Keine Großveranstaltungen und wenig sportartgerechtes Training: Auch für Tabea Christ war 2020 ein sehr ungewöhnliches Sportjahr. © Wolfgang Birkenstock
„Mein Sportjahr 2020“

Tabea Christ: Training auf Asphalt, Inlinern und flauschigem Teppich

In unserer Serie „Mein Sportjahr 2020“ erzählen erfolgreiche Sportler aus der Region über ihre ganz persönlichen Erlebnisse. Heute: die Stadtlohner Leichtathletin Tabea Christ.

Bereits früh im Jahr hörte ich Gerüchte über ein neues Virus, hätte jedoch nicht damit gerechnet, dass es mich so stark einschränken würde. Zwar war die Hallenweltmeisterschaft der Leichtathleten bereits abgesagt, allerdings sollte diese 2020 auch in China stattfinden. Also fuhr ich am Karnevalswochenende nach Leipzig, wo die Deutschen Hallenmeisterschaften (DM) wie geplant stattfanden.

Nach der DM endete die kurze Hallensaison wieder und die Vorbereitungen auf den Sommer begannen Anfang März. Mein Heimtrainer Charles Friedek, gleichzeitig der Bundestrainer Dreisprung, hatte für unsere Trainingsgruppe einen Aufenthalt in Monte Gordo, Portugal, Ende März organisiert. Doch das gesamte Trainingslager wurde kurzfristig abgesagt. Ebenso eine weitere für Ende April geplante Reise nach Belek, Türkei.

Innerhalb von etwa drei Wochen hatte sich die Situation dramatisch verschlechtert. Erste Einschränkungen für mich gab es am 16. März, als unsere Trainingsanlage in Leverkusen gesperrt wurde, sodass wir uns nur noch in öffentlichen Parks treffen konnten. Doch auch das war nur für ein paar Tage möglich, denn als erste Stadt in Nordrhein-Westfalen hat Leverkusen am 20. März ein Kontaktverbot verordnet, welches mir die Möglichkeit nahm, mich mit meiner Trainingsgruppe im Stadtgebiet zu treffen.

Bevor am Montag ein erster Lockdown über ganz Deutschland verhängt wurde, fuhr ich zurück nach Stadtlohn. Dort trainierte ich in den nächsten Wochen täglich, wenn auch anders als sonst. Sprints machte ich auf Asphalt statt auf Tartan, Ausdauer auf Inlinern statt Stadionrunden und Stabi-Übungen auf dem flauschigen Teppich statt Gymnastikmatten. Besonders schwierig gestaltete sich das Krafttraining. Ohne entsprechende Ausrüstung blieben nur Übungen mit eigenem Körpergewicht, welche natürlich nicht den gleichen Trainingseffekt haben. Sprünge konnte ich kaum trainieren, da eine Straße dafür zu hart und ein Rasen zwar weich genug, aber zu uneben ist. Beides hatte ein hohes Verletzungspotenzial.

Zurück nach Leverkusen

Anfang April war die vorlesungsfreie Zeit beendet und die Uni nahm ihren Betrieb wieder auf. Alle Veranstaltungen, die ich für meinen Masterstudiengang der Sportwissenschaften belegte, fanden online statt. Nach Ostern fuhr ich einmal nach Leverkusen, um mich mit meinem Trainer zu treffen. Doch es sollte noch bis Mitte Mai dauern, bevor ich endgültig zurück nach Leverkusen ging.

Als mein Verein die Trainingsanlage mit einem strengen Hygienekonzept wieder geöffnet hatte, war bereits klar, dass nicht nur die Olympischen Spiele in Tokio und die Europameisterschaften in Paris nicht stattfinden werden. Für mich kam hinzu, dass sich meine schon zwei Jahre alte Knieverletzung weiterhin nicht besserte. Deshalb haben mein Trainer und ich überlegt, diese ungewöhnliche Saison zu nutzen, um das Sprungbein zu wechseln. Letztendlich konnte ich einige kleinere Wettkämpfe bestreiten, war aber mit meiner Leistung nicht wirklich zufrieden.

Im November ging es an der Uni weiter, und erneut findet das Semester nur digital statt. Sportlich arbeite ich nun an den Grundlagen für das neue Jahr. Zu meiner Erleichterung wurde ich durch Bayer Leverkusen einer Gruppe von Athleten zugeordnet, die alle Trainingsmöglichkeiten am Standort nutzen können. Dabei wurden die Hygieneauflagen nochmals verschärft. Nur wie es wettkampftechnisch 2021 weitergeht, weiß heute noch niemand. Es soll wenige Veranstaltungen geben, die jedoch ohne Zuschauer stattfinden sollen. Ob ich starten kann, weiß ich noch nicht.

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