Großes Gesprächsthema in den vergangenen Tagen: die Regenbogen-Kapitänsbinde von Manuel Neuer. © picture alliance/dpa
Fußball

Ärger um Neuers Regenbogen-Binde – was sagen Castrop-Rauxeler Kapitäne dazu?

Erst hat die Uefa gegen Manuel Neuers Regenbogen-Kapitänsbinde ermittelt, die Überprüfung im Anschluss wieder fallen gelassen. Was sagen Castrop-Rauxels Kapitäne zu der Thematik? Wir haben nachgefragt.

Erst hatte die Uefa Ermittlungen eingeleitet, danach diese wieder eingestellt. Die Regenbogen-Kapitänsbinde von Manuel Neuer, die er bereits seit längerer Zeit in der Nationalmannschaft trägt, ist in den vergangenen Tagen zum Thema nationaler Tragweite geworden.

Neuer trägt die Binde laut DFB-Pressesprecher Jens Grittner „als Zeichen und klares Bekenntnis der gesamten Mannschaft für Diversität, Offenheit, Toleranz und gegen Hass und Ausgrenzung.“ Werte, die selbstverständlich sein sollten.

Was sagen die heimischen Kapitäne zur Thematik um die Regenbogen-Binde? Und würden Sie die Binde selber tragen? Wir haben nachgefragt.

Matthias („Maciek) Gorzolnik, in der alten Saison Kapitän des VfB Habinghorst II und nunmehr Spieler bei der SG Castrop II (Kreisliga B), sagt: „Ich habe bislang noch keine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben getragen – und würde es auch nicht tun. Denn ich habe bislang alle Kapitänsbinden selbst gekauft. Meine farbliche Auswahl würde nicht der regenbogen-farbenen entsprechen, sondern war immer an die Vereinsfarben angepasst. Allerdings glaube ich auch, dass der Amateursport nicht die Reichweite besitzt, um welche Message oder Position es sich auch immer handelt, in die die Medien hinaus oder an die die Leute heranzutragen.“

Matondo Fely Mbunga, Spielführer des SuS Merklinde (Kreisliga A) sagt: „Ich finde das richtig toll, was Manuel Neuer macht. Ich persönlich habe solch eine Binde noch nie getragen, würde aber jederzeit tun.“

Der bisherige VfB-Kapitän Matthias Gorzolnik (schwarzes Hemd) passt die Farbe der Kapitänsbinde den Vereinsfarben an. Merklindes Spielführer Matondo Fely Mbunga (r.) hatte zuletzt eine blaue Binde. © Jens Lukas © Jens Lukas

Fatih Kantarci, der Spielführer des SC Arminia Ickern (Kreisliga A), meint: „Ich kann zu dem Thema nur sagen, dass ich generell nur Dinge mache, die aus meinem eigenen Antrieb kommen. Ich bin natürlich gegen Homophobie, aber ich würde das jetzt nicht einfach nur machen, weil Manuel Neuer es gemacht hat.“ Auch würde Kantarci keine Strafe gegen sein Team oder seine eigene Person in Kauf nehmen. Zudem solle es selbstverständlich sein, dass jeder Mensch gleich akzeptiert werde – egal welche Herkunft oder Glaube.

Zwei Binden zur Auswahl hat Fatih Kantarci von Arminia Ickern: eine in Neongelb, eine in Weiß. © privat © privat
Fatih Kantarci (r.) ist Spielführer von Arminia Ickern. © Jens Lukas © Jens Lukas

Kevin Wagener, Kapitän der Spvg Schwerin (Bezirksliga) meint: „Solch eine Binde habe ich noch nie getragen. Aber ich würde es generell als Statement machen.“ Wagener hat auf Schwerin zwei Kapitänsbinden mit Vereins-Wappen zur Verfügung. Eine in Blau, eine in Gelb. Er deponiert diese zumeist am Platz in seinem Spind.

Wer wusste das? Moritz Budde, Spielführer des Westfalenligisten Wacker Obercastrop hat eine U13-Kinderbinde in Ginstergelb und mit Wacker-Logo. Warum aber eine Binde in Kindergröße? Budde erklärt: „Unser Torwart David Scholka hat diese damals für mich bestellt. wissend, dass mir normal großen Binden stets runterrutschen.“ Moritz betont, dass er uni-farbene Binden mit Wappen bevorzugt. Wenn möglich in Vereinsfarben: „Ausgefallenere Sachen oder Symbole brauche ich beim Fußballspielen nicht am Arm. Ich halte es gerne schlicht.“

Bei Wacker-Kapitän Moritz Budde (r.) besteht die Gefahr, dass die Spielführerbinde herunterrutscht. © Volker Engel © Volker Engel

Jörn Gumpricht, Torwart und bisheriger Kapitän von Victoria Habinghorst (Kreisliga A), sagt: „Ich habe bislang noch keine Regenbogen-Binde getragen, aber ich würde es definitiv tun. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung in der Gesellschaft. Und wenn man mit diesem Symbol auch nur ein kleines Zeichen setzen kann, dann sollte man das auch tun.“

Dietrich Liskunov, der ehemalige Kapitän des Landesligisten FC Frohlinde und jetzt Spieler des FC Brünninghausen (Westfalenliga), erklärt: „Eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben habe ich bislang noch nicht getragen. Grundsätzlich würde ich mit einer solchen Binde selbstverständlich auflaufen. Allerdings muss ich meine Werte nicht unbedingt über eine Kapitänsbinde nach außen tragen. Für Homophobie habe ich nichts übrig, unabhängig von der Farbe der Binde.“

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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