Wettkampfpause statt Europameisterschaft hieß es für Steven Orlowski © Sascha Keirat
„Mein Sportjahr 2020“

Steven Orlowski: Ein Jahr von Highlight bis Ziellosigkeit

In unserer Serie „Mein Sportjahr 2020“ erzählen erfolgreiche Sportler aus der Region über ihre ganz persönlichen Erlebnisse. Heute: der Stadtlohner Langstreckenläufer Steven Orlowski.

Nachdem ich mich Ende des Jahres 2019 dazu entschlossen hatte, mich mehr auf meinem Laufsport zu konzentrieren und mein Studium hintenanzustellen, merkte ich schon im Training, dass ich dieses Jahr sportlich weiter nach vorne kommen kann.

Nach einem sehr guten Einstieg im Februar in Hilden, wo mir mit 46:53 Minuten der erste Platz und ein neuer Streckenrekord gelungen war, ging es für mich ins Ausland. In Barcelona fand am 16. Februar mein erstes großes Highlight der Saison statt, der Barcelona Halbmarathon mit rund 20.000 Läufern. Mein Ziel war es, dort meine Bestleistung über die 21,1 Kilometer zu verbessern. Diese stand bei 01:08:55 Stunden.

„Mir war bewusst, dass die Zeit fallen wird“

Durch meine Trainingswerte und mein Gefühl war mir schon vor dem Rennen bewusst, dass diese Zeit am Sonntagmorgen in Barcelona fallen wird. Ich lief das Rennen meines Lebens und bin einfach nur gelaufen, ohne auf die Stoppuhr zu sehen. Als ich auf die Zielgrade eingebogen bin, sah ich weit am Horizont eine ganz kleine Uhr. Die Zahl darauf konnte ich nicht erkennen, aber ich wusste, dass diese Zeit weit unter meiner alten Bestzeit lag. Ich bin immer nähergekommen und als ich sah, dass eine Zeit unter 01:05:00 Stunden drin war, habe ich noch mal alles mobilisiert und auf die Zähne gebissen.

Als ich über die Ziellinie gelaufen bin und die Uhr bei 01:04:50 Stunden stoppte, wurde mir selbst erst bewusst, was ich für ein Rennen abgeliefert hatte. Mit dieser Zeit habe ich mich gleichzeitig für die Europameisterschaft der Elite Anfang August in Paris empfohlen. Nach diesem Rennen habe ich mir erst mal eine kleine Auszeit genommen, ich wollte meinem Körper eine Pause gönnen. Ich hatte mich für diesen Halbmarathon acht Wochen speziell vorbereitet und war in diesem Zeitraum um die 1000 Kilometer gelaufen.

Nach meiner kurzen Pause ging es langsam wieder los mit dem Grundlagentraining. Womit ich aber nicht gerecht hatte: es begann langsam die Covid-19-Pandemie. Somit war keine Saisonplanung mehr möglich. Alle Straßenläufe wurden abgesagt, auch die Europameisterschaft. Das Training lief normal weiter, aber keine Ziele waren in Sicht. Das geht jetzt schon seit Monaten so.

Da ich persönlich am Olympiastützpunkt trainiere, darf ich weiterhin mit meiner Trainingsgruppe trainieren, was auch zur Motivation beiträgt. Meine Trainingspartner begleiten mich auf dem Rad, oder stehen auch morgens um 6 Uhr auf, damit man um 7 Uhr zusammen trainieren kann. Dann weiß man, dass man nicht alleine ist. Ich als Läufer habe kaum eine Einschränkung in meinem Lauftraining, aber natürlich in meinem Alternativtraining. Ich gehe sonst drei- bis viermal die Woche ins Fitnessstudio oder ins Wasser, was zurzeit leider nicht möglich ist.

„Ich bin froh, dass ich unterstützt werde“

Ich denke, alle Profisportler haben es zurzeit sehr schwer. Antrittsprämien, Leistungsprämien und anderes fallen weg und die Leute, die sozusagen in der zweiten Reihe stehen, haben es noch schwerer. Sie müssen genauso viel trainieren wie ein Profisportler, bekommen aber nicht dieselbe Unterstützung, zum Beispiel der Sporthilfe. Ich bin sehr froh, dass ich finanziell vom Verein und von meinem Arbeitgeber unterstützt werde.

Über den Autor
Sportredaktion Ahaus

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.