Junge Sportler, die in Castrop-Rauxel bei Gastfamilien einquartiert waren, machten sich am Rasen des Stadions von Borussia Dortmund zu schaffen. © picture alliance/dpa
Sportgeschichte

2001: Castrop-Rauxeler Gäste klauten im Stadion des BVB

Wenn es eine Straftat ist, dann ist sie bestimmt verjährt. Die Castrop-Rauxeler Sportjugend hatte vor 20 Jahren Gäste, die sich beim Klauen nicht erwischen ließen.

Castrop-Rauxel nennt sich selbst „Europastadt“. Beleg dafür sind sieben noch aktive Städtepartnerschaften – mit Wakefield in England (seit 1949), Vincennes in Frankreich (1961), Kuopio in Finnland (1965), Zehdenick in Brandenburg (1990), Nowa Ruda in Polen (1991), Trikala in Griechenland (2013) und Zonguldak in der Türkei (2013). Eine dieser Städte schickte einige Jahre lang fidele Jugend-Sportgruppen nach Castrop-Rauxel.

Vor fast 20 Jahren berichtete unsere Redaktion recht ausführlich über die Gäste aus dem finnischen Kuopio, die die Sportjugend im Stadtsportverband (SSV) für eine Woche beherbergte. An einem Sonntag im Juli 2001 trafen sich die Nachwuchs-Eishockey-Spieler von KalPa mit einer Castrop-Rauxeler Stadtauswahl zum Fußball-Spiel auf dem Kunstrasen beim SC Arminia Ickern.

2001 gab es sie noch, die internationale Jugendbegegnung zwischen Castrop-Rauxel und dem finnischen Kuopio. Marcel Struckmeyer (rechts auf dem linken Foto) begrüßte mit einer Stadtauswahl die Eishockey-Spieler von KuPs zum Fußball-Spiel in Ickern. © Jens Lukas © Jens Lukas

„Mikko Tuomainen traf für die Finnen“, lautete die Überschrift über dem Artikel. Dabei handelte es sich um das Ehrentor der Gäste. Letztlich hatten die von Trainer Karl-Heinz Lukas betreuten Gastgeber mit 7:1 (2:0) die Nase vorn. Bei 30 Grad im Schatten trugen sich Nabil Akrifou (2), Kapitän Marcel Struckmeyer (heute Spielertrainer der Spvg Schwerin II), René Niewind (aktuell TuS Henrichenburg), Kevin Mäder sowie Torsten Bugla und Daniel Ludwig (TuS Henrichenburg II) in die Torschützenliste ein.

Stadion-Rasen gemopst

Die Eishockey-Cracks aus Finnland ließen sich die gute Laune nicht nehmen und trugen durch spektakuläre Paraden von Keeper Timo Holopainen sowie einen Sprung kopfüber in den Wassereimer von Lauri Ruotsalainen zum Unterhaltungswert der Partie bei. Während des einwöchigen Besuchs stand eine Fahrt zum Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Nürnberg auf dem Programm.

Der Sportjugend-Vorsitzende Ulli Müller erinnert sich an die Zeit, in der der Austausch auch Castrop-Rauxeler Jugendliche nach Kuopio führte – und berichtet: „Wir hatten mit den Finnen eine Führung durch das Dortmunder Stadion mit Norbert Dickel. Er hatte darauf hingewiesen, dass der Rasen nicht betreten werden durfte. Die Jungen haben sich allerdings Rasenhalme gemopst und diese wie Reliquien in Plastiktütchen aus dem Stadion geschmuggelt.“

Auch eine andere Anekdote weiß Müller zu erzählen. Er sagt: „Die Finnen wurden bei den Gastfamilien wirklich gut versorgt. Obwohl sie eigentlich abends schon satt waren, sind sie losgezogen und haben sich große Party-Pizzen geholt, die in ihrem Land unerschwinglich gewesen sind.“

Konnte in Finnland Eishockey spielen: Ulli Müller. © Ulrich Müller © Ulrich Müller

Elchfleisch probiert

Kulinarisch interessant seien für die Castrop-Rauxeler die Gegenbesuche gewesen, weiß Ulli Müller. Obwohl sie ihren eigenen Koch mit an Bord hatten, probierten sie natürlich die finnischen Spezialitäten wie Lachssuppe und Elchfleisch.

Quasi ein „Urlaub im Urlaub“ sei stets die zweitägige Anreise gewesen, zu der auch die Überfahrt mit der Finnjet-Fähre gehörte. 500 Euro pro Person kostete das Urlaubs-Paket. In Finnland entdeckte Ulli Müller seine Liebe für das Eishockey spielen, dass er somit alle zwei Jahre probieren konnte.

Wilfried Straub , der Ehrenvorsitzende der Sportjugend, hatte im Jahr 1991 die internationale Jugendbegegnung mit Kuopio nach einem elfjährigen Dornröschenschlaf erweckt – zunächst mit den Fußballern des Clubs KuPs. Ulli Müller übernahm danach den Staffelstab.

Die gegenseitige Besuche gab es noch bis 2007. Weil die Stadt Kuopio ihren Reisenden keine Zuschüsse mehr zahlte, schlief der Jugendaustausch dann aber endgültig ein.

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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