Johannes Wehning im Signal Iduna Park. Ein Stadion hat der Präsident der Südlohner BVB-Fans lange nicht von innen gesehen. © privat
Fußball

Präsident der Südlohner BVB-Fans fürchtet Entfremdung nach Corona

Bis zum ersten Lockdown war er wann immer es ging im Stadion. Mit jeder Woche, die ohne das Live-Erlebnis vergeht, macht sich der Fanclub-Chef mehr Gedanken, auch über die Missstände im Fußball.

In den BVB Fanclub Südlohn ist er quasi hineingeboren worden. Schließlich zählte sein 2016 verstorbener Vater Josef Wehning zu den Mitgründern im Jahr 1995. Heute ist Johannes Wehning selbst Präsident des Fanclubs. Und vor Corona nahm er jede Möglichkeit wahr, die Dortmunder Borussen live im Stadion spielen zu sehen. Mit einer Dauerkarte auf der Südtribüne.

Das letzte Mal ist allerdings schon eine Weile her. „Das war am 7. März 2020 in Gladbach, direkt vor dem Lockdown“, erinnert sich der 25-Jährige ganz genau. Auch andere Daten wichtiger BVB-Spiele kann er wie aus der Pistole geschossen nennen. So seien etwa das gewonnene Pokalfinale 2017 in Berlin, das Heimspiel gegen Inter Mailand im November 2019 oder der 3:0-Derbysieg gegen Schalke im Februar 2015 für ihn persönlich Highlights der vergangenen Jahre gewesen. Sein erstes Mal im Dortmunder Fußballtempel war ein 4:0-Erfolg über den VfL Bochum im Jahr 2004.

Das Revierderby im März 2020 war das erste Bundesligaspiel, bei dem Johannes Wehning und alle anderen Fans im Zuge der sich ausbreitenden Epidemie „ausgesperrt“ worden sind. „Gerade in den ersten Wochen war das schmerzhaft, es tat extrem weh, plötzlich nicht mehr ins Stadion zu dürfen.“ Seither habe er nur ein einziges Fußballspiel live gesehen: BVB II gegen RW Essen in der Regionalliga Mitte September.

An die Wochenenden ohne Stadionbesuch habe sich der Weseker mittlerweile gewöhnt – und sich viele Gedanken über die Missstände im Fußball gemacht. „Ich muss schon sagen, dass mit jeder Woche ohne Stadionbesuch die Entfremdung wächst. Die Coronapause hätten die Vereine und Verbände nutzen können, um die großen Probleme wie Kommerzialisierung und Anstoßzeiten anzugehen. Aber leider ist immer noch alles beim Alten.“

Auch wenn sich ein gewisser Verdruss eingestellt habe, würde der Fanclub-Vorsitzende sofort wieder ins Stadion gehen, wenn es erlaubt wäre. „Aber erst, wenn alles wieder möglich ist, was dieses Erlebnis ausmacht: die Begegnungen, das Gruppenerlebnis, das gemeinsame Mitfiebern – all das würde unter den jetzigen Bedingungen natürlich verloren gehen.“

Kein Fan von Geisterspielen

Und Geisterspiele im Fernsehen? Auch die sind grundsätzlich so gar nicht Johannes Wehnings Ding. „Klar habe ich die BVB-Spiele größtenteils gesehen, gerade die wichtigen gegen Schalke oder Bayern. Aber es ist bei mir nicht mehr so, dass die Wochenenden komplett für den Fußball reserviert sind.“ So habe der Verwaltungsfachangestellte – in der Jugend als Kicker bei Adler Weseke aktiv – mittlerweile andere Hobbys wie Radfahren und Schwimmen für sich entdeckt.

So entscheide er oftmals spontan, ob er den Fernseher anschalte, oder sich die Zeit anders vertreibe. Öfter habe er nun aber, als die Corona-Regeln noch lockerer waren, die Möglichkeit wahrgenommen, beim Fanclub in Südlohn (auf dem Papier rund 60 Mitglieder) Präsenz zu zeigen. „Das war natürlich ein Vorteil der ganzen Situation.“ Das Heimspiel am Samstag gegen Mainz 05 verfolgte der Weseker übrigens per Livestream ganz in der Nähe des Stadions.

Grundsätzlich sieht der 25-Jährige in der derzeitigen Situation aber auch eine Gefahr: „Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Fans so geht wie mir und dass die Entfremdung zunimmt. Je länger keine Stadionbesuche möglich sind, wenn das Ganze sich vielleicht noch Jahr lang ziehen sollte, könnten sich viele vom Fußball abwenden und weniger in die Stadien gehen.“

Den Teufel an die Wand malen will Johannes Wehning nicht, aber ein durch und durch glücklicher Fußballfan ist er in diesen Wochen nicht.

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Sportredaktion Ahaus

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