Ob es in der laufenden Saison noch weitere Derbys wie zwischen dem VfL Ahaus und dem TV Vreden II geben wird, das ist aus aktueller Sicht eher fraglich. Das für eine Fortsetzung des regulären Spielbetriebs durch den Verband fixierte Datum 1. März ist für die hiesigen Verantwortlichen kaum haltbar. © Johannes Kratz
Handball

Spielbetrieb ab 1. März? Bei Handballern in der Region ist der Tenor eindeutig

Der Handballverband Westfalen hat eine Deadline für den Re-Start fixiert. Von der Fortführung des regulären Spielbetriebs gehen die hiesigen Klubs eher nicht aus. Das zeigt eine Umfrage.

Einen Fahrplan hat der Handballverband Westfalen (HVW) seinen Mitgliedsvereinen an die Hand gegeben (wir berichteten). In Kürze zusammengefasst: Sollte ab dem 1. März ein flächendeckender Spielbetrieb umsetzbar sein – zumindest von der Ober- bis zur Landeliga –, dann würde eine Einfachrunde mit Wertung durchgeführt. Ist dieser Termin nicht zu halten, so wird der Abstieg ausgesetzt und es werden zwei Alternativen angeboten: eine Aufstiegsrunde für ambitionierte Mannschaften sowie eine „Spaßrunde“, jeweils auf freiwilliger Basis.

Das Vorhaben, durch vermehrten Abstieg Schritt für Schritt die Strukturen von vor der vergangenen Abbruchsaison herzustellen, würde um ein weiteres Jahr verschoben. Eine Umfrage zeigt, dass die Pläne des Verbandes eher optimistischer Natur sind. Und ein erster Handballkreis hat die Saison bereits regulär für abgebrochen erklärt: der Kreis Hellweg.

Unabhängig von der Vorgehensweise des Handballkreises Münsterland ist der TV Vreden als Landesligist von dieser Planung auf Westfalenebene betroffen. Trainer Frank Steinkamp zeigt Verständnis dafür, dass der Verband nun einen Fahrplan präsentiert hat: „An irgendeinen Strohhalm muss man sich ja klammern, wir wissen in jedem Fall, woran wir sind.“ Angesichts der aktuellen Pandemie-Entwicklung denkt er eher, dass die Restsaison „ins Wasser fallen wird“.

TV-Trainer Steinkamp würde Partien auf Augenhöhe begrüßen

„Der 1. März wird nicht zu halten sein“, so Steinkamp. Sollte tatsächlich im Frühjahr eine Aufstiegsrunde auf freiwilliger Basis angeboten werden können, dann wäre der Coach erst mal nicht abgeneigt: „Wir sind ja punktgleich Tabellenführer, natürlich nach zwei Spielen ohne Aussage. Im Ernst: Ich traue der Mannschaft das obere Tabellendrittel zu und würde Spiele mit Anspruch gegen Gegner auf Augenhöhe vorziehen. Was am Ende dabei herauskäme, steht auf einem anderen Blatt Papier.“ Das wäre auch nicht so entscheidend, der Wettbewerb gegen Gegner mit eigener Kragenweite wäre wünschenswert. Realistischer sei aber der Blick Richtung Ende August, wo der Start der kommenden Saison 21/22 geplant ist.

In die gleiche Kerbe schlägt Samira Miemietz, Kapitänin des Bezirksligisten DHG Ammeloe/Ellewick. Das Datum 1. März sei eher eine „Wunschvorstellung“. Und sie nennt einen triftigen Grund – neben dem Umstand, dass es sich um einen Hallensport handele, was die Lage verschärfe: die Verletzungsgefahr. „Du kannst dich fit halten, online einiges simulieren. Aber gerade im Handball gibt es Bewegungsabläufe, die auch schwere Verletzungen nach sich ziehen können, wenn du sie aus dem Kalten machst“, so das Vorstandsmitglied.

DHG-Kapitänin: Vernünftige Vorbereitung ist das A und O

Derart unschöne Folgen habe es bereits nach dem ersten Sport-Lockdown im Frühjahr 2020 gegeben. Und auf dieser Basis setzt sie andere Prioritäten: „Zuallererst wäre doch ein Stück weit Alltag wünschenswert. Da täten ein paar Trainingseinheiten und Freundschaftsspiele schon gut.“ Natürlich zeige sie Verständnis für alle Mannschaften, die ambitioniert unterwegs seien: „Auch bei uns ist es nach dem Umbruch gut angelaufen, auch wir würden gerne noch ein Derby gegen Stadtlohn spielen. Alles verständlich.“

Wichtiger sei es aber, „irgendwie am Ball zu bleiben“. Und dabei denkt sie besonders an den Nachwuchs, der seit März 2020 gänzlich ohne Wettbewerb dasteht: „Das wir die größte Herausforderung, nicht zu viele junge Spieler zu verlieren.“ Sie erinnert dabei auch an die angelaufene Kampagne des Deutschen Handball-Bundes, die gerade in diese Richtung zielt: „Reiß kein Lücke!“

Verständliche Sorgen um den Nachwuchs macht sich auch Karsten van Almsick, Abteilungsleiter beim SuS Stadtlohn: „Viele Mannschaften waren schon vor Corona eng besetzt. Verlierst du nun Spieler, verlierst du gleich ganze Mannschaften. Das wird eine enorme Herausforderung, das Gesamtbild wird sich weiter verändern.“ Eine Herausforderung, die noch größer werde, als diese Saison noch irgendwie abzuschließen.

SuS-Abteilungsleiter: Regulärer Start der neuen Saison wäre wichtig

Dass man am 1. Februar in die Halle zurückkehren kann, um einen Monat darauf die Saison fortzusetzen, von diesem Gedanken hat sich der A-Jugend-Coach ebenso verabschiedet: „Im Freien wird sicher mehr möglich sein. In der Halle wird es nur eine schrittweise Rückkehr geben können. Man muss auch bedenken, dass wir uns mit anderen Mannschaften noch eine Halle teilen.“

In einer Vereinsabfrage habe sich der Handballkreis Münsterland bereits an die Vereine gewandt, um über Alternativpläne zu diskutieren. „Wenn denn noch ein paar Spiele im Frühjahr möglich werden, wäre das gut. Wichtiger wird sein, dass wir Ende August wieder halbwegs normal starten. Und lass es Oktober werden“, so van Almsick. Ein wenig Hoffnung setzt der Stadtlohner in die beginnende Handball-WM der Männer – trotz aller Kritik: „So bleibt auch der Handballsport ein wenig in der öffentlichen Wahrnehmung.“

Als „sicher wünschenswert“ erachtet auch Andreas Witt, Trainer der Herren beim VfL Ahaus, die Rückkehr auf die Platte: „Alle wollen spielen.“ Doch rein aus Trainersicht kann er sich mit dem Termin 1. März kaum anfreunden, Lockerungen, die dieses erlaubten, seien ebenso nicht zu erwarten. „Zum einen steht der Amateursport sicher nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Zum anderen können wir nicht nach gefühlt einem halben Jahr Pause gleich wieder in den Wettkampf treten“, so der Kreisliga-Coach.

VfL-Coach: Freundschaftsspiele wären ein erster Schritt

Mit jeder Woche, mit der sich ein Re-Start nach hinten verzögere, drängten dann schon wieder die Osterferien, die einen regulären Spielbetrieb erfahrungsgemäß nicht zulassen. Ein möglicher weiterer Grund, warum der Verband die Deadline 1. März fixiert hat. Sollten irgendwie noch Freundschaftsspiele möglich werden, dann werde man beim VfL „sicher nicht Nein sagen“.

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