Derzeit bleiben den Fußballern kaum andere Möglichkeiten, als online gemeinsam zu trainieren, wie hier das Oberliga-Team der SpVgg Vreden. © Screenshot Sascha Keirat
Fußball

Skurrile Vorbereitung: So gehen Trainer und Spieler mit der Lage um

Die Fußballer dürfen seit fast drei Monaten nicht mehr auf die Plätze. Und sie wissen auch nicht, wann das wieder erlaubt ist. Wir haben uns umgehört, wie die Beteiligten damit umgehen.

Viele Amateur-Fußballteams stehen derzeit mitten in der Vorbereitung. Doch worauf eigentlich? Wie in den meisten anderen Bereichen des Lebens gibt es auch im Sport derzeit mehr Fragen als Antworten.

„Es ist wirklich nicht einfach“, sagt Martin Arends, Trainer vom SuS Stadtlohn II in der Kreisliga A1. „Normalerweise hast du ein Datum und an dem richtest du dann deine komplette Vorbereitung aus.“ Doch ein Tag X, an dem die Kicker wieder trainieren, geschweige denn spielen dürfen, ist weiterhin nicht in Sicht. Was sollen die Trainer in dieser Situation tun? Einfach die Füße hochlegen? Das geht natürlich nicht.

Gerade Mannschaften in höheren Ligen können es sich kaum leisten, nicht topfit zu sein, wenn der Ball irgendwann wieder rollt. Engin Yavuzaslan, Trainer bei Oberligist SpVgg Vreden, hat seine Truppe nach kurzer Winterpause schon am 4. Januar wieder auf den virtuellen Trainingsplatz gebeten. Er versucht, seine Spieler neben den nötigen Aufgaben in Sachen Fitness, Ausdauer und Kraft auch mit spielerischen Elementen, etwa einem speziell erarbeiteten Wer-wird-Millionär-Quiz, bei Laune zu halten.

Yavuzaslan: Motivation schwindet noch nicht

Noch habe Yavuzaslan nicht den Eindruck, dass die Motivation seiner Akteure schwindet. Er hofft, dass zumindest das Training auf dem Platz in Kleingruppen bald wieder erlaubt sein wird. „Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass wir Mitte März wieder auf den Platz können. Bis dahin werden wir versuchen, unseren Rhythmus beizubehalten und variabel zu bleiben“, sagt der Trainer.

Online-Einheiten, die scheinen derzeit neben Laufplänen für die Kicker die einzige Trainingsmöglichkeit zu sein. Viele Mannschaften bis in die Kreisliga hinein nutzen diese Möglichkeit mittlerweile regelmäßig. Außerdem sind, wie schon m ersten Lockdown, Challenges, also teaminterne Wettkämpfe, ein Mittel der Wahl, um die Stimmung aufrechtzuerhalten.

Für Meike Roters vom FC Oeding ist aber auch das keine gewinnbringende Alternative. Sie und Trainer Markus Schmidt legen den Schwerpunkt eher auf eine andere Art des Teambuildings. „Wir spielen zurzeit öfter Jeopardy mit der Mannschaft mit fußballspezifischen Themen. Auch Bingo haben wir schon gespielt“, erzählt Meike Roters.

So oder so ähnlich versuchen alle Trainer, ihre Mannschaft auf irgendeine Weise bei Laune zu halten. Doch wie kommt das bei den Spielern an? „Ohne ein konkretes Datum zu haben, ist es schon nicht einfach, sich Woche für Woche zu motivieren“, sagt zum Beispiel Maximilian Hinkelmann von der SpVgg Vreden. Er betont aber, dass der Verein den Spielern ideale Rahmenbedingungen biete, unter den gegebenen Umständen zu trainieren.

Maximilian Hinkelmann: „Ball am Fuß ist der größte Spaßfaktor“

„Wir haben die Spinningräder zu Hause und machen damit zwei Einheiten pro Woche. Dazu kommt dann eine Laufeinheit am Wochenende, sodass man schon einen gewissen Rhythmus hat“, sagt Hinkelmann. Das runde Leder vermisst er nichtsdestotrotz. „Der Ball am Fuß ist nun mal der größte Spaßfaktor in unserem Sport. Da kann man für sich allein wenig machen. Daher hoffe ich, dass es bald wieder möglich ist, mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen.“

Im Kreise seiner Mitspieler wäre auch Maximilian Rhein vom SuS Stadtlohn gern mal wieder. Denn seit Mitte Dezember haben die gemeinsamen Einheiten der Bezirksligamannschaft nicht mehr stattgefunden. Jetzt ist selbstständiges Laufen und einmal wöchentlich Cybertraining mit dem Gesamtverein angesagt. „Über die Pause habe ich mich zuerst gefreut, aber jetzt fehlt einem das Zusammensein mit den Mitspielern schon, auch wenn es nur online ist“, sagt der Angreifer.

Natürlich zählen auch die individuellem Laufeinheiten für Fußballer, hier Justus Jaegers vom SuS Stadtlohn im vergangenen Frühjahr, zur Vorbereitung.
Natürlich zählen auch die individuellen Laufeinheiten für Fußballer, hier Justus Jaegers vom SuS Stadtlohn im vergangenen Frühjahr, zur Vorbereitung. © privat © privat

Noch mehr vermisst Maximilian Rhein aber „das Gesamtpaket Fußball“. Für ihn gehört deutlich mehr dazu als das reine Spiel. „Die ganze Gemeinschaft ist wichtig. Sei es beim Training, danach in der Kabine oder nach den Spielen, wenn man mit den Zuschauern ins Gespräch kommt.“

Relativ zufrieden äußert sich Thorben Stratmann, spielender Co-Trainer bei A-Ligist GW Lünten, über die derzeitige Lage. „Ich muss sagen, dass wir ganz gut unterwegs sind.“ Die Grün-Weißen teilen ihre Vorbereitung derzeit in zwei Bereiche auf, wie Stratmann erklärt: „Zum einen machen wir Lauf-Battles, wo immer zwei Spieler gegeneinander antreten und entweder auf Distanz oder Geschwindigkeit laufen. Zum anderen treffen wir uns einmal die Woche online zum Krafttraining. So haben wir zumindest auf dem Weg Kontakt und können uns mal austauschen.“

Allein an der Beteiligung merke man schon, dass die Motivation der Lüntener Spieler noch vorhanden sei. Grundsätzlich hätten aber auch sie gern ein Ziel ihrer Vorbereitung vor Augen.

Über den Autor
Sportredaktion Ahaus

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.