er seit 50 Jahren arbeitet.

Borussia Mönchengladbach wird zum zweiten Mal Deutscher Meister. In Ahaus steigt die Eintracht von der Verbands- in die Landesliga ab. Wir schreiben das Jahr 1971. Und bei der Ahauser Zeitung, damals noch unter dem Titel Ruhr Nachrichten, sammelt Werner Kumbrink seine ersten Erfahrungen im Journalismus. Diesem ist der Rentner bis heute treu geblieben und blickt auf mittlerweile 50 Jahre als Freier Mitarbeiter zurück. Eine bemerkenswerte Zahl.

Einen Blickfang in Werner Kumbrinks Wohnung stellt die Vitrine mit seinen Auszeichnungen für jahrelange ehrenamtliche Arbeit im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld dar. Als Schiedsrichter, vor allem aber in der Jugendarbeit hat sich der heute 74-Jährige verdient gemacht. Seiner großen Leidenschaft für das runde Leder geht der Ahauser auch heute noch nach.

„50 Jahre im Hauptberuf sind schon ungewöhnlich, aber 50 Jahre als Freier Mitarbeiter, das ist etwas ganz Besonderes und macht uns als Münsterland Zeitung auch stolz“, sagt Redaktionsleiter Bernd Schlusemann, während er Werner Kumbrink einen Präsentkorb als kleine Anerkennung für dessen jahrzehntelanges Engagement überreicht.

Beruflich war Kumbrink eigentlich auf anderen Pfaden unterwegs. Bereits kurz vor seinem 14. Geburtstag begann er 1961 seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Jutespinnerei in Ahaus. Nach seinem Engagement beim Bauunternehmen Enning in Ahaus sowie dem Dienst bei der Bundeswehr begann er bei der Gemeinde Legden, in deren Verwaltung er insgesamt 41 Jahre lang arbeiten sollte. Immer im Bereich Finanzen.

Auch als Jugendobmann des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld ging Werner Kumbrink lange seiner Leidenschaft für den Fußball nach.
Auch als Jugendobmann des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld ging Werner Kumbrink lange seiner Leidenschaft für den Fußball nach. © Archiv © Archiv

Zahlen sollten auch das erste Gebiet sein, mit dem er sich als Freier Mitarbeiter bei der Zeitung befasste. Über Werner Beckers, damals Vertriebsleiter der Ahauser Ruhr Nachrichten und gleichzeitig 2. Vorsitzender bei Eintracht Ahaus, kam der Kontakt zustande. „Meine Aufgabe bestand zunächst darin, die Tabellen der Kreisligen zu rechnen – damals noch handschriftlich auf einem DIN-A4-Blatt“, erinnert sich Kumbrink. Die Spielberichte wurden per Schreibmaschine verfasst und telefonisch an andere Redaktionen, etwa im Kreis Steinfurt, übermittelt.

Fans warteten vor dem Fenster auf Ergebnisse

Ein eigenes Ressort für den Lokalsport gab es seinerzeit noch nicht, trotzdem wurde natürlich über die schönste Nebensache der Welt berichtet. In Zeiten lange vor dem Internet war das Schaufenster des Verlagsgebäudes an der Van-Delden-Straße sonntagsnachmittags Sammelpunkt für die Ahauser Fußballfans, wie Werner Kumbrink noch gut im Gedächtnis hat: „Sobald wir alle Ergebnisse zusammen hatten, habe ich Zettel ins Fenster gehängt – die Leute standen oft in drei Reihen davor um zu erfahren, wie die Spiele ausgegangen sind.“

Im Laufe der Jahre begann Kumbrink an der Seite der Kollegen Josef Vos und Heinz Werger sowie später dem ersten „offiziellen“ Sportredakteur Bernhard Mathmann auch mit dem Schreiben: Spielberichte aus den Kreisligen waren nun neben der Statistik sein Steckenpferd. „Gut gefallen hat mir daran, dass ich auch kreativ werden konnte statt mich nur mit Zahlen zu beschäftigen.“ Die Berichte gingen per Rohrpost in die Setzerei, ehe die Druckplatten per LKW zur Druckerei nach Dortmund gefahren wurden.

Telefonhörer, Stift und Zettel zählen seit Beginn seiner Tätigkeit in der Sportredaktion zu den wichtigsten Utensilien für Werner Kumbrink.
Telefonhörer, Stift und Zettel zählen seit Beginn seiner Tätigkeit in der Sportredaktion zu den wichtigsten Utensilien für Werner Kumbrink. © Bernhard Mathmann (A) © Bernhard Mathmann (A)

Die Arbeitsweise hat sich durch PC und Internet in den 1990er und 2000er Jahren massiv verändert – und in vielen Bereichen vereinfacht. „Mit dem Computer konnte ich mich zunächst nicht so recht anfreunden“, sagt Werner Kumbrink. „So lange es ging, habe ich auf der Schreibmaschine geschrieben.“

Dass die digitale Welt, vor allem beim Sammeln und Verarbeiten von Fußballdaten, eine Erleichterung darstellte, erkannte Kumbrink aber gleichermaßen. Dass er weitere 20 Jahre später sogar mal einen Liveticker auf der Homepage der Münsterland Zeitung bedienen würde – zu Beginn seiner Tätigkeit unvorstellbar für den Ahauser.

Immer noch reizvoll

Die Geschehnisse von den Fußballplätzen der Region sonntags aus erster Hand zu erfahren, das reizt Werner Kumbrink auch heute noch. So wird er auch in der Saison 2021/22 wieder regelmäßig zum Hörer greifen, um den Lokalsport-Lesern spätestens am Montagmoren in der Zeitung Ergebnisse und Torschützen zu liefern.

Und wer weiß, vielleicht erlebt Werner Kumbrink auch noch einmal Mönchenglachbach als Deutschen Meister oder Eintracht Ahaus als Verbandsligisten.

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Sportredaktion Ahaus

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