DFB-Pokalsieger mit den Schalker A-Junioren wurde Mike Holtheuer (unten rechts) im Frühjahr 2002. © privat
Fußball

Von Schalke bis Stadtlohn: Mike Holtheuer „froh und stolz“ auf seine Laufbahn

2002 gewann er den DFB-Pokal mit den Schalker A-Junioren. Sein Talent schöpfte er danach nicht komplett aus. Er habe sicher mehr erreichen können, bereue aber nichts, sagt Mike Holtheuer heute.

Es ist Freitag, der 10. Mai 2002. Im Stadion an der Alten Försterei in Berlin geht es um den DFB-Pokal der A-Junioren. Der FC Schalke trifft auf den Deutschen Meister VfB Stuttgart. Zum VfB-Team zählen Spieler wie Marco Caligiuri oder Tobias Weis. Auf Schalker Seite läuft neben den späteren A-Nationalspielern Christian Pander und Mike Hanke auch ein Stadtlohner auf: Mike Holtheuer.

Zwischen den beiden Topteams des deutschen Juniorenfußballs in dieser Saison entwickelt sich ein spannendes Spiel vor rund 5000 Zuschauern, zu denen unter anderem der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und der deutsche Innenminister Otto Schily zählen. Den Schalker Führungstreffer durch Christian Pander (28.) gleicht in der 82. Minute Gerrit Müller aus. Es geht in die Verlängerung, schließlich ins Elfmeterschießen. Schalke gewinnt dieses mit 4:3 – und damit darf sich auch Mike Holtheuer DFB-Pokalsieger nennen. Sein bis heute größter Erfolg.

Es ist Sonntag, der 25. Oktober 2020. Im Wessendorfstadion in Stadtlohn geht es um drei Punkte in der Kreisliga A. Die DJK Stadtlohn empfängt GW Lünten zum Kellerduell und muss sich am Ende mit 0:3 geschlagen geben. Knapp eine Stunde stand nach seiner Einwechslung auch Mike Holtheuer auf dem Rasen. Einer von bislang zwei Einsätzen in dieser Saison.

Bei der DJK Stadtlohn hat Mike Holtheuer (l.) seine Laufbahn begonnen und dort lässt er sie aktuell auch ausklingen.  Hier beim Aufstieg in die A-Liga 2016
Bei der DJK Stadtlohn hat Mike Holtheuer (r.) seine Laufbahn begonnen und dort lässt er sie aktuell auch ausklingen. Hier beim Aufstieg in die A-Liga 2016 © Sascha Keirat © Sascha Keirat

Mit mittlerweile 37 Jahren kann es der Angreifer immer noch nicht ganz lassen. Auch wenn die Folgen manchmal unangenehm sind. „Nach der Belastung bekomme ich schon Schwierigkeiten“, sagt Holtheuer. „Da merke ich dann ein bisschen die ganzen Verletzungen, die ich im Laufe der Jahre hatte.“ Daher konzentriere er sich eigentlich mittlerweile auf den Altherren-Fußball. Nur wenn die Not bei der A-Liga-Mannschaft der DJK zu groß sei, dann stelle er sich noch mal zur Verfügung.

So lässt Holtheuer seine Laufbahn bei dem Klub langsam ausklingen, bei dem damals in der F-Jugend alles begann. Das Talent des Stürmers blieb lange bei der DJK. Erst im zweiten Jahr der B-Jugend bahnte sich der Wechsel zu einem großen Klub an. „Nürnberg wollte mich haben“, erinnert sich Mike Holtheuer. „Aber vor allem von der Entfernung her war das schwierig, deshalb habe ich abgelehnt.“

FC Schalke statt FC Nürnberg

Harald Vogtt und Hannes Robbe von der DJK hätten dem Talent aber versprochen, im nächsten Jahr mit ihm zum Probetraining beim FC Schalke zu fahren. Und das bestritt Holtheuer mit Erfolg. Trainer-Legende Norbert Elgert nahm den Stadtlohner fortan unter seine Fittiche. „Er war ganz klar der beste Trainer, den ich je hatte“, blickt Holtheuer zurück. „Das Taktische war das eine, aber auch das Menschliche war ihm sehr wichtig. Ich zum Beispiel war damals sehr introvertiert. Er hat mir geholfen, an mir zu arbeiten.“

Und auch sportlich lief es für den Stadtlohner. Mit dem Schalker Team um Pander, Hanke, Charles Takyi, Fabian Lamotte und weiteren späteren Bundesligaprofis spielte Holtheuer sehr erfolgreich. „Im zweiten A-Jugend-Jahr haben wir im Prinzip alles gewonnen – nur die Deutsche Meisterschaft hat uns gefehlt.“

