Zwei Corona-Pausen mussten auch die Fußballer des FC Castrop-Rauxel im Jahr 2020 einlegen. Für ihren Meister-Titel in der Kreisliga A war ihnen zudem kein Jubel im Trikot auf dem Platz vergönnt. © Volker Engel
Rückblick

2020 fehlten Jubel-Fotos und Meister-T-Shirts auf Mallorca – dafür gab es zwei Corona-Pausen

Ja. Solch eine Saison wie jene von 2019/20 hat kein Fußballer je erlebt. Die Saison wurde abgebrochen. Und viele Dinge, die für eigentlich nach dem Gewinn eines Meistertitels oder einem Aufstieg dazugehören, fehlten.

Auf allen deutschen Fußballplätzen war es viele Jahre so – egal in welcher Liga. Macht eine Mannschaft den Meistertitel perfekt, jubeln Spieler, Trainer, Fans. Sekt spritzt. Menschen liegen sich glücklich in den Armen.

Wochen später folgt im Clubhaus die offizielle feuchtfröhliche Feier – der Staffelleiter überreicht die Meister-Urkunde. Wer, wo, in welcher Liga, Meister geworden ist, prangt bei der Saison-Abschlussfahrt zum Ballermann auf Mallorca in stolzen Lettern auf den Shirts der Fußballer.

Kein Sekt wurde nach dem Spiel verspritzt

Das war einmal. Im Jahr 2020 gab es Meister der anderen Art: Das Virus bestimmte diese. Am 15. März war Schluss mit Amateurfußball. Die Saison 2019/20 wurde abgebrochen wegen der seit Februar aufkeimenden Corona-Pandemie. Es gab Aufsteiger, aber keine Absteiger.

Meister gab es im beschriebenen, klassischen Sinne auch nicht. Es jubelte niemand auf dem Sportplatz, die Mannschaften stellten sich den Fotografen nicht auf für das Meisterfoto. Sekt spritzte nirgends. Ein trauriges Bild, das bis dahin kein Fußballer erlebt hatte. Das auch keiner mehr ein zweites Mal erleben möchte.

Die Meisterfeier fiel aus – vielleicht gab es ein paar Bierchen in kleiner Runde. In Castrop-Rauxel erlebten die traurigste aller Fußball-Meisterschaften der SV Wacker Obercastrop (Landesliga), FC Castrop-Rauxel (Kreisliga A), Eintracht Ickern (Kreisliga B) und Victoria Habinghorst III (Kreisliga C). In den Kreisligen lagen beim Abbruch alle Erstplatzierten aus Castrop-Rauxel so weit vorne, dass niemand meckern konnte.

Anders bei Landesligist Wacker Obercastrop. Querschüssen von Verfolger TuS Bövinghausen trübten die Freue. Der Dortmunder Tabellenzweite posaunte lauthals, dass Obercastrop abgefangen worden wäre, hätte die Saison ein normales Ende gefunden. Diese Zwischentöne verstummten erst, als der TuS Bövinghausen in einer Art Gnadenakt des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) ebenfalls aufsteigen durfte in die Westfalenliga. Inzwischen haben Obercastrop und Bövinghausen gezeigt, dass sie dort hingehören.

Das war es 2020 längst nicht mit schlechten Nachrichten. Der zweite Corona-Lockdown folgte am 1. November. Niemand kann sagen, was in dieser Fußball-Saison 2020/21 noch passieren wird. Droht ein erneuter Abbruch? Wie wird bei einem Abbruch gewertet? Wird die gesamte Saison völlig annulliert?

Was waren das doch tolle Jahre, als Fußballer über den Meistertitel jubeln durften, sich glückliche Menschen in den Armen lagen. Zu befürchten ist: Auch die Saison 2020/21 wird so nicht zu Ende gehen. Erneut wird wohl der Rechenschieber hervor gekramt, um die „Meister“ zu finden. Wenn überhaupt! Dass die vom FLVW anvisierte 50-Prozent-Quote der Spiele in jeder Liga erreicht wird, ist noch nicht in Stein gemeißelt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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