Arun Mirzada © Union Wessum
Fußball

Union Wessum holt sich geballte Fachkompetenz ins Haus

Er ist ausgewiesener Spezialist in Sachen Techniktraining. Seine Erfahrung aus der Arbeit bei etlichen Topklubs will Arun Mirzada jetzt an Trainer und Spieler in Wessum weitergeben.

Sein fußballerischer Werdegang führte Arun Mirzada über VfB Alstätte und SuS Stadtlohn, wo er als Spieler aktiv war, bis zu in die Spitzenklubs des deutschen Fußballs. Schalke, BVB und Leipzig sind nur einige Klubs, die Mirzada schon engagiert haben. Seit November arbeitet der 39-Jährige jetzt auch für Union Wessum.

„Der Einstieg ohne echtes Training auf dem Platz war natürlich auch für mich sehr schwierig“, sagt Arun Mirzada im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Das Online-Training, das er für viele Nachwuchskicker bei Union seitdem leitet, laufe zwar sehr positiv, auch Eltern machten häufig bei den Übungen mit. Aber auch der Techniktrainer würde natürlich lieber heute als morgen auf den Rasen zurück.

Wenn es soweit ist, steht erst einmal eine Bestandsaufnahme an. „Das Erste, worauf ich immer achte, ist der Kontakt zwischen Trainern und Spielern. Dass da die Kommunikation stimmt, ist für mich das A und O. Dann werde ich das Leistungsniveau in den verschiedenen Mannschaften checken und mit diesen Erkenntnissen dann ein Trainingskonzept entwickeln für die verschiedenen Jahrgänge.“

Viele Trainer, die selbst aktiv Fußball gespielt haben, würden Jugendteams so trainieren, wie sie aus ihrer Zeit bei den Senioren kennengelernt haben. „Das ist aber oft nicht altersgerecht“, sagt Mirzada. „Bei mir war das genauso, als ich damals beim VfB Alstätte meine erste Mannschaft übernommen habe. Da habe ich jede Menge falsch gemacht.“ Wichtig sei es, dass die Kinder den Sinn jeder Trainingsübung verstehen.

Funino und andere Modelle, bei denen die Kids in Kleingruppen gegeneinander spielen, seien unerlässlich. „Nur so kann man sichergehen, dass jeder ausreichend Ballkontakte erhält und sich kein Kind verstecken kann. Bei einem Spiel sieben gegen sieben entwickeln sich in der Regel nur die weiter, die sowieso schon besser sind als die anderen. Unser Ziel muss es aber sein, so viele Kinder wie möglich weiterzuentwickeln.“

Mit Trainingslehre hat sich der gebürtige Afghane jahrelang beschäftigt, sie sogar zu seinem Beruf gemacht. „Vor 15 Jahren war ich beim Jugendfußballportal FD21, das unter anderem Jürgen Klinsmann mit entwickelt hatte. Da bin habe ich die Coerver-Methode kennengelernt und mich gefragt, warum ich überhaupt nichts darüber wusste, obwohl ich beim SuS Stadtlohn bis zur A-Jugend ziemlich hoch gespielt hatte.“

Technik statt Taktik im Vordergrund

Die Coerver-Methode geht bereits in die 1970er Jahre auf die Ideen des niederländischen Trainers Wiel Coerver zurück. Seine These: Ballbeherrschung und Technik sind für die Ausbildung von Jugendfußballern in den ersten Jahren das Allerwichtigste, Physis und Taktik eher zu vernachlässigen.

Mirzada beschäftigte sich immer intensiver damit, im Rahmen seines Studiums im Sportmanagement an der Fachhochschule Remagen, durch Praktika oder Hospitationen (etwa bei Benfica Lissabon oder Juventus Turin). Dabei arbeitete er auch stets mit Jugendfußballern zusammen, in Camps, als Vereinstrainer oder eben Techniktrainer. „Vereine wie Schalke, Dortmund, Leipzig, Bremen, Hoffenheim und viele andere haben mich oft für Einzeltrainings gebucht. Blöderweise wollte aber kein Verein einen Techniktrainer fest einstellen.“

Mit dem früheren Profi und Nationalspieler Fabian Ernst hat der Alstätter dann 2018 eine Fußballschule in Hannover eröffnet, die Football Innovation Academy, die auch eigene Teams in den offiziellen Spielbetrieb schickt. „Mich hat es immer sehr geärgert, wenn Spieler aus den Sommercamps nach einem Jahr wiederkamen und erzählten, dass sie die Dinge, die sie bei uns gelernt hatten, in ihren Verein nicht machen durften. Umso schöner, dass wir jetzt unseren eigenen Klub haben.“

Jugendleiter Axel Reintges © Union Wessum © Union Wessum

Seinen Wohnsitz hat Arun Mirzada nach der Geburt des zweiten Kindes mit seiner Familie nach 15 Jahren in Köln kürzlich wieder nach Ahaus verlegt. So kam er mit den Union-Verantverantwortlichen um Jugendleiter Axel Reintges zusammen. „Arun kann uns mit seinen Erfahrungen weiterhelfen. Er hat noch mal einen ganz anderen Blick auf die Dinge in unserer Abteilung“, sagt Reintges.

Alle Spieler sollen bei Union gefördert werden

Durch die Zusammenarbeit versprechen sich die Wessumer, „dass wir als Klub ein breit gefächertes Angebot für unsere Fußballer in den 20 Mädchen- und Jungenmannschaften schaffen können. Der Hobbykicker soll bei uns genauso gefördert werden wie der ambitioniertere Spieler.“

In den vergangenen Jahren habe man bei Union festgestellt, dass zu viele Spieler zu anderen Klubs abwandern. Gegen diesen Trend anzusteuern, dabei soll auch der neue Techniktrainer helfen. Vorerst online, bald auch auf dem Platz.

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