Nach der Jugendzeit stellte sich dann aber für alle Talente die Frage: Wie geht es weiter? Holtheuer zum Beispiel blieb der Sprung zu den Profis, damals mit Sand, Mpenza oder Asamoah offensiv grandios besetzt, verwehrt. „Ich war immer nah dran“, so Mike Holtheuer. „Aber ich hatte auch immer wieder mit Verletzungen und leider auch mit meiner eigenen Disziplin zu kämpfen.“

So lief Holtheuer für zwei Spielzeiten bei der Schalker Reserve auf, stand in der Oberliga unter anderem mit Mike Büskens auf dem Rasen und zählte zum Aufstiegskader in die Regionalliga unter Trainer Gerhard Kleppinger. In den beiden Spielzeiten brachte es der Stadtlohner bei insgesamt 20 Einsätzen auf gerade mal rund 750 Minuten Spielzeit. Bei den Oberliga-Duellen mit dem SuS Stadtlohn stand er nicht im Kader.

Hier bestritt Mike Holtheuer (r.) das Westfalenliga-Derby gegen den SuS Stadtlohn im Trikot der SpVgg Vreden.
Hier bestritt Mike Holtheuer (r.) das Westfalenliga-Derby gegen den SuS Stadtlohn im Trikot der SpVgg Vreden. © Bernhard Mathmann © Bernhard Mathmann

Dennoch sammelte Holtheuer in dieser Zeit bleibende Eindrücke. Zum Beispiel durfte er in der Regionalliga an der Hafenstraße in Essen, an der Hamburger Straße in Braunschweig oder am Millerntor beim FC St. Pauli auflaufen, wo ihm auch sein einziger Regionalliga-Treffer gelang. „Vor dieser Kulisse in St. Pauli zu spielen, das war ein absolutes Highlight“, sagt Mike Holtheuer heute.

Über Bonn nach Schermbeck und zurück nach Stadtlohn

Dennoch: 2004 endete seine Zeit in Königsblau, es verschlug ihn zum Nordrhein-Oberligisten Bonner SC. Doch dieses Gastspiel endete nach nur einer Spielzeit wieder. „Das war nicht meine erfolgreichste Zeit, es passte einfach nicht so richtig“, so Holtheuer. Anschließend blühte er allerdings wieder auf, beim SV Schermbeck. „Das waren drei richtig geile Jahre mit Oberliga, Abstieg und direktem Wiederaufstieg“, so Holtheuer.

2008 ging es dann zurück in die Heimat: zum SuS in die Verbandsliga. „Da habe ich mich richtig wohlgefühlt. Die Mannschaft mit Uphues, Bennink, Bennies, Hackenfort und Krüchting, das war schon ne richtig geile Truppe.“ Trotzdem ging Holtheuer nach einer Spielzeit schon wieder, und zwar als Spielertrainer zum Heimatklub DJK in die Kreisliga A.

Beim SuS Stadtlohn spielte Mike Holtheuer 2008/09 eine starke Saison. Es blieb aber seine einzige am Losberg.
Beim SuS Stadtlohn spielte Mike Holtheuer 2008/09 eine starke Saison. Es blieb aber seine einzige am Losberg. © Michael Schley © Michael Schley

Rückblickend nicht die richtige Entscheidung, wie Holtheuer sagt: „Als 27-Jähriger wollte ich was Neues kennenlernen und es als Spielertrainer versuchen. Ich hätte damals auf Rudi Schipper hören und noch beim SuS weitermachen sollen.“ Nach nur einem Jahr bei der DJK folgte der Stürmer dann 2010 dem Lockruf der SpVgg Vreden. Hier trug er zum Aufstieg in die Verbandsliga 2011 bei und blieb noch bis Sommer 2014 in der Widukindstadt.

Unfreiwillig musste er dort wegen eines Knorpelschadens aufhören. „Ich war eigentlich noch fit genug und war froh, dass ich ein paar Monate danach überhaupt wieder mit dem Spielen anfangen konnte“, so Holtheuer. Seit 2014 spielt er für die DJK in der Kreisliga A beziehungsweise B. Einen Abstecher machte er in der Spielzeit 2019/20, als er Spieletrainer bei der TG Almsick wurde. Seit diesem Sommer trägt er nun wieder das Trikot seines Heimatklubs. So lange die Knochen es noch zulassen.

Ob Holtheuer mit dem Erreichten zufrieden ist? „Naja, mit ein bisschen weniger Verletzungspech und ein bisschen mehr Disziplin hätte ich sicher noch länger höher spielen können. Aber ich bereue nichts und bin froh und stolz auf das, was ich im Fußball erlebt habe.“

Übrigens: Fan des FC Schalke war Holtheuer nie, sondern Bayern-Anhänger. „Aber durch meine Vergangenheit bin ich natürlich Schalke-Sympathisant und habe auch heute noch Kontakte, zum Beispiel zu Norbert Elgert.“ Der formt auch heute noch die Schalker Talente. Wie vor knapp 20 Jahren einen jungen Angreifer aus Stadtlohn.

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