Die Ü30-Frauen des FC Oeding wurden 2011 Westfalenmeister. Nach ihrer Auflösung hat es im Fußballkreis kein weiteres Team in den Ü-Klassen gegeben. © Archiv
Fußball

Nur ein Team in ganz Westfalen gemeldet: Warum gibt es kaum „Alte Frauen“?

Insgesamt 974 Männermannschaften in den Altersklassen über 32 waren 2020 westfalenweit gemeldet. Und bei den Frauen? Genau eine. Warum ist das so? Wir haben versucht, Antworten zu finden.

Dass im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) mehr männliche als weibliche Sportler aktiv sind, das ist schon lange Fakt. Von rund 13.000 gemeldeten Mannschaften im Verband sind gerade mal knapp über 1000 Mädchen- oder Frauenteams. Besonders eklatant wird der Unterschied, wenn man auf den Ü-Bereich schaut. Hier stand den 974 männlichen Teams 2020 nur ein einziges weibliches gegenüber: die Ü30 des VfB Schildesche in Bielefeld.

Diese Zahlen liefert die Mitgliederstatistik des FLVW. Zum Vergleich die Zahlen von vor zehn Jahren: 2010 waren noch 1490 männliche Teams gemeldet, während 22 bei den Frauen registriert waren. Das zeigt, dass ein erheblicher Schwund auch bei den Männern vorhanden ist.

Doch warum organisieren sich heute kaum noch Spielerinnen jenseits der 30 zu Mannschaften? Christel Behmenburg vom Fußballkreis Ahaus/Coesfeld, in dem es gar keinen Spielbetrieb im Ü-Bereich gibt, kann da nur mutmaßen: „Ich denke, dass Familie und Beruf die Hauptgründe sind. Grundsätzlich finde ich das sehr schade, denn ich weiß, dass auch viele Frauen über 30 gern noch spielen würden, aber nicht mehr unbedingt in den regulären Mannschaften“, so die langjährige Spielerin von Fortuna Seppenrade.

Grundsätzlich großes Interesse am Frauenfußball

Dass das Interesse von Frauen am Fußball im Kreis grundsätzlich vorhanden ist, zeigen die Meldezahlen für die Saison 2021/22: 9 Mannschaften in der Landes- und Bezirksliga, 15 in der Kreisliga A und sogar 19 in der Kreisliga B. Hinzu kommen 84 Mädchenteams – mit solchen Zahlen kann kaum ein anderer Kreis in Westfalen aufwarten.

Doch in den Vereinen seien es dann später doch zu wenig Spielerinnen für eine ganze Ü30- oder gar Ü35-Mannschaft, wie Christel Behmenburg sagt. „Und wenn man beispielsweise eine Mannschaft übers ganze Kreisgebiet gründen würde, wären die Fahrten zu weit.“ So spielten diejenigen, die auch jenseits der 30 noch Spaß am Kicken haben, meist in den regulären Frauenteams weiter – oder hängen die Schuhe an den Nagel.

Im Nachbarkreis Steinfurt hingegen fand sich in den vergangenen Jahren immer eine recht aktive „Alte Frauen“-Szene. Etwa bei Borussia Emsdetten, oder auch beim SC Preußen Borghorst, der 2014 sogar inoffizieller Deutscher Meister in der Ü35 wurde.

Marianne-Finke-Holtz, Vizepräsidentin des FLVW und selbst noch hin und wieder bei Preußen Borghorst am Ball, erklärt zum Thema Mannschaftsmeldungen: „Es ist nicht so, dass es in ganz Westfalen nur eine Mannschaft gibt.“ Sie überschlägt, dass es etwa sechs bis zwölf Mannschaften im Ü-Bereich sein müssten. Hier sei der Wettkampfgedanke jedoch längst nicht so ausgeprägt wie bei den männlichen Altersgenossen.

Das ist auch im Kreis Ahaus/Coesfeld so. Hier flammte das Thema vor zehn Jahren nur für kurze Zeit sichtbar auf: Beim FC Oeding bildete sich ein Ü30-Team, bestehend aus vielen vormaligen Regionalligaspielerinnen, die 2011 auf Anhieb Westfalenmeister wurde. Doch seit Jahren treffen sich einige davon nur noch sehr sporadisch. „Das sind dann meist fünf, sechs Spielerinnen, die dann bei unserer zweiten Mannschaft mittrainieren“, erklärt Meike Roters, Landesliga-Trainerin beim FC.

Vier Teams bei der letzten Westfalenmeisterschaft

„Die meisten Frauen-Mannschaften bewegen sich im reinen Freizeitbereich, also ohne Spielerpässe und Verpflichtungen. Sie verabreden sich für Freundschaftsspiele oder nehmen zum Beispiel an der Westfalenmeisterschaft teil“, so Marianne Finke-Holtz. Diese wird seit 1999 ausgetragen, jede interessierte (Hobby-)Mannschaft kann sich dafür anmelden. Bei der bislang letzten Auflage 2019 nahmen nur vier Teams teil.

Der FLVW würde es schon begrüßen, wenn sich in dem Bereich etwas mehr tun würde. Marianne Finke-Holtz: „Wichtig ist vor allem, dass wir weiterhin das Angebot schaffen.“

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Sportredaktion Ahaus

